Mehr als 1200 Feuerwehreinsätze nach Unwettern in Kärnten

19.11.2019 • 13:24 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
APA/BFK08

Hochwassersituation entspannt sich trotz neuer Niederschläge – Aber weiter zahlreiche Straßensperren – Lage in der Steiermark und Tirol beruhigt sich – Großes Aufräumen in Salzburg.

Klagenfurt Seit Beginn der Unwetter haben die Kärntner Feuerwehren bis Dienstag 1215 Einsätze geleistet. Am Dienstag waren noch 50 Feuerwehren mit Schwerpunkt im Bezirk Spittal/Drau im Einsatz. Die Hochwassersituation hat sich entspannt, auch die erwarteten weiteren Niederschläge sollten keine wesentlichen Pegelanstiege bringen. Vor allem im Bezirk Spittal/Drau gab es aber weiter zahlreiche Straßensperren.

Besonders stark betroffen war weiterhin das Mölltal, wo auch zahlreiche Schulen geschlossen blieben. Die Lawinengefahr war laut dem Lawinenwarndienst sehr hoch. Von der Außenwelt abgeschnitten war Mallnitz, das nur aus der Luft versorgt werden konnte. In den Bezirken Hermagor und St. Veit/Glan war Aufräumen angesagt, die Schäden durch Überflutungen und Vermurungen sind vorerst nicht abschätzbar. In Gurk wurde im Ortsteil Sandboden am Vormittag die Evakuierung der Häuser aufgehoben, nachdem der Pegel der Gurk zurückgegangen war.

Mit weiteren Hochwassern rechnet der hydrografische Dienst nicht, zumindest nicht bei den großen Flüssen des Landes. „Die Niederschlagsfront, die seit Dienstagnacht über Kärnten hinwegzieht, sollten zu keiner wesentlichen Erhöhung der derzeitigen Spitzenabflüsse bzw. der Wasserstände führen“, sagte Johannes Moser von der Hydrografie. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war in Oberkärnten mit 20 bis 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zu rechnen. Die Schneefallgrenze lag nachts bei 1300 Meter, im Tagesverlauf stieg sie deutlich an. Probleme mit hohen Grundwasserständen, hohen Seewasserständen und Hangrutschungen bleiben aufrecht. Vor allem Faaker See, Millstätter See und Pressegger See bei Hermagor bleiben laut Prognosen in den kommenden Tagen besonders hoch.

Im Mölltal waren Pioniere des Bundesheeres im Einsatz, um die Bundesstraße wieder freizubekommen. In Obervellach, Reißeck, Berg im Drautal sowie in Feld am See blieb der Zivilschutzalarm aufrecht. Laut Bezirkshauptmann Klaus Brandner hatten am Vormittag vor allem Versorgungsflüge Priorität. Bereits in der Nacht wurde ein drei Jahre alter Bub aus Heiligenblut wegen eines Blinddarmdurchbruchs mit dem Hubschrauber ins Klinikum nach Klagenfurt geflogen.

Auch in der Steiermark hat sich die Lage am Dienstag etwas entspannt. Jene 50 Bewohner, die in Predlitz im Bezirk Murau am Wochenende ihre Häuser verlassen mussten, durften wieder zurück. Nun heißt es aufräumen: Verklausungen müssen beseitigt werden, damit bei weiterem Niederschlag die Wassermassen wieder frei abfließen können. Einzelne Straßen blieben weiterhin gesperrt. In Graz wurden Sperren der Murpromenade teilweise wieder aufgehoben.

Nach Tagen mit heftigen Schneefällen und Unwettern schien sich auch die Situation in Osttirol langsam zu beruhigen. Nach und nach würde eine Straßenverbindung nach der anderen wieder aufgehen. Zudem seien Kindergärten und Schulen großteils wieder geöffnet, teilte das Land am Dienstag mit. Auch die Lawinengefahr ging von Stufe 4, große Gefahr, auf Stufe 3, erhebliche Gefahr, zurück.

Nach dem heftigen Starkregen mit unzähligen Erdrutschungen und Murenabgängen im südlichen Teil Salzburgs waren auch hier die Aufräumarbeiten voll im Gang. Die massivsten Schäden dürfte es neben dem Gasteinertal im benachbarten Großarltal gegeben haben, sagte der Pongauer Katastrophenreferent Norbert Paßrucker im APA-Gespräch. Bad Gastein war auch am Dienstag weder auf der Straße noch per Bahn erreichbar, Paßrucker zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Straßenverbindung im Lauf des Nachmittags wieder geöffnet werden kann. Neben Bad Gastein war am Dienstag auch die Gemeinde Hüttschlag im Großarltal weiterhin nicht erreichbar.

In Tirol verursachten die Unwetter in den vergangenen Tagen laut ersten Schätzungen des Landes rund zehn Millionen Euro Schaden. Derzeit gäbe es eine Entspannung, „wir müssen aber weiterhin auf der Hut sein“, sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz nach der Regierungssitzung. Das Land stelle nun Mittel aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung.

Auf welche Summe sich die Schäden tatsächlich belaufen, könne man aber erst zum Schluss genau beurteilen, sagte Platter, der die Gefahr in Osttirol noch nicht gebannt sah. Außerdem könne man feststellen, dass die Zeiträume zwischen solchen Ereignissen immer kürzer werden. In Spitzenzeiten waren während der Unwettersituation, die vor allem Osttirol betrifft, 1800 Einsatzkräfte gleichzeitig bei der Arbeit. Die Mitarbeiter in der Leitstelle sowie in der Landeswarnzentrale wurden verdoppelt.

„Massive Schäden“ verzeichne man vor allem im Forstbereich, berichtete Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Rund 150.000 Kubikmeter Schadholz habe das Unwetter gefordert. Weil der Boden noch nicht gefroren war, seien zahlreiche Bäume unter der Schneelast umgeknickt. Zudem gestalten sich die Einzelentnahmen dieser Bäume schwierig.

Die Zusammenarbeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern habe sehr gut funktioniert, bilanzierte Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). Sie zollte außerdem der Lienzer Bezirkshauptfrau Olga Reisner Respekt, welche die Situation mit Ruhe gemeistert habe. APA