Soldat in Wiener Neustadt von Militärhunden getötet

Welt / 14.11.2019 • 12:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
APA

In der Flugfeld-Kaserne des Jagdkommandos Wiener Neustadt ist in der Nacht auf Donnerstag ein 31-jähriger Soldat von zwei Hunden angefallen und getötet worden. Der Hundeführer wurde kurz vor 2.00 Uhr vor dem Zwinger gefunden, er erlag noch an Ort und Stelle seinen schweren Bissverletzungen. Warum ihn die Belgischen Schäferhunde attackiert hatten, war unklar. Zeugen des Vorfalls gab es keine.

Der Oberwachtmeister aus dem Bezirk Mödling war an diesem Abend für die Betreuung, Auslauf und Fütterung der Tiere zuständig. Er war gegen 16.00 Uhr zur Zwingeranlage aufgebrochen, um die fünf Hunde in der Kaserne zu betreuen. Beim Jagdkommando hat zwar jeder Hundeführer einen eigenen Hund, allerdings arbeitet jeder Militärhundeführer grundsätzlich mit jedem Tier. Der Diensthund des 31-Jährigen blieb in seinem Fahrzeug zurück.

Der Großteil der Jagdkommando-Soldaten der Flugfeld-Kaserne befand sich auf einer Übung in der Steiermark, sagte Bundesheersprecher Michael Bauer der APA. In der Nacht bemerkte der diensthabende Offizier dann die zwei freilaufenden Belgischen Schäferhunde. Ein Tier ist bereits fertig ausgebildet, das zweite erst rund sechs Monate alt, erläuterte der Sprecher. Der Offizier weckte einen Hundeführer auf, der die beiden Tiere wieder einsperrte und den toten Kollegen vor dem Zwinger fand. Dieser hatte massive Bisswunden erlitten.

Der Oberwachtmeister war seit 2005 beim Bundesheer und war seit 2017 als Hundeführer tätig. Er galt als ein „sehr erfahrener, besonnener und überlegter Kollege“, sagte Bauer. Das Landeskriminalamt Niederösterreich übernahm die Ermittlungen nach der tödlichen Hundeattacke. Am Donnerstag wurden Spuren gesichert. Eine Obduktion soll angeordnet werden.

Noch in der Nacht kümmerten sich Psychologen um jene Soldaten, die den Toten gefunden hatten. Die Übung in der Steiermark wurde abgebrochen, der Heerespsychologische Dienst eingeschaltet. Dieser betreut die Angehörigen und die Soldaten.

Die beiden Belgischen Schäferhunde waren klassische Zugriffshunde. „Ihre Aufgabe ist es, den Angreifer unschädlich zu machen“, erläuterte Bundesheersprecher Bauer. Die Tiere des Jagdkommandos sind so ausgebildet, dass sie beispielsweise bei der Erstürmung eines Hauses den Feind ausschalten. „Läuft der Angreifer davon, stellt ihn der Hund. Wenn sich der Angreifer nicht mehr wehrt, hört der Hund auf“, sagte Bauer. Dass die Diensthunde Soldaten attackiert haben, kam bisher nicht vor. „Es ist noch niemand gröber verletzt worden“, sagte Bauer. Ob die beiden Schäferhunde schon einmal aufgefallen sind, werde jetzt von der Unfallkommission des Bundesheeres untersucht. Diese wurde am Donnerstag eingerichtet und unter anderem mit einem Veterinärmediziner, einem Arzt und einem Juristen besetzt.

Das Bundesheer bekundete den Hinterbliebenen tiefe Anteilnahme. „Mein tiefes Mitgefühl gehört der Familie und den Angehörigen des getöteten Oberwachtmeisters sowie den Kameradinnen und Kameraden des Österreichischen Bundesheeres“, postete Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Facebook und Twitter.

Derzeit verfügt das Österreichische Bundesheer über 70 Militärhunde. Davon sind 41 Rottweiler, 15 Belgische und fünf Deutsche Schäferhunde sowie neun Labradore. Sie alle werden im Militärhundezentrum des Österreichischen Bundesheeres in Kaisersteinbruch im Burgenland ausgebildet. Die Tiere werden für Aufgaben im In- und Ausland eingesetzt. APA