Amnesty beklagt Gewalt gegen Demonstranten in Hongkong

Welt / 02.01.2020 • 09:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Polizei in Hongkong ist nach Ansicht von Amnesty International bei den Protesten am Neujahrstag unverhältnismäßig hart gegen Demonstranten vorgegangen. Von Beginn der Proteste an sei die Bereitschaftspolizei mit einem großen Aufgebot dabei gewesen und habe die Demonstranten auf provokative Weise gemaßregelt, sagte der Regionaldirektor von Amnesty am Donnerstag.

Der Regionaldirektor war demnach selbst anwesend, als die Polizei die Proteste beendete. Rund 1,3 Millionen Menschen waren zum Jahresbeginn in der chinesischen Sonderverwaltungszone gegen die Politik der Regierung auf die Straße gegangen. Bei den Protesten war es erneut zu Zwischenfällen gekommen. Nach nur drei Stunden forderte die Polizei die Organisatoren auf, den Marsch aufzulösen. Zuvor hatten radikale Aktivisten eine Bankfiliale attackiert. Die Polizei ging mit Tränengas und Pfefferspray gegen Demonstranten vor. Es gab mehrere Festnahmen.

„In der vergangenen Woche hat die Polizei ohne Zurückhaltung agiert, und das hat nicht dazu beigetragen, die Probleme zu deeskalieren“, sagte der Amnesty-Vertreter. Eine Provokation der Demonstranten sei sicher nicht im Sinne der Regierungschefin Carrie Lam. Diese war international für ihren Umgang mit den Protesten in die Kritik geraten. Lam hatte sich geweigert, eine unabhängige Untersuchung zu Berichten über Polizeigewalt gegen die Demonstranten einzuleiten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die ehemalige britische Kronkolonie nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ autonom unter Chinas Souveränität regiert. Seit einem halben Jahr demonstrieren die Hongkonger gegen die Regierung, den wachsenden Einfluss Pekings und unverhältnismäßig hartes Vorgehen der Polizei. Sie fordern echte Demokratie und mehr Selbstbestimmung.