Darum ist Finale um einen Europacupplatz ein Wahnsinn

Sport / 07.06.2023 • 20:20 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bislang traf Haris Tabakovic gegen Austria Lustenau nicht, auch weil Stefano Surdanovic etwas dagegen hatte.<span class="copyright">gepa</span>
Bislang traf Haris Tabakovic gegen Austria Lustenau nicht, auch weil Stefano Surdanovic etwas dagegen hatte.gepa

Im großen Finale um Europa trifft Austria Lustenau auf den Namensvetter aus Wien mit Haris Tabakovic.

Wien, Lustenau „Einmal noch ein volles Reichshofstadion, einmal noch zuhause für die treuen Anhänger alles raushauen und sich eine gute Ausgangssituation für das Rückspiel am Sonntag schaffen.“ Das sind die Schlagworte von Austrias Cheftrainer Markus Mader vor dem Hinspiel des Europacup-Play-off-Finales heute um 17 Uhr in Lustenau gegen den Fünftplatzierten der Meistergruppe, Austria Wien.

„Der Druck liegt klar bei den Wienern. Sie müssen in den Europacup, wir können.“

Markus Mader, Trainer Austria Lustenau
Austria Lustenaus Trainer Markus Mader. <span class="copyright">Fotos: gepa</span>
Austria Lustenaus Trainer Markus Mader. Fotos: gepa

Regeneration

Nach dem 2:1-Krimisieg in Wolfsberg hat man im Lager der Grün-Weißen alles unternommen, um die Spieler kräftemäßig wieder voll herzustellen. Die Rückreise über Graz mit dem Flugzeug „ist jetzt Gold wert gewesen. Das hat uns in der Regeneration enorm geholfen“, erklärt der 55-Jährige. Dazu lief die Mannschaft in der Kältekammer auf, die Physios leisteten Arbeit im Akkord, um jeden Kicker wieder auf Vordermann zu bringen. Es wurde für die finale Phase der Meisterschaft gar eine zusätzlicher Masseur bereitgestellt. „Aber wie fit die Jungs dann wirklich sind, zeigt sich dann auf dem Platz. Wobei ich überzeugt bin, dass jeder Einzelne nochmal den inneren Schweinehund überwinden wird und vor allem will“, so Mader.

Fussball, Admiral Bundesliga

Europacup-Play-off-Finale, Hinspiel

Austria Lustenau – Austria Wien Donnerstag

Lustenau, Reichshofstadion, 17 Uhr, SR Altmann


Die Chance, erstmals in der Vereinsgeschichte die Qualifikation zur Conference League zu schaffen, ist riesengroß, auch weil man wie schon die ganze Saison über wieder nur überraschen kann. „Der Druck liegt ganz klar bei der Wiener Austria. Sie müssen in den Europacup, wir können. Darin sehe ich unsere Chance.“

Lukas Fridrikas erzielte im Frühjahr schon elf Tore.
Lukas Fridrikas erzielte im Frühjahr schon elf Tore.

Sportlich gesehen wartet ein großer Brocken auf die Elf aus Lustenau, den die Mader-Elf in der abgelaufenen Saison gut beiseite schieben konnte. In den zwei Duellen (2:2, 1:0) gingen die Grün-Weißen nicht als Verlierer vom Feld. „Aber die Veilchen haben sich seit dem letzten Aufeinandertreffen (1:0) richtig gut entwickelt, verfügen mit Haris Tabakovic, Aleksandar Jukic oder Manfred Fischer über herausragende Individualisten“, beschreibt Austrias Erfolgscoach den heutigen Gegner, dem man heute keine Räume für schnelles Umschalten geben will. „Nicht ins offene Messer laufen. Wieder Geduld zeigen und dann zuschlagen“, hört man als Motto aus Lustenau. Verständlich, wenn man vorne mit Lukas Fridrikas derzeit Österreichs heißesten Stürmer aufzubieten hat.

„Tabakovic on fire“

Aber auch aufseiten der Wiener wartet ein heißes Eisen im Angriff. Letzte Saison schoss Haris Tabakovic die Lustenauer Austria mit 27 Toren zum Aufstieg, jetzt die Wiener Austria mit 17 Toren auf Platz fünf und ins Europacup-Play-off. Dort trifft er nun ausgerechnet auf seinen Vorarlberger Ex-Klub. „Das ist der Wahnsinn. Ich glaube, niemand in Österreich hat erwartet, dass es Lustenau in die Play-offs schafft. Das ist crazy und wird ein geiles Duell.“ Ganz so emotionell wie seine erste Rückkehr ins Reichshofstadion im Februar werde es für ihn heute zwar nicht: „Aber klar ist es etwas Besonderes, in so einem wichtigen Spiel nochmal gegen sie zu spielen.“

Viel Lob für den Ex-Klub

„Das ist der Wahnsinn. Ich glaube, niemand in Österreich hat erwartet, dass es Lustenau in die Play-offs schafft. Das ist crazy und wird ein geiles Duell.“

Haris Tabakovic, Stürmr Austria Wien
Haris Tabakovic schoss Austria Wien im Frühjahr auf Platz fünf der Meistergruppe.
Haris Tabakovic schoss Austria Wien im Frühjahr auf Platz fünf der Meistergruppe.

Vor allem weil er zu Lustenau-Kapitän Matthias Maak, Tobias Berger oder Sportdirektor Alex Schneider immer noch persönlichen Kontakt hat: „Wir schreiben uns Nachrichten, gratulieren uns zu Erfolgen.“ Besonders freut sich der Goalgetter auf den Fight mit seinem Freund und Lustenau-Abwehrchef Maak: „Das sind immer gute Duelle. Er ist sehr groß, stark in den Zweikämpfen und hat einen guten Fuß, um Dinge spielerisch zu lösen. Aber auch Jean (Anmerkung: Hugonet) ist ein unangenehmer Gegner.“ Vor allem hat Tabakovic mit Lustenau noch eine Rechnung offen, konnte mit den Wienern noch nicht gewinnen. Mitverantwortlich dafür war auch, dass der 1,97 Meter große Schweizer seine hochkarätigen Chancen nicht nutzte. Doch seit dem letzten Aufeinandertreffen ist viel passiert, hat sich Tabakovic in einen wahren Torrausch geschossen – mit seither 13 Toren in 14 Einsätzen. Doch auch Lustenaus Entwicklung ist beachtlich: „Das hat niemand erwartet. Sie spielen sehr stabil, sind insgesamt aber auch unberechenbar. Vorne haben sie mit ihren sehr schnellen Spielern die Qualität für gute Konter.“ Darauf müsse seine Wiener Austria aufpassen „und eine gute Balance zwischen Risiko und Defensive finden. Wenn wir mit der selben Emotion und Motivation wie gegen Salzburg reingehen, bin ich guter Dinge.“

„An das Positive denken“

Für Wirbel sorgte im Vorfeld die Causa Hakim Guenouche: „Von der Kommunikation hätte es besser laufen können. Ich denke aber, es soll kein böses Blut entstehen, weil Hakim viel in Lustenau geleistet hat. Ein super Spieler und auch Mensch – deshalb sollte man lieber an die positiven Momente denken.“
Vielleicht mit ein Grund, dass Guenouche, dessen Back-up Tobias Berger seinen Vertrag in Lustenau bis Sommer 2025 verlängerte, gestern beim Training der Lustenauer auftauchte und sich für sein Verhalten entschuldigte.