Anhörung von Sea-Watch-Kapitänin Rackete wird verschoben

Welt / 08.07.2019 • 13:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Die Anhörung der deutschen Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete in Italien verschiebt sich. Der für Dienstag angesetzte Termin bei der Staatsanwaltschaft in der sizilianischen Stadt Agrigent verschiebe sich, teilte Racketes Anwalt am Montag mit. Laut Staatsanwaltschaft ist ein Streik der Strafverteidiger der Grund für die Verschiebung. Ein neuer Termin wurde zunächst nicht festgelegt.

Sollte sich die Anhörung sehr lange verzögern, erwäge Rackete, in der Zwischenzeit nach Deutschland zu kommen, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. Bisher ist die 31-Jährige aus Niedersachsen in Italien.

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation war ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa gefahren und beim Anlegemanöver hatte sie ein Schiff der italienischen Finanzpolizei gestreift. Sie wurde festgenommen worden. Eine Ermittlungsrichterin hatte zwar den Hausarrest aufgehoben. Jedoch muss sich Rackete laut ihres Verteidigers immer noch gegen den Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gegen ein Kriegsschiff wehren.

Unterdessen sucht Italien EU-Länder für die Aufnahme der 41 Migranten, die am Samstag an Bord des Rettungsschiffs „Alex“ auf der Mittelmeerinsel Lampedusa gelandet sind. Zugleich forderte der italienische Innenminister Matteo Salvini exemplarische Strafen für die Crew des Segelboots der italienischen NGO „Mediterranea“, das trotz eines Verbots Italiens in den Hafen von Lampedusa eingelaufen war.

„Ziel ist, dass die letzten auf Lampedusa gelandeten Migranten von anderen EU-Ländern aufgenommen werden“, sagte Salvini am Montag. Der Innenminister forderte die Richter zu exemplarischen Strafen für den Kapitän des Segelbootes „Alex“ auf. „Wir werden sehen, ob diejenigen, die die italienischen Gesetze verletzt haben, bestraft werden. Ich respektiere die Unabhängigkeit der Justiz, aber wir brauchen Urteile, die Italien helfen, die Sicherheit und Grenzschutz zu garantieren“, so Salvini.

Vier Stunden lang wurde das Segelboot der NGO nach der Landung der Migranten auf Lampedusa von der italienischen Polizei durchsucht, Dokumente und anderes Material wurden beschlagnahmt, berichteten italienische Medien. Gegen den Kapitän Tommaso Stella wurden Ermittlungen wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung aufgenommen.

Die NGO erklärte, sie sei gezwungen gewesen, Lampedusa anzusteuern, da die Lage an Bord des Segelbootes vom hygienischen Standpunkt unerträglich geworden war. Der relativ kleine Motorsegler ist nach Angaben der Hilfsorganisation „Mediterranea“ nur für 18 Personen zugelassen. Mit Crew befanden sich aber rund 60 Menschen an Bord.

Mit dem Beschluss, die „Alex“ nach Lampedusa zu führen, folgte „Mediterranea“ dem Beispiel des deutschen Rettungsschiffes „Sea-Watch 3“ unter dem Kommando von Rackete.