Finanzminister nominierten Lagarde offiziell für EZB-Spitze

09.07.2019 • 12:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die EU-Finanzminister haben die Französin Christine Lagarde offiziell als neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) nominiert. Wie der EU-Rat am Dienstag weiter mitteilte, soll die endgültige Ernennung der bisherigen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) beim EU-Gipfel im Oktober erfolgen. Zuvor gibt es noch Konsultationen im EZB-Rat und mit dem Europaparlament.

Lagarde war am Dienstag vergangener Woche beim EU-Sondergipfel zur Vergabe europäischer Spitzenposten von den Staats- und Regierungschefs als künftige EZB-Präsidentin vorgeschlagen worden. Die 63-Jährige erklärte daraufhin, sie lasse ihren Posten an der IWF-Spitze während der Nominierungsphase ruhen. Sie war seit 2011 IWF-Chefin, ihre zweite Amtszeit endet eigentlich Mitte 2021.

Die IWF-Spitze wird traditionell von einem Europäer besetzt. Die EU-Finanzminister berieten am Rande ihres Treffens am Dienstag über mögliche Nachfolger für Lagarde. Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna sagte, ein geeigneter Kandidat müsse die nötige Kompetenz und „große Erfahrung im Krisenmanagement“ haben.

Gramegna bejahte darauf die Frage, ob diese Job-Beschreibung auf den ehemaligen Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zutreffe. Der frühere niederländische Finanzminister hatte von Jänner 2013 bis Anfang 2018 die Treffen der Euro-Staaten geleitet und diese damit durch mehrere Jahre der Finanz- und Schuldenkrise geführt.

Vorentscheidungen über die Lagarde-Nachfolge wurden bei dem Brüsseler Treffen jedoch nicht getroffen. Für den Spitzenjob in Washington wurden zahlreiche Kandidaten ins Gespräch gebracht, teilweise auch von außerhalb Europas. Der irische Finanzminister Paschal Donohoe sagte, den Job müsse auf jeden Fall erneut ein Europäer bekommen. Es sei deshalb wichtig, dass sich die EU „geschlossen hinter einen Kandidaten stellt“.

Als Lagardes Nachfolger hatte sich auch der ehemalige britische Finanzminister George Osborne ins Spiel gebracht. In der britischen Presse wurde auch Zentralbankchef Mark Carney als geeigneter Nachfolger genannt. Von EU-Diplomaten hieß es aber, es sei wegen des Brexit unwahrscheinlich, dass ein britischer Kandidat die Unterstützung der anderen EU-Länder erhalten werde und zum Zuge komme.