Auto raste in Gruppe – Zwei Personen weiter in Lebensgefahr

Welt / 06.01.2020 • 14:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
AFP

Nach dem schweren Verkehrsunfall in Luttach in Südtirol, bei dem sechs Jugendliche aus Deutschland getötet wurden, schwebten am Montag noch immer zwei der vier weiteren Schwerverletzten in Lebensgefahr. Der 27-jährige Unfalllenker befand sich in der Psychiatrie. Unterdessen kam es auf italienischen Straßen zu einem weiteren tragischen Verkehrsunfall, bei dem zwei Frauen getötet wurden.

Der Lenker von dem Unfall in Südtirol befand sich unter polizeilicher Bewachung in der Psychiatrie, es bestehe Suizidgefahr, hieß es am Montag. Dem Mann droht eine Haftstrafe von bis zu 18 Jahren. Der 27-Jährige, der aus der Region stammt, war in der Nacht auf Sonntag mit seinem Wagen in die Reisegruppe aus Deutschland gerast.

Nach einem Discobesuch war die Gruppe Jugendlicher wieder mit einem Bus zur Unterkunft gefahren. Der „Nightliner“ wurde eigens dafür eingerichtet, Jugendliche am Wochenende sicher nach Hause zu bringen. Die jungen Leute im Alter zwischen 20 und 25 Jahren waren gerade ausgestiegen und hätten gerade noch 100 Meter zu ihrer Unterkunft zurückzulegen gehabt. Der Busfahrer versuchte noch, den Unfalllenker mittels Lichtsignalen zu warnen, konnte die Tragödie aber nicht verhindern. Manche der Opfer wurden 20 bis 30 Meter durch die Luft geschleudert. Den Ersthelfern bot sich ein Bild des Grauens.

Bei den Todesopfern handelt es sich um drei Männer und drei Frauen aus Nordrhein-Westfalen. Elf weitere Personen wurden verletzt, vier davon schwer. Inzwischen sind die ersten Angehörigen und der deutsche Botschafter im Ahrntal eingetroffen. Die Leichen wurden bereits freigegeben. Da die Todesursache klar sei, habe man keine Autopsie angeordnet, so die Staatsanwaltsschaft Bozen.

Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen umgehend auf und hat noch am Sonntagvormittag einen Lokalaugenschein an der Unfallstelle vorgenommen. Wie es in einer Presseaussendung vom Sonntagabend hieß, soll der Lenker mit 1,97 Promille alkoholisiert gewesen sein. Alles deute darauf hin, dass er auch zu schnell unterwegs war. Dies soll über ein Expertengutachten geklärt werden. Dem 27-Jährigen werden laut Aussendung mehrfache Tötung im Straßenverkehr sowie schwere Körperverletzung zur Last gelegt. Anders als in Deutschland gilt in Italien Alkohol als erschwerender Umstand und führt zu einer Erhöhung der Strafe – dem 27-Jährigen drohen bis zu 18 Jahre Haft. Er soll – sobald dies möglich ist – ins Gefängnis nach Bozen überstellt und dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der schwere Verkehrsunfall hat in und weit über Südtirol hinaus tiefe Bestürzung ausgelöst. Unter anderem zeigten sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte (parteilos) in Stellungnahmen tief betroffen und sprachen den Familien und Freunden der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Unterdessen ereignete sich am Sonntag eine weitere Tragödie auf italienischen Straßen. In Senigallia in der mittelitalienischen Region Marken wurden in der Nacht auf Montag zwei Frauen nach einem Discobesuch von einem alkoholisierten Autofahrer getötet. Die beiden Frauen im Alter von 34 und 43 Jahren waren zu Fuß auf dem Weg zu ihrem Fahrzeug auf einer Straße unweit der Disco unterwegs, als sie das Auto erfasste. Ihre Körper wurden in ein Feld am Straßenrand geschleudert. Rettungseinheiten versuchten eine Stunde lang, die Frauen wiederzubeleben – ohne Erfolg. Der Autofahrer, der die Polizei nach dem Unfall gerufen hatte, wurde festgenommen. Ihm wird mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen.

Verbände für mehr Sicherheit machen sich nun wegen der schweren Autounfälle in der jüngeren Vergangenheit stark. Geplant ist eine Großkundgebung am 23. Februar in Rom, um mehr Initiativen zur Vorbeugung von Verkehrsunfällen zu fordern. An der Demonstration wollen sich unter anderem Radfahrerverbände und Organisationen beteiligen, die Familien der Opfer von Verkehrsunfällen vertreten. „Wir fordern von den Institutionen einen außerordentlichen Einsatz für mehr Sicherheit auf den Straßen. Dieses Blutbad muss ein Ende finden“, sagten die Initiatoren des Protests.