USA begannen mit Abzug aus syrisch-türkischer Grenzregion

07.10.2019 • 13:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
AP

Angesichts einer bevorstehenden Offensive der türkischen Armee haben die US-Truppen in Nordsyrien mit ihrem Rückzug von der syrisch-türkischen Grenze begonnen. Nach Angaben der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ und des von den Kurden geführten Bündnisses Syrische Demokratische Kräfte (SDF) zog sich das US-Militär von Schlüsselpositionen in Ras al-Ain und Tel Abyad zurück.

Die geplante türkische Militäroffensive in Nordsyrien könnte nach Angaben des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan jederzeit beginnen. „Es gibt ein Sprichwort: Wir können jede Nacht ohne Warnung kommen“, sagte Erdogan am Montag bei einer Pressekonferenz.

„Es steht völlig außer Frage, dass wir die Bedrohungen durch diese terroristischen Gruppen nicht weiter tolerieren können“, sagte Erdogan mit Blick auf die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Ankara betrachtet die YPG-Miliz als Bedrohung, da sie eng mit den kurdischen PKK-Rebellen in der Türkei verbunden ist.

Die EU warnte die Türkei vor den Folgen einer Militäroffensive. Bewaffnete Auseinandersetzungen im Nordosten des Landes würden „nicht nur das Leiden von Zivilisten verstärken und zu massiven Vertreibungen führen“, sondern bedrohten auch laufende politische Bemühungen für eine Beilegung des Syrien-Konflikts, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Montag in Brüssel.

Das von den Kurden geführte Bündnis Syrische Demokratische Kräfte (SDF) warnte unterdessen vor einem Wiederaufleben der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) durch die bevorstehende türkische Militäroffensive. Ein Sprecher Erdogans wies die Befürchtungen zurück. Die Türkei werde nicht zulassen, dass der IS „in irgendeiner Art und Weise“ zurückkehre, schrieb der Sprecher Ibrahim Kalin im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Das Weiße Haus hatte am Sonntag mit Blick auf einen bevorstehenden türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien angekündigt, die Truppen aus der Region abzuziehen. Die US-Armee werde die bevorstehende türkische Offensive in Nordsyrien „weder unterstützen noch darin involviert sein“, teilte Washington mit.

Die USA werden im Fall des offenbar bevorstehenden türkischen Angriffs in Nordsyrien die dortigen von der Kurden-Miliz YPG angeführten SDF-Kräfte nicht verteidigen. Darüber habe man den Kommandanten der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) informiert. Die US-Armee habe das „Kalifat“, wie die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) das von ihr ehemals kontrollierte Gebiet in der Region nannte, besiegt, heißt es in der Erklärung. „Streitkräfte der USA“ würden künftig nicht mehr in der unmittelbaren Region sein.“

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hob unterdessen im Kurzbotschaftendienst Twitter die „Entschlossenheit“ seines Landes hervor, die Region von „Terroristen zu säubern“. Seit Beginn des Syrien-Krieges habe die Türkei die „territoriale Integrität“ Syriens unterstützt, betonte Cavusoglu. Dies werde seine Regierung weiterhin tun. „Wir werden dazu beitragen, Ruhe, Frieden und Stabilität in die Region zu bringen“.

Der türkische Präsident Erdogan hatte in den vergangenen Tagen wiederholt mit einer baldigen Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz im Norden Syriens östlich des Euphrat gedroht. Die Türkei betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) als Bedrohung, weil sie eng mit den kurdischen PKK-Rebellen in der Türkei verbunden sind. Die USA unterstützen sie dagegen mit Waffen und Spezialkräften im Kampf gegen Jihadisten. Die Türkei ist seit 2016 bereits zwei Mal gegen die YPG-Miliz in Nordsyrien vorgegangen.

Die USA und die Türkei haben sich seit August gemeinsam um die Einrichtung einer Sicherheitszone im Norden des Bürgerkriegslandes bemüht. Dorthin will Erdogan auch syrische Flüchtlinge umsiedeln, die in der Türkei leben. Solche Sicherheitszonen müssen militärisch geschützt werden, vor allem vor möglichen Angriffen aus der Luft.

Die Türkei sei künftig auch für alle in diesem Gebiet festgenommenen Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verantwortlich, heißt es weiter. Deutschland, Frankreich und andere europäische Länder, aus denen die IS-Anhänger stammten, hätten diese trotz des Drucks aus Washington nicht gewollt. Die USA würden sie nicht festhalten, weil dies hohe Kosten für den Steuerzahler bedeuten könnte.

Erdogan hatte am Samstag vor Parteimitgliedern angekündigt, dass die Türkei mit Bodentruppen und auch aus der Luft eine Offensive im benachbarten nordsyrischen Gebiet vorbereitet hätten. Der Einmarsch werde binnen Tagen erfolgen. Von einem möglichen Einmarsch hatte die Türkei bereits seit Ende 2018 wiederholt gesprochen. Am Sonntag berichteten die Nachrichtenagenturen DHA und Anadolu von Truppen- und Waffenverlegungen an die türkisch-syrische Grenze.