Sri Lanka: Regierung sieht einheimische Islamistengruppe für Anschläge verantwortlich

Welt / 22.04.2019 • 11:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reuters/Blasts
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Sri Lankas Regierung hat eine einheimische radikal-islamische Gruppe für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht.

Colombo Sri Lankas Regierung hat eine einheimische Islamistengruppe für die Anschläge vom Ostersonntag verantwortlich gemacht. Die Regierung sei fest davon überzeugt, dass die Gruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ) die Selbstmordattentate verübt habe, sagte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne am Montag.

Sri Lankas Behörden überprüfen seinen Angaben zufolge auch, ob die Gruppe internationale Unterstützung hatte. Zuvor habe es Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppe gegeben.

Polizei hatte vor Anschlägen auf Kirchen gewarnt

Mehr als eine Woche vor der Serie von Selbstmordanschlägen in Sri Lanka hatte die Polizei des Landes Hinweise auf mögliche Angriffe auf Kirchen. Der stellvertretende Polizeichef Priyalal Dissanayake verfasste am 11. April ein Schreiben, in dem er von Anschlagsplänen einer einheimischen radikal-islamischen Gruppe auf katholische Kirchen sowie die indische Botschaft in Sri Lanka warnte.

Namentlich genannte Verdächtige hätten nach dem Anschlag auf zwei Moscheen im März im neuseeländischen Christchurch gegen andere Religionen gehetzt, hieß es. Der Sprecher des sri-lankischen Kabinetts, Rajitha Senaratne, bestätigte am Montag in einer Pressekonferenz die Echtheit des an mehrere Polizeieinheiten adressierten Schreibens, das Telekommunikationsminister Harin Fernando auf Twitter veröffentlicht hatte. Premierminister Ranil Wickremesinghe sei jedoch nicht informiert worden.

Senaratne, der auch Gesundheitsminister ist, kritisierte das angespannte Verhältnis zwischen Wickremesinghe und den Sicherheitsdiensten unter Staatspräsidenten und Verteidigungsminister Maithripala Sirisena. Sirisena hatte Wickremesinghe Ende vergangenen Jahres überraschend entlassen und ersetzt. Wickremesinghe gewann aber den Machtkampf und blieb im Amt. „Dies ist das einzige Land, wo, wenn der Premierminister den Sicherheitsrat einberuft, sie (gemeint sind deren Mitglieder) nicht erscheinen“, sage Senaratne.

Sieben Prozent Christen

Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Muslime. Unter den rund 22 Millionen Einwohnern Sri Lankas sind 70 Prozent Buddhisten, gut zwölf Prozent Hindus und gut sieben Prozent Christen. Islamistische Terrorangriffe hatte es bisher in dem Inselstaat nicht gegeben.

Opferzahl auf 290 Tote gestiegen

In Sri Lanka ist die Zahl der Todesopfer nach den Anschlägen auf Kirchen und Hotels auf 290 gestiegen. Rund 500 Menschen seien verletzt worden, als am Ostersonntag Unbekannte fast zeitgleich eine ganze Serie von Sprengsätzen zündeten, teilte die Polizei am Montag mit. 24 Verdächtige seien festgenommen worden, sie seien alle Staatsangehörige Sri Lankas.