Papst warnt vor Souveränitätsansprüchen der Staaten

02.05.2019 • 11:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Papst Franziskus warnte vor exzessivem Nationalismus.

Papst Franziskus hat am Donnerstag vor übertriebenen Ansprüchen auf Souveränität seitens der Staaten gewarnt.

Vatikanstadt In einer Ansprache vor der päpstlichen Akademie für soziale Wissenschaften meinte der Papst, dass viele Spannungen weltweit aus exzessiven Forderungen nach Souveränität entstehen würden.

„Wir haben leider Situationen vor Augen, in denen Nationalstaaten in ihren Beziehungen mehr in einem Geist des Kontrasts als der Kooperation agieren“, so der Papst bei einer Audienz mit Teilnehmern an der Plenarversammlung der päpstlichen Akademie für soziale Wissenschaften, die bis Freitag im Vatikan tagen. Nationalismus sei gefährlich, wie Europa im 20. Jahrhundert erleben musste.

Sorge vor Fremdenfeindlichkeit

Franziskus sprach auch das Thema Fremdenfeindlichkeit an. „Die Kirche beobachtet mit Sorge das Wiederaufflammen aggressiver Strömungen auf der ganzen Welt gegen Ausländer, vor allem Migranten, sowie den wachsenden Nationalismus, der das gemeinsame Wohl nicht berücksichtigt“, warnte der Heilige Vater.

„Der Migrant ist keine Bedrohung für die Kultur, die Traditionen und die Werte der Nation, die ihn aufnimmt. Auch der Migrant hat jedoch die Pflicht, sich in die Nation zu integrieren, die ihn aufnimmt“, so der Papst. Es sei Aufgabe des Staates, die Migranten zu schützen und die Migrationsströme zu regeln sowie die Aufnahme der Flüchtlinge zu fördern.

Liebe für das eigene Volk und das Vaterland sei zwar gerechtfertigt, zu verurteilen seien jedoch Verzerrungen, die zu Ausgrenzung und Hass, zur Errichtung von Mauern, zu Rassismus oder gar zu Antisemitismus führten. Nationalismus gefährde die internationale Kooperation, warnte der Papst.

In seiner Ansprache hob Franziskus auch die Bedeutung der EU hervor. Man dürfe die Vorteile nicht vergessen, die Europa dank der Integration der Völker seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt habe.