92 Verdächtige und zwölf Festnahmen bei Autoschieber-Ring

09.08.2019 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Steirische Ermittler: 51 Fahrzeuge veruntreut und großteils nach Spanien verschoben – Rund drei Millionen Euro Schaden.

Graz Österreichische und internationale Fahnder haben einen rumänischen Autoschieber-Ring ausgehoben: Es gab zwölf Festnahmen, nach 92 namentlich Verdächtigen wird gefahndet. Die Beschuldigten hatten mit falschen Papieren 51 Autos geleast und großteils nach Spanien verschoben. Der Schaden beträgt rund drei Millionen Euro, sagte Oberstleutnant Rene Kornberger am Freitag in Graz.

Die Täter haben zumindest seit Ende 2016 zum Teil hochpreisige Fahrzeuge verschiedenster Hersteller wie Audi, BMW, Citroen, Mercedes, Opel und Renault unter Vorlage falscher Dokumente geleast. Anschließend wurden die Fahrzeuge ins Ausland gebracht. Die Bande – die bisher gefassten Mitglieder sind in Österreich unbescholten – hatten hier eine Firma gegründet und über diese Lohnzettel ausgestellt, mit denen die Fahrzeuge in Wien, Niederösterreich und der Steiermark bei Leasing- und Kreditunternehmen angeschafft wurden. „Manchmal wurden bis zu zehn Raten bezahlt, manchmal keine einzige“, sagte Oberstleutnant Rene Kornberger vom Landeskriminalamt. „Ein lustiges Detail: Einige der Männer, die die Autos nach Spanien brachten, hatten gar keine Lenkerberechtigung“, sagte der Polizeioffizier.

In Spanien und einigen anderen europäischen Ländern wurden die Fahrzeuge dann innerhalb der Organisation an Mitglieder „weiterverkauft“, um die Herkunft zu verschleiern, bis die Autos dann an nichts ahnende Kunden weiter veräußert wurden. Drehscheine dürfte dabei die südwestlich von Madrid liegende Vorstadt Mostoles gewesen sein – der Polizei waren dort auch auffallend viele Fahrzeuge mit österreichischen Kennzeichen spanisch vorgekommen. 51 Autos erbeutete die Bande, in 67 Fällen blieb es beim Versuch – die entsprechenden Unternehmen waren nach einiger Zeit durch Hinweise innerhalb der Branche gewarnt. Die Bande hatte mit dem gleichen Modus Operandi auch 300 bis 400 Mobiltelefone erbeutet und in verschiedene Länder verschoben.

Nach Einsatzbesprechungen im Frühjahr 2018 in Spanien und zwei Monate später in Den Haag liefen die Fäden der Ermittlung zusehends zusammen. Wendepunkt war die Festnahme von drei Rumänen in Graz – ein 35-Jähriger und zwei Frauen (24 und 28) – auf frischer Tat am 19. Juni 2018 in Graz. Von da weg folgten zwölf Festnahmen in Rumänien, Deutschland, Norwegen und Slowenien. Am 18. Juli gelang die Festnahme eines Hauptverdächtigen (25) aus Rumänien. Ein Großteil der Verhafteten zeigte sich geständig, einige wurden bereits zu Haftstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt. „Aber die Sache wird uns noch länger beschäftigen“, sagte Kornberger. Man taste sich jetzt weiter in die Führungsebene der Tätergruppe vor, deren Angehörige zu 90 Prozent aus dem westrumänischen Kreis Caras-Severin stamme. „Das ist ein geschlossener Zirkel“, sagte Kornberger.

Generalmajor Manfred Komericky hob dabei die Bedeutung des Schengen-Informationssystems (SIS) hervor: „Fahndungen nach Personen oder Fahrzeugen können so in Minutenschnelle eingespeist und so Fahndungstreffer erzielt werden.“ Federführend bei den Ermittlungen sei die niederösterreichische Staatsanwaltschaft Krems, sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor. Die Kooperation von Bundeskriminalamt, der Verbindungsbeamten in Spanien und Rumänien, der Europol und der Ermittler aus Österreich bezeichnete Komericky als „ausgezeichnet“.

Der Schaden aus den „Verkäufen“ dürfte zum Großteil bei den Leasing- und Kreditunternehmen bleiben. In Deutschland etwa gibt es zwar die Regelung vom „gutgläubigem Erwerb“ nicht, wohl aber in Spanien. Die Entscheidung liegt aber letztlich bei der Justiz. Üblicherweise wird ein Fahrzeug in so einem Fall mit einem Veräußerungsverbot belegt, sagte Kornberger. Laut einem Ermittler, der anonym bleiben wollte, wurden allerdings schon einige Fahrzeuge nach Österreich zurückgebracht. APA