Strache verteidigt Sidlo-Bestellung

22.11.2019 • 13:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
APA

Der in der Causa Casinos ins Visier geratene Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat die Bestellung von Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos Austria am Freitag verteidigt. Schuldgefühle wegen Postenschachers hat der Ex-Politiker ebenfalls nicht. „Niemals habe ich etwas Rechtswidriges im Zusammenhang mit der CASAG-Vorstands-Bestellung angeboten oder angenommen“, schrieb Strache auf Facebook.

Die Vorwürfe seien „völlig haltlos“, teilte Strache seinen Followern mit. Und weiter: Er sei der festen Überzeugung, „dass verantwortliche Positionen in Staatsbetrieben und staatsnahen Betrieben durch Personen besetzt werden sollten, die auch Erfahrung in der Privatwirtschaft haben“. Deshalb habe er sich für die Bestellung von Sidlo eingesetzt, so Strache. Dass der FPÖ-Bezirksrat aus Wien-Alsergrund für den Job als Casinos-Vorstand nicht ausreichend qualifiziert gewesen sein könnte, bestreitet Strache und listet in dem Posting auch Sidlos Karriere-Stationen auf.

„Die Entscheidung der Bestellung oblag aber nicht mir, sondern dem Aufsichtsrat der CASAG“, stellte Strache weiters klar. „Hätte dieser sich gegen Mag. Sidlo ausgesprochen, so wäre das auch zu akzeptieren gewesen. Ich hätte mich auch für jeden anderen geeigneten Kandidaten ebenso eingesetzt, aber natürlich niemals für jemanden, dessen Qualifikation allein die SPÖ-Mitgliedschaft ist“, schrieb Strache mit einem Seitenhieb auf Ex-Vorstand Dietmar Hoscher, dem Strache vorwirft, direkt von der SPÖ zu den Casinos Austria gewechselt zu sein und „über keinerlei privatwirtschaftliche Erfahrung verfügt“ zu haben.

„Die Nichtverlängerung des hochdotierten SPÖ-Vorstandes dürfte einige Leute derart gestört haben, dass diese völlig haltlose Vorwürfe gegen mich erhoben haben“, machte sich Strache auf Facebook Luft und ergänzte: „Weit ist es gekommen in unserem Land.“

Der Betriebsrat der Casinos Austria wendet sich indessen in einem offenen Brief mit einem „Hilferuf“ an Organe des Unternehmens, Justiz, Politik und Medien. Alle öffentlich diskutierten Vorwürfe beträfen Vorgänge außerhalb des Unternehmens. „Casinos Austria und seine Mitarbeiter haben sich nichts zu Schulden kommen lassen!“, so der Betriebsrat. Trotzdem sei nun der gute Ruf der Casinos Austria in Gefahr.

Grünen-Chef Werner Kogler hat am Freitag in Graz noch einmal betont, dass die Causa Casinos die Koalitionsverhandlungen seiner Ansicht nach „nicht schwieriger“ mache. In den Fachgruppen sei der Verlauf der Verhandlungen gut. Mit Sebastian Kurz (ÖVP) behalte er ein wöchentliches Vieraugengespräch bei: „Das gehört sich so.“

Prinzipiell findet Kogler Postenbesetzungen mit politischem Einfluss in Ordnung, „so lange es öffentliches Eigentum gibt“: „Da werden Verantwortungsträger geschickt, das können wir nicht am Hauptplatz auslosen.“ Ein Problem werde es, „wenn es unfähige“ Leute sind. Das sei auch bei den Roten in Sachen Casinos „nicht ganz in Abrede zu stellen“, aber besonders auffällig sei es beim blauen „Personalnotstand“. „Wenn die Freiheitlichen besonders mächtig werden, geht was schief“, meinte Kogler. In den Reihen der FPÖ seien die „besonders Fähigen offenbar überschaubar“.

Unterdessen äußerte sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der „Tiroler Tageszeitung“ zur Affäre Casinos. „Ich verfolge und beobachte sehr aufmerksam diese Causa in all ihren Facetten“, sagte er. Es stehe für ihn außer Zweifel, dass die künftige Regierung sich mit der Verhinderung von Postenschacher und Korruption zu beschäftigen hat.