Trump blies Vergeltungsangriff gegen den Iran kurzfristig ab

21.06.2019 • 10:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
AP

US-Präsident Donald Trump hat der „New York Times“ zufolge als Vergeltung für den Abschuss einer US-Drohne Militärschläge gegen den Iran genehmigt, diese dann aber kurzfristig doch nicht vollziehen lassen. Militärflugzeuge seien bereits in der Luft gewesen und Schiffe in Position, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf Regierungsvertreter.

Es seien aber noch keine Raketen abgefeuert worden, als der Rückzugsbefehl gekommen sei. Die von Trump gebilligten Militärschläge hätten einer Handvoll iranischer Ziele gegolten, etwa Radar- und Raketenstellungen. Sie hätten kurz vor Morgengrauen am Freitag ausgeführt werden sollen, um das Risiko für das iranische Militär oder Zivilisten in Grenzen zu halten.

Weshalb es zu dem Abbruch kam, sei zunächst nicht bekannt. Unklar sei außerdem, ob die Aktion lediglich verschoben wurde. Die „New York Times“ berichtete, dass es am Donnerstag zunächst heftige Diskussionen im Weißen Haus zwischen dem Präsidenten, seinen höchsten Sicherheitsberatern und Kongressspitzen gegeben habe.

Ob Trump kurzfristig seine Meinung geändert habe oder ob aus seiner Regierung Bedenken gekommen seien, sei nicht klar. Das Blatt bezieht sich auf Informationen von mehreren hochrangigen Regierungsbeamten, die entweder an den Diskussionen teilnahmen oder darüber informiert wurden. Weder das Weiße Haus noch das Pentagon wollten die Angriffspläne in der „New York Times“ kommentierten. Es habe aber keine Bemühungen gegeben, die Veröffentlichung des Artikels zurückzuhalten, hieß es.

Am Donnerstag hatte das iranische Militär den Abschuss einer unbemannten US-Drohne bekanntgemacht. Wo der Flugkörper abgeschossen wurde, ist umstritten. Der Iran widersprach der US-Darstellung, wonach der Vorfall über internationalen Gewässern stattfand. Er habe sich vielmehr über iranischem Gebiet ereignet. Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte später eine Abbildung, die den Flugweg der Drohne zeigen und damit die Darstellung der Vereinigten Staaten untermauern soll. Details wurden zunächst nicht vorgelegt.

„Der Präsident hat wohl nicht vor, in den Krieg zu ziehen, aber wir sind besorgt, dass er und die Regierung in einen Krieg hineinstolpern könnten“, teilte der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, zuvor mit. Besorgt zeigten sich auch führende Republikaner. „Wir sind heute viel näher dran als gestern, und nur Gott weiß, was morgen bringt“, sagte der Senator Lindsay Graham auf die Frage nach einer militärischen Konfrontation. Mehrere führende Republikaner im Repräsentantenhaus forderten eine „angemessene Antwort“ der USA auf den Zwischenfall vom Donnerstag.

US-Präsident Trump sagte am Donnerstag mit Blick auf den Iran: „Sie haben einen sehr schweren Fehler gemacht.“ Es sei „wissenschaftlich dokumentiert“, dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte später eine Abbildung, die den Flugweg der Drohne zeigen und damit die Position der Vereinigten Staaten untermauern soll. Details dazu wurden zunächst nicht vorgelegt. Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif schrieb dagegen auf Twitter, man werde den Fall vor die Vereinten Nationen bringen „und zeigen, dass die Vereinigten Staaten lügen“.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen seit Monaten zu. Erst am Montag hatte das Pentagon angekündigt, weitere 1.000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um US-Truppen und nationale Interessen der USA in der Region zu schützen. Bereits Ende Mai hatten die USA ihre Truppen im Nahen Osten wegen der „anhaltenden Bedrohung“ durch iranische Kräfte um 1.500 Soldaten verstärkt.

Der Iran hatte wiederum am Montag angekündigt, dass er bereits am Donnerstag kommender Woche eine im internationalen Atomabkommen mit dem Land festgelegte Obergrenze für Vorräte mit niedrig angereichertem Uran überschreiten werde. Zudem erklärte die Islamische Republik, umgehend bereit zu sein, auch das Anreicherungslimit von 3,67 Prozent zu brechen. Für Atombomben ist allerdings ein Anreicherungsgrad von 90 Prozent notwendig, wovon der Iran derzeit weit entfernt ist.