EU-Staaten bei Gleichstellung „im Schneckentempo“ unterwegs

15.10.2019 • 14:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die EU-Staaten kommen bei der Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit nur „im Schneckentempo“ voran. Dies zeigt ein am Dienstag veröffentlichter Bericht des EU-Instituts für Gleichstellungsfragen. Der Gleichstellungs-Index (EGI) liegt demnach bei 67,4 Punkten (von 100) und damit nur um 5,4 Punkte besser als im Jahr 2005. Österreich ist mit 65,3 Punkten unterdurchschnittlich.

Verantwortlich für das schlechte Ergebnis ist ein verheerender Wert im Teilbereich Macht, wo Österreich nur mit 39,9 Punkten bewertet wird, während der EU-Durchschnitt 51,9 beträgt. Ganz besonders im Argen liegt hierzulande die Machtteilung im Bereich Wirtschaft mit einem Indexwert von 21,1 (EU-28: 43,6).

Ein leicht unterdurchschnittlicher Wert wird für Österreich im Bereich Zeit verbucht, während es in den Bereichen Arbeit, Wissen, Geld und Gesundheit weiter ist als der Durchschnitt der EU-Staaten. Besonders gut sieht es im Bereich Gesundheit mit einem Indexwert von 91,7 aus, was dem viertbesten Wert aller EU-Staaten entspricht.

Europaweit ist die Gleichstellung im Bereich Gesundheit (88,1) mit Abstand am weitesten gediehen, es folgen die Bereiche Geld (80,4), Arbeit (72), Zeit (65,7), Wissen (63,5) und Macht (51,9).

Im Ländervergleich gibt es einige durchaus überraschende Ergebnisse. So schaffte es etwa Spanien in die Spitzengruppe jener Staaten, die einen Indexwert von mehr als 70 aufweisen (Schweden, Dänemark, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Niederlande, Irland und Belgien). Spitzenreiter Schweden (83,6) hat als einziger Staat einen 8er an der Zehnerstelle. Werte unter 60 verbuchen Griechenland, Portugal sowie alle seit dem Jahr 2004 beigetretenen mittel- und osteuropäischen Staaten mit Ausnahme Sloweniens (68,3). Dieses weist auch den besten Wert aller Nachbarstaaten Österreichs auf. Die rote Laterne hat der Eurokrisenstaat Griechenland (51,2) vor Ungarn (51,9). Deutschland (66,9) liegt unmittelbar vor Österreich, das im Gesamtvergleich auf Platz 13 kommt.

Politikerinnen von SPÖ und Grünen nahmen den Bericht am Dienstag zum Anlass, ihre sozial- und frauenpolitischen Forderungen zu bekräftigen. „Was einmal erklärt wurde, bleibt uns nicht für immer erhalten. Frauenrechte sind in Europa wieder in Gefahr“, warnte die SPÖ-Europaabgeordnete Evelyn Regner unter Verweis darauf, dass Polen und Litauen sogar schlechtere Werte als bei früheren Untersuchungen aufgewiesen hätten.

Konkret forderte die Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses im Europaparlament einen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission gegen Einkommensunterschiede sowie den Beschluss einer verbindlichen Frauenquote in Aufsichtsräten. Regners Grüne Kollegin Monika Vana bezeichnete den neuen EGI als „schallenden Weckruf für die EU“ und verlangte einen „Aktionsplan für Gleichstellung“ sowie „eine Sozialunion mit europaweiten Mindeststandards“.

SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek bekräftigte die Forderung nach einem Lohngesetz nach dem Vorbild Islands. „Österreich soll bei der Gleichstellung von Frauen und Männern wieder auf die Überholspur kommen.“