Thiem will auch in Wimbledon und New York gut spielen

10.06.2019 • 08:04 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Zwei „best of five“-Matches gegen zwei der größten Tennis-Spieler aller Zeiten innerhalb von 23 Stunden. Als ob die Aufgabe nicht schwierig genug gewesen wäre. Zunächst den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic mit einem Fünf-Satz-Sieg vom vierten Major-Sieg in Folge abhalten und dann auch noch gegen Sandplatz-König Rafael Nadal im Finale antreten müssen. Das war auch für Dominic Thiem zu viel.

Der mittlerweile 33-jährige Nadal ist nach wie vor gerade in Roland Garros eine Macht. Da bedarf es schon 110 Prozent Leistungsfähigkeit. „Ich habe gestern (Samstag) eine der größten Legenden unseres Spiels geschlagen und nicht einmal 24 Stunden später muss ich gegen eine andere unglaubliche Legende unseres Sports auf den Platz. Den besten Sandplatz-Spieler aller Zeiten. Das zeigt auch, wie schwierig es ist, einen Grand Slam zu gewinnen“, brachte es Thiem auf den Punkt.

Keine Frage, dass ein erster Grand-Slam-Titel mit Siegen über zwei derartige Hürden in Folge in den Augen vieler Fans vielleicht noch goldener geglänzt hätte. Aber so denkt Thiem nicht. Denn er hofft, dass Nadal auch noch länger weiterspielt. „Ich wünsche mir auf keinen Fall, dass er aufhört. Aber für mich wäre es auch genauso viel wert, wenn ich vielleicht irgendwann einmal das Turnier hier gewinne, ohne ihn zu schlagen. Das ist mir ziemlich wurscht“, versichert Thiem. Was man aber nicht vergessen darf, erklärt der Niederösterreicher, dass es nun „gerade eine spezielle Zeit im Tennis“ ist. Die drei einzigen Spieler, die jemals über 15 Grand Slams gewonnen haben, und die alle vier Grand Slams gewonnen haben, spielen zur Zeit alle in sehr guter Form.“

Thiem hatte bald schon den Fokus in Richtung Zukunft gerichtet. „Das Einzige, woran ich denke, ist, dass ich jetzt richtig weiterarbeite. Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin.“ Er habe bisher eine sehr gute Saison. „Ich glaube auch, dass ich mich spielerisch noch einmal weiterentwickelt habe in den letzten Wochen und Monaten.“ Und er möchte sich auch auf den anderen Belägen weiterentwickeln. „Ich will auch in Wimbledon und in New York gut spielen und mich nicht zu sehr auf die French Open festlegen.“

Völlig zurecht, denn mit kleinen Adaptionen ist für Thiem bei allen Slams mehr möglich als bisher. Das hat man im Viertelfinal-„Klassiker“ gegen Nadal auch schon bei den US Open 2018 gesehen, als er erst nach fast fünf Stunden mit 6:7 im fünften Satz verlor. Zudem hat Thiem den ersten Masters-1000-Titel in Indian Wells auf Hartplatz gefeiert, auch schon einen Hallen-Titel in St. Peterburg sowie einen Rasen-Triumph in Stuttgart zu Buche stehen.

„Das nächste Ziel ist Wimbledon, ganz klar. Da ist noch genug Zeit zum Erholen, genug Zeit, sich auf Rasen vorzubereiten“, erklärte Thiem, der aus dem Vorjahr wegen einer Erstrunden-Aufgabe keine Punkte zu verteidigen hat. Dafür stand er schon vor zwei Jahren kurz vor dem Viertelfinaleinzug, unterlag Tomas Berdych in fünf Sätzen. Das wäre damals gleichbedeutend mit dem Semifinale gewesen, denn Novak Djokovic musste damals im Viertelfinale gegen Berdych aufgeben.

„Das Tennisjahr ist voll mit Highlights. Nach Wimbledon kommt Hamburg, Kitzbühel, was ich letztes Jahr völlig verbockt habe, woraus ich auch gelernt habe.“ Seine Hoffnung ist, dass er in die Serie Hamburg, Kitzbühel, Montreal, Cincinnati und US Open genauso frisch hineingeht wie in die Sandsaison in Monte Carlo. „Es ist mein Ziel, dass ich dort super Leistungen abliefere.“

Für Thiem gab es Sonntagabend aber doch etwas zu feiern. Seine Freundin Kristina „Kiki“ Mladenovic hatte ja den Doppel-Titel geholt. „Grand Slam-Titel ist immer was ganz Besonderes, egal ob Einzel, Doppel oder Mixed. Das ist mehr als ein schwacher Trost“, freute er sich mit der Französin mit.

Alles in allem sei er glücklich und „ein bisschen stolz“, weil es schon zwei Final-Chancen gegeben habe, einen der vier Majors zu gewinnen. Thiems nächster Turniereinsatz wird in Halle (Deutschland) ab 17. Juni sein. Es wird die Generalprobe für sein sechstes Wimbledon-Turnier.

Das Schlusswort soll diesmal jenem Mann gehören, der vorerst der einzige österreichische Einzel-Grand-Slam-Champion bleibt. „Ich weiß, was er (Thiem) durchmacht. Das ist ganz, ganz schwierig, das ist das härteste Turnier zu gewinnen“, meinte der in Paris zuschauende Muster im ORF-TV-Gespräch. Und streute Thiem Rosen: „Vom Tennis her ist er in diesem Alter viel besser, als ich es jemals war. In meine Fußstapfen ist er schon lange getreten, Hut ab vor dieser Karriere, der Rest kann kommen. Ich bin überzeugt, dass er Nummer 1 werden wird.“