Iran räumt „unbeabsichtigten“ Flugzeug-Abschuss ein

Welt / 11.01.2020 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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teheran Der Iran hat den versehentlichen Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs eingeräumt. Die am Mittwochfrüh abgestürzte Maschine mit 176 Passagieren an Bord sei nahe an ein sensibles Militärgelände herangeflogen und für ein „feindliches Flugzeug“ gehalten worden. Es habe sich um „menschliches Versagen“ gehandelt, hieß es in einer im Staatsfernsehen am Samstag verlesenen Mitteilung des Militärs.

Ein Defekt im militärischen Kommunikationssystem führte nach Angaben eines Kommandanten der iranischen Revolutionsgarden zu dem fatalen Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran. „Das Unglück ereignete sich nach einem Kommunikationsdefekt, was jedoch trotzdem keine Rechtfertigung und unverzeihlich ist“, sagte der Kommandant der Luft- und Weltraumabteilung der Revolutionsgarden, Amir Ali Hajizadeh, am Samstag.

Hajizadeh berichtete, am Tag des Unglücks seien alle Streitkräfte wegen der Drohungen der USA, 52 Ziele im Iran anzugreifen, in höchster Alarmbereitschaft gewesen, darunter die Militärbasen in Teheran.

Die ukrainische Maschine wurde nach seinen Worten als potenzielle Gefahr eingestuft, man habe sie fälschlicherweise für einen Marschflugkörper im Anflug auf eine strategisch wichtige Militärbasis in Teheran gehalten. Der zuständige Offizier wollte demnach der Zentrale die Gefahr melden, aber genau zu dem Zeitpunkt habe es einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben.

Der Offizier hatte laut Hajizadeh dann nur wenige Sekunde zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. „Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte“, sagte der Kommandant. „Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks“, sagte Hajizadeh. Als Chef der Abteilung für Luft- und Weltraumabteilung trage er die volle Verantwortung und sei bereit, alle Konsequenzen zu tragen.

Hajizadeh verteidigte die zivile Luftfahrtbehörde, die tagelang den Abschuss geleugnet hatte. „Sie trifft keine Schuld, weil sie das Ganze aus technischer Sicht gesehen haben und nichts über den Ablauf wussten“, sagte der Kommandant. Seiner Einschätzung nach hätte es aber an dem Tag landesweit ein Flugverbot geben sollen, weil sich das Land in einer Art Kriegssituation befunden habe.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani bedauerte den Abschuss und versprach eine gründliche Untersuchung: „Dieser unverzeihliche Vorfall muss juristisch konsequent verfolgt werden.“ Die Familien der Opfer müssten entschädigt werden.

Entschädigung für den Abschuss des Passagierflugzeugs forderte die Ukraine vom Iran. Zudem erwarte das Land ein vollständiges Eingeständnis der Schuld, eine offizielle Entschuldigung sowie eine umfassende Untersuchung, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstag. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Selenskyj will noch im Laufe des Tages mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani telefonieren. Dies teilte Selenskyjs Büro mit.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau forderte eine umfassende Aufklärung des Flugzeugabschusses sowie die volle Zusammenarbeit der iranischen Behörden. „Dies ist eine nationale Tragödie und alle Kanadier trauern gemeinsam“, erklärte er.

Der iranische Außenminister Mohammad Jawad Zarif gab am Samstag den USA eine Teilschuld an dem versehentlichen Abschuss. Sie seien für die aufgeheizte Atmosphäre verantwortlich, die zu dem menschlichen Fehler geführt habe, twitterte er. Die USA haben vergangene Woche den iranischen General Qassem Soleimani getötet.