Bossa-Nova-Legende Joao Gilberto gestorben

07.07.2019 • 10:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der legendäre brasilianische Sänger und Gitarrist Joao Gilberto ist tot. „Mein Vater ist gestorben. Sein Kampf war edel. Er hat versucht, seine Würde zu bewahren, während er seine Eigenständigkeit immer weiter verlor“, schrieb sein Sohn Joao Marcelo Gilberto am Samstag auf Facebook.

Nach Angaben des Nachrichtenportals G1 starb Gilberto am Samstag im Alter von 88 Jahren in seiner Wohnung in Rio de Janeiro. Der Musiker galt als der Vater des Bossa Nova. Durch seine Interpretationen von „Das Mädchen aus Ipanema“ und „Chega de Saudade“ (Nie mehr Sehnsucht) gelangte er zu Weltruhm. Zuletzt lebte er Medienberichten zufolge schwer krank und hoch verschuldet in Rio de Janeiro.

„Joao Gilberto ist von uns gegangen, das größte Genie der brasilianischen Musik“, schrieb die Sängerin Gal Costa auf Instagram. „Er wird sehr vermisst werden. Sein Erbe hat eine große Bedeutung für Brasilien und die Welt.“

Gilberto brach mit 16 Jahren die Schule ab und zog nach Salvador, um Musik zu machen. Später ging er nach Rio de Janeiro und schloss sich dort der Gruppe Garotos da Lua an. Zwar nahm er bereits damals einige Singles auf, allerdings war er als Musiker größtenteils erfolglos, bis er den typischen Rhythmus des Bossa Nova erfand. Bei der „Neuen Welle“ der brasilianischen Musik handelte es sich um eine moderne Mischung von Samba und Jazz.

Der am 10. Juni 1931 in Juazeiro im Bundesstaat Bahia geborene Gilberto musizierte unter anderem mit dem Saxofonisten Stan Getz und dem Sänger und Komponisten Antonio Carlos Jobim. Für die Arrangements seiner Lieder arbeitete er auch immer wieder mit dem deutsch-amerikanischen Komponisten Claus Ogerman zusammen.

Als erster großer Bossa-Nova-Hit gilt „Chega de Saudade“, das von Antonio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben und von Gilberto interpretiert wurde. Mit seiner Album-Trilogie „Chega de saudade“ (1959), „O amor, o Sorriso e a Flor“ (1960) und „Joao Gilberto“ (1961) machte er den Bossa Nova auch außerhalb von Brasilien populär.

„Das Mädchen aus Ipanema“ beispielsweise wurde zunächst von Gilbertos Frau Astrud auf Portugiesisch eingesungen, später aber ins Englische übersetzt und von zahlreichen Künstlern interpretiert, darunter von Frank Sinatra. Für sein Werk wurde Gilberto mit zwei Grammy-Awards ausgezeichnet, sechsmal war er nominiert.

„Das ist ein monumentaler Verlust, nicht nur für den Bossa Nova, sondern für die gesamte brasilianische Musik“, sagte der Journalist und Bossa-Nova-Experte Ruy Castro im Fernsehsender Globo TV. Der Sänger Caetano Veloso sagte: „Für mich war Joao Gilberto der größte Künstler überhaupt.“

Seine erste Frau Astrud Gilberto verließ ihn später für Stan Getz. Gilbertos zweite Frau war die bekannte brasilianische Musikerin Miúcha, die mit bürgerlichem Namen Heloísa Maria Buarque de Holanda hieß. Die beiden waren acht Jahre lang verheiratet. 1966 wurde die gemeinsame Tochter Bebel in New York geboren. Fast 20 Jahre lebte Gilberto in den USA – mit einer zweijährigen Unterbrechung in Mexiko.

Ende 1979 kehrte Gilberto nach Rio de Janeiro zurück. Einen seiner letzten Auftritte hatte er 2008 in Salvador de Bahia – die Karten für die Tour zum 50. Geburtstag des Bossa Nova, zu deutsch neue Welle, waren in weniger als einer Stunde ausverkauft.

Ein Streit zwischen seinen Kindern Joao Marcelo und Bebel auf der einen und seiner letzten Ehefrau Claudia Faissol auf der anderen Seite prägten die vergangenen Jahre. Sie warfen Faissol vor, für den Ruin ihres Vaters verantwortlich zu sein – Ende 2017 übernahm Bebel die Vormundschaft für ihren Vater. Mit der 40 Jahre jüngeren Journalistin, von der Gilberto zuletzt getrennt lebte, hat er eine Tochter.