Das Beste aus 30 Jahren in Bildstein

11.08.2019 • 23:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Barockensemble der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Christian Birnbaum in der vollbesetzten Basilika in Bildstein.  SAMS

Barockensemble der Wiener Symphoniker gestaltete in der Bildsteiner Basilika ein Fest.

Bildstein Wenn Freude die Herzen für Gott öffnet, dann war das Konzert des Barockensembles der Wiener Symphoniker am Sonntagmittag in der vollbesetzten Bildsteiner Basilika nicht nur ein Fest für die Ohren, sondern auch gottgefällig. Zum 30-jährigen Bestehen der Konzertreihe und des Ensembles hatte der Dirigent, Organisator und launige Moderator Christian Birnbaum ein Programm mit „The very best of 30 Jahre“ zusammengestellt, auch im Gedenken an verstorbene Organisatoren und Ensemblemitglieder.

Wie 1989 erklang eingangs ein Konzert aus Vivaldis Zyklus „L’Estro armonico“, bei dem vier Geiger mit Konzertmeister Willy Büchel an der Spitze spritzig und feinsinnig ihre solistischen Fähigkeiten zeigten. Dass man Barockmusik auch auf neuen Instrumenten adäquat und mitreißend spielen kann, ist wohl nur noch für eingefleischte Originalklanganhänger strittig.

Überzeugende Solisten

Im Oboenkonzert von Alessandro Marcello bestach der Solist Paul Kaiser mit virtuoser Geläufigkeit – er fügte noch ein paar zusätzliche Verzierungen hinzu – und berückendem Legatospiel im berühmten langsamen Satz. Die Verzahnung von Solist und Tutti, vor allem mit der dynamischen Continuogruppe mit der Einspringerin Sobin Jo am Cembalo, gelang hier wie im ganzen Konzert perfekt. Heinrich Bruckner auf der Piccolotrompete verlieh Torellis D-Dur-Trompetenkonzert scheinbar mühelos strahlenden Glanz. Mit Gregorius Werner kam dann ein Komponist zum Erklingen, der Haydns Vorgänger in Esterhaza war und diesen für einen „modischen Zupfgeigenhansl“ hielt, mit dem Monat April aus seinem „Curios-musikalischen Monatskalender“, in dem galante Schäfer ebenso wie das launische Wetter mit vielen Taktwechseln und Frösche musikalisch charakterisiert werden. Zum Höhepunkt wurde der Auftritt der südamerikanischen Altistin Lorena Espina mit Vivaldis „Stabat mater“. Hier ging ein Schmerzensriss durch die festlich-heitere Stimmung, denn Espina gestaltete die Klage der Gottesmutter unter dem Kreuz mit ihrem dunklen, manchmal etwas leisen Alt zu einem eindringlichen spirituellen Erlebnis. Alexandra Uhlig, die 1986 die erste Frau bei den Symphonikern war (inzwischen gibt es 29), spielte Telemanns G-Dur-Flötenkonzert mit seinem himmlisch-schwebenden, an Bach erinnernden langsamen ersten Satz mit souveräner Meisterschaft.

Mit Vivaldis Concerto „Alla rustica“ wurde das begeisterte Publikum, das sich als Zugabe einen Satz aus Werners August-Suite erklatscht hatte, entlassen. Man kann nur hoffen, dass diese Konzertreihe weitere 30 Jahre Herz und Sinne erfreuen wird!   Ulrike Längle