Ferrari-Jungstar Leclerc auch in Singapur aus der Pole

21.09.2019 • 17:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Ferrari und sein Jungstar Charles Leclerc haben die Formel-1-Welt überrumpelt. Nach seinen Poles und Siegen auf den Powerstrecken in Spa und Monza überraschte der 21-Jährige am Samstag auch im Qualifying auf dem kurvenreichen Stadtkurs von Singapur mit Startplatz eins. Leclerc teilt sich Reihe eins mit Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes), dahinter starten Sebastian Vettel und Max Verstappen.

Damit gehen die „Festspiele“ von Leclerc weiter, obwohl man im Gegensatz zu Spa und Monza den Ferraris in Singapur nur Außenseiterchancen zugestanden hatte. Wie wichtig die Pole auf dem Marina Bay Street Circuit mit seinen 23 Kurven ist, beweist die Tatsache, dass in den bisher elf Rennen im Stadtstaat am Äquator acht Mal der Sieger aus der Pole los gefahren ist. Überholen ist hier ähnlich schwierig wie in Monaco.

Vettel hatte mit Platz drei zwar einen Lichtblick, musste sich seinem jungen Teamkollegen Leclerc aber zum bereits achten Mal in diesem Jahr beugen. Dabei tat der Deutsche unter Flutlicht alles, um sich seinen Status bei Ferrari zurück zu erobern. In beiden Outings von Q3 fuhr der Vierfach-Weltmeister vorne weg, erzielte im ersten auch Bestzeit. Den zweiten Versuch musste er ab abbrechen und sich am Ende mit Platz drei zufriedengeben. „Der letzte Schuss hätte besser sein müssen“, gestand Vettel. „Ich fühle mich aber wohl im Auto, habe mich von Outing zu Outing verbessert. Durch einige kleine Fehler habe ich eine bessere Platzierung verpasst.“

Dabei erwischte Leclerc in der Entscheidung nicht einmal eine ganz saubere Linie. „Ich bin so glücklich. Es war eine Superrunde, aber ich hatte auch Momente, wo ich die Kontrolle über das Auto verloren habe“, gestand Leclerc. „Dass sich trotzdem noch die Pole ausgegangen ist, habe ich dem Team zu verdanken.“

Der starke Ferrari-Auftritt insgesamt überraschte auch Hamilton. „Ich habe alles aus meinem Auto herausgeholt“, beteuerte der britische Mercedes-Pilot. „Ich weiß nicht, wo Ferrari die Pace hergeholt hat. Wir hatten nicht erwartet, dass sie hier so stark sind“, sagte der Titelverteidiger, der das Flutlicht-Spektakel in den beiden vergangenen Jahren gewonnen hat. Auf dem kurvenreichen Stadtkurs brauchen die Autos hohen Abtrieb, bisher war das in dieser Saison eine große Schwäche des Ferrari. „Ich bin mit der ersten Reihe zufrieden“, ergänzte Hamilton.

Noch im Freitagstraining hatten Leclerc und Vettel deutlichen Rückstand auf Hamilton und Red-Bull-Fahrer Verstappen gehabt. Danach war Ferrari immer stärker geworden und hatte dank eines neuen Aero-Paketes schon mit der Leclerc-Bestzeit im dritten Training überrascht. „Unsere Neuerungen haben funktioniert“, stellte Leclerc erleichtert fest. „Wir haben unsere Schwächen erkannt und das Auto in die richtige Richtung entwickelt“, sah es Ferrari-Teamchef Mattia Binotto in einem größeren Zusammenhang.

Für Leclerc ist es die dritte Pole Position in Folge und die bereits fünfte in dieser Saison. So viele hat 2019 noch kein anderer geschafft. Ob es am Sonntag tatsächlich für den nächsten Leclerc-Triumph reicht, darf dennoch bezweifelt werden. „Die Pace von Ferrari ist enorm. Überall, das muss man eingestehen“, sagte Hamiltons Teamchef Toto Wolff einerseits. Der Wiener relativierte aber: „Wir waren heute auch einfach nicht gut. Beim Verkehr haben wir absolut daneben gegriffen.“

Weil Valtteri Bottas im zweiten Mercedes über Platz fünf nicht hinauskam, könnte laut Wolff Hamilton am Sonntag von Leclerc und Vettel in die Zwickmühle genommen wird. „Platz zwei ist nicht ideal. Wenn Charles führt und Vettel dahinter ist, können die eine Strategie spielen. Den Speed kannst du hier nur von vorne kontrollieren.“