Mindestens neun Tote bei Erdbeben in Albanien

Welt / 26.11.2019 • 12:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
REUTERS

Bei dem schwersten Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten sind am Dienstag mindestens neun Menschen ums Leben gekommen und 150 weitere verletzt worden. Das Beben der Stärke 6,4 erschütterte das Land in den frühen Morgenstunden und war auf dem gesamten Balkan zu spüren. In der Hafenstadt Durres an der Adriaküste und in Thumana stürzten Gebäude ein. Rettungskräfte suchten nach Verschütteten.

Die größten Schäden an Gebäuden gab es einem Regierungssprecher zufolge in der Hafenstadt Durres. Mehrere Menschen hätten aber auch in Tirana ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Die Armee unterstützte Feuerwehrleute bei der Rettung von Verschütteten in Durres und der nahe gelegenen Ortschaft Thumane, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Erdstöße waren auch in anderen Balkan-Ländern und in Italien zu spüren. Wenige Stunden später kam es auch in Bosnien zu einem Beben der Stärke 5,4.

Das Erdbeben riss um 3.54 Uhr viele Albaner aus dem Schlaf. Das Zentrum des Bebens lag nach Angaben des Erdbebenzentrums EMSC etwa 34 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Tirana in einer Tiefe von zehn Kilometern. „Es gibt Opfer“, schrieb Regierungschef Edi Rama kurz darauf im Onlinedienst Twitter. „Wir arbeiten daran, in den betroffenen Gebieten alles, was nur möglich ist, zu tun.“

Am schwersten wurde die Umgebung der Hafenstadt Durres an der albanischen Adriaküste getroffen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums brach in der Stadt ein dreistöckiges Hotel zusammen, mehrere weitere Gebäude wurden schwer beschädigt. Rettungskräfte fanden drei Leichen in den Trümmern. Die albanische Polizei rief die Einwohner von Durres und der Umgebung dazu auf, auf Autofahrten zu verzichten, um den Rettungskräften den Weg frei zu halten.

Zwei weitere Tote gab es nach Angaben des Ministeriums in der nahegelegenen Stadt Thumana. In Kurbin kam demnach ein etwa 50 Jahre alter Mann ums Leben, als er in Panik aus einem Gebäude sprang. Das Verteidigungsministerium schickte 300 Soldaten nach Durres und Thumana, um bei den Rettungs- und Bergungsarbeiten zu helfen. Nach Angaben einer Sprecherin wurden noch Menschen unter den Trümmern vermutet.

In Thumana suchten Angehörige, Soldaten und andere Rettungskräfte in den Trümmern eines fünfstöckigen Hauses nach Verschütteten. Auch in Albaniens Hauptstadt Tirana brach Panik aus, zahlreiche Menschen rannten auf die Straße. Allein in Tirana und Durres wurden nach Angaben von Gesundheitsministerin Ogerta Manasterliu 150 Menschen mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Erschütterungen waren Medien- und Augenzeugenberichten zufolge auf der gesamten Balkanhalbinsel zu spüren, unter anderem im bosnischen Sarajevo und in der fast 700 Kilometer entfernten serbischen Stadt Novi Sad. Der Erdbebenexperte Rrapo Ormeni sagte im Fernsehen, ein so starkes Erdbeben habe sich in der Region zuletzt 1926 ereignet. Dem Erdbebenzentrum EMSC zufolge gab es noch mehrere Nachbeben, darunter eines der Stärke 5,3.

Auch das Außenministerium warnte vor möglichen Nachbeben. Österreichern in Albanien wird empfohlen, entsprechende Vorsicht an den Tag zu legen, den Behördenanweisungen zu folgen und sich via Medien informiert zu halten. Mitarbeiter von Rotes Kreuz und Caritas sind in Albanien im Hilfseinsatz, beide Organisationen riefen am Dienstag zu Spenden auf.

„Wir sind über unser internationales Netzwerk mit den Kollegen in Albanien in Kontakt und haben bereits unsere Hilfe angeboten“, sagte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. „Wir können Hilfsgüter liefern und – wenn notwendig – sauberes Trinkwasser produzieren und die Hilfe des albanischen Roten Kreuzes finanziell unterstützen.“ Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst in den kommenden Stunden und Tagen klar werden. Dann wird sich zeigen, welche Hilfe aus Österreich angefordert wird.

Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas Albanien sind bereits auf dem Weg in die betroffenen Gebiete. „Aus den Erfahrungen der vergangenen Erdbeben wissen wir, dass die Menschen dringend Unterkünfte sowie die akute Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln benötigen“, sagte Lukas Steinwendtner, Leiter der Auslandshilfe der Caritas St. Pölten, und rief dazu auf, die Katastrophenhilfe zu unterstützen. Die Caritas ist seit vielen Jahren mit Sozialprojekten in Albanien aktiv.

Im September war dieselbe Region erst von einem Beben der Stärke 5,6 erschüttert worden. Die Behörden sprachen damals vom stärksten Beben der vergangenen 20 bis 30 Jahre. Der Balkan ist für seine seismische Aktivität bekannt. Erdbeben ereignen sich dort häufig.