Arbeitslosigkeit sank im Juni um 4,9 Prozent

01.07.2019 • 11:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Trotz schwächeren Wirtschaftswachstums sinkt die Arbeitslosigkeit weiterhin. Ende Juni gab es im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,9 Prozent weniger Personen ohne Job. Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet waren 324.203 Personen (-16.821) ohne Beschäftigung. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit verlangsamt sich aber, im Juni 2018 sanken die Arbeitslosenzahlen noch um 9,1 Prozent.

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank in Österreich um 0,3 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent. Ende Juni gab es 264.520 vorgemerkte Arbeitslose, das waren um 3,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim Arbeitsmarktservice (AMS) ging um 10,1 Prozent auf 59.683 Personen zurück, teilte das AMS am Montag mit.

Die Arbeitslosenzahlen in Österreich sinken seit Frühjahr 2017 kontinuierlich. Zwischen Mitte 2011 und Ende 2016 stiegen sie stetig an und erreichten in diesem Zeitraum ein Rekordhoch seit 1946. Das abgeschwächte Wirtschaftswachstum lässt dennoch die Stellenanzeigen deutlich wachsen: Die Zahl der gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen erhöhte sich im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,8 Prozent auf 84.473. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg laut einer vorläufigen Prognose um 60.000 Personen (+1,6 Prozent) auf 3,827 Millionen.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen im Juni kommt nicht bei allen Menschen an. Bei arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmern (50 Jahre und älter) gab es ein leichtes Plus von 0,5 Prozent auf 93.290 Betroffene. Auch bei Personen mit Behinderung (+2,9 Prozent auf 13.837) und Personen mit sonstigen gesundheitlichen Einschränkungen (+2 Prozent auf 67.966) wurde ein Anstieg verzeichnet.

In allen anderen Bereichen ging die Arbeitslosigkeit in Österreich zurück . Der stärkste Rückgang bei arbeitslosen Personen und Schulungsteilnehmern wurde Ende Juni bei Jugendlichen unter 25 Jahren (-9,4 Prozent) verzeichnet, gefolgt von Personen ohne gesundheitliche Einschränkungen (-7,1 Prozent) und Personen zwischen 25 und 49 Jahren (6,3 Prozent).

Bei Männern gab es um 6,6 Prozent weniger Arbeitslose und Schulungsteilnehmer, bei Frauen sanken die Zahlen um 3,1 Prozent. Bei Inländern gab es ein Minus von 5,7 Prozent, bei Ausländern einen Rückgang von 3,3 Prozent.

Im Tourismus und der Gastronomie gab es ein Arbeitslosenminus von 6,2 Prozent. Dahinter folgten die Bereiche Bau (-5,4 Prozent), Arbeitskräfteüberlassung (-4,6 Prozent), Gesundheits- und Sozialwesen (-3,9 Prozent), Warenherstellung (-3,3 Prozent), Handel (-3,1 Prozent) und Verkehr und Lagerei (-1,6 Prozent).

Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet sank im Juni in allen Bundesländern: Den stärksten Rückgang gab es in Salzburg (-8,9 Prozent), Tirol (-8,6 Prozent) und Kärnten (-8,0 Prozent). Ein deutliches Minus verzeichneten auch Wien (-5,3 Prozent), Oberösterreich (-4,8 Prozent) und Niederösterreich (-3,9 Prozent). Dahinter rangierten das Burgenland (-3,1 Prozent), die Steiermark (-1,9 Prozent) und Vorarlberg (-1,7 Prozent).

Sozialministerin Brigitte Zarfl würdigte zum 25. Geburtstag des Arbeitsmarktservice (AMS) dessen Leistungen. „Insbesondere die kooperative Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, Ländern und anderen Akteuren zeigt die Wichtigkeit eines Interessenausgleichs, der alle Beteiligten einbezieht und so zum Erfolg der Arbeitsmarktpolitik beiträgt“, so Zarfl am Montag in einer Aussendung. Am 1. Juli 1994 wurde aus den Arbeitsämtern das Arbeitsmarktservice als Dienstleistungsunternehmen aus der Bundesverwaltung ausgegliedert.

Auch AMS-Vorstand Johannes Kopf meldete sich anlässlich des 25-jährigen Jubiläums zu Wort. „Wir danken unseren Kundinnen und Kunden, egal ob sie Arbeit, eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter, oder einfach nur Informationen suchen, für unzählige nette Begegnungen und die meist sehr gute Zusammenarbeit“, schreibt Kopf auf dem Online-Kurznachrichtendienst Twitter. Und weiter: „Wir wissen, dass wir uns laufend weiterentwickeln müssen und auch durchaus noch manches besser machen können. Daran arbeiten wir hart.“

Auch die Arbeitslosigkeit im Euroraum geht weiter zurück. Im Mai fiel die Arbeitslosenquote in den 19 Euroländern gegenüber dem Vormonat um weitere 0,1 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent, teilte das Statistikamt Eurostat am Montag mit. Das ist der niedrigste Stand seit Juli 2008.

In den 28 EU-Ländern ging die Quote ebenfalls um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zurück. Das ist der tiefste Stand seit Beginn der monatlichen Aufzeichnungen Anfang des Jahrtausends.

In der Europäischen Union waren im Mai 15,653 Millionen Menschen arbeitslos, im Euroraum waren es 12,348 Millionen Menschen. Im Monatsvergleich ging die Arbeitslosigkeit in der EU um 71.000 Menschen zurück, im Euroraum sank sie um 103.000 Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Arbeitslosigkeit sowohl in der EU als auch im Euroraum um deutlich mehr als eine Million.

Nach wie vor ist die Arbeitsmarktsituation in Europa sehr unterschiedlich. In Deutschland und den Niederlanden sind nur relativ wenige Menschen arbeitslos, während in Griechenland, Spanien und Italien hohe Arbeitslosenquoten verzeichnet werden. Allerdings hat sich die Situation in Griechenland und Spanien in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.