WHO ruft wegen Coronavirus Gesundheitsnotstand aus

Welt / 30.01.2020 • 21:12 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt rasant. Deutschland will seine Mitbürger ausfliegen. Auch die WHO reagiert auf den Ausbruch.

Genf Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach der rasanten Zunahme von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in China eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Damit sind konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg einzudämmen. In China gibt es offiziell knapp 8.000 Fälle, 170 Menschen sind bisher an dem Virus gestorben.

Der Höhepunkt der Epidemie wird frühestens in einer Woche erwartet. Vor zwei Wochen waren erst 40 Fälle gezählt worden. Das Virus ist besonders tückisch, weil Infizierte auch schon ansteckend sind, wenn sie noch gar keine Symptome zeigen. Angesichts der raschen Ausbreitung des Coronavirus wollte die WHO am Donnerstag erneut im Notfall-Ausschuss beraten. Bisher hatte sie davon abgesehen, eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ auszurufen.

Immer mehr Staaten wollen ihre Staatsbürger aus der besonders stark betroffenen Region um die Elf-Millionen-Metropole Wuhan ausfliegen. Deutschland plant eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger. Wer mit einem Flugzeug aus Wuhan ausgeflogen werden möchte, müsse in Deutschland zwei Wochen in Quarantäne, sagte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 deutsche Staatsbürger in der Provinz Hubei. Mitfliegen könne nur, wer symptomfrei ist.

Der deutsche Flug könnte auch eine Möglichkeit für die sieben Österreicher in der Provinz Hubei sein, China zu verlassen. Das Flugzeug der deutschen Bundeswehr soll in Frankfurt landen. Der Rückholflug war zunächst für Samstag geplant. Sicher war das aber auch am Donnerstag noch nicht. Wo genau die Passagiere nach der Landung untergebracht werden, werde derzeit noch abgestimmt, sagte Spahn.

Auch immer mehr andere Länder fliegen ihre Staatsbürger aus der betroffenen Region aus – oder planen das. Dazu gehören unter anderem Belgien, Großbritannien, Japan, Kanada und Ägypten.

Im Hafen der italienischen Stadt Civitavecchia mussten aufgrund von zwei Verdachtsfällen rund 7.000 Menschen zunächst an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Costa Smeralda“ ausharren, am Donnerstagabend gab es dann Entwarnung: Wie aus Tests hervorging, gab es keinen Hinweis auf den Erreger der Lungenkrankheit aus China. Unter den rund 6.000 Passagieren, die stundenlang an Bord des Schiffes festgehalten worden waren, waren auch 37 Österreicher, sagte ein Sprecher der Reederei Costa Crociere, Betreiberin des Schiffes, der APA. Das fünftgrößte Kreuzfahrtschiff der Reederei aus Genua hatte eine einwöchige Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeerraum unternommen und war von Palma de Mallorca nach Civitavecchia gereist.

In Italien wurden bisher einige Verdachtsfälle auf Coronavirus gemeldet, die jedoch nicht bestätigt wurden. Hoteliers in Rom beklagten, dass tausende chinesische Touristen ihren Aufenthalt in der Metropole abgesagt hätten. Viele chinesische Restaurants meldeten einen Rückgang in der Zahl der Gäste.

Außerhalb der Volksrepublik sind in rund 20 Ländern etwas mehr als 100 nachgewiesene Infektionen gezählt worden. Darunter sind Thailand, Japan, Singapur, Malaysia, die USA, Finnland, Australien und Südkorea. Neu hinzu kamen am Donnerstag Indien und die Philippinen. Vielfach sind die Infizierten Reisende aus China, aber es kommt auch zu neuen Ansteckungen außerhalb des Landes.

In den USA ist derweil die erste Übertragung des neuen Coronavirus von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Dabei handle es sich um den Ehemann einer Frau, bei der nach einer Reise nach Wuhan vor rund zehn Tagen das Virus nachgewiesen wurde, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag mit. Der Mann sei um die 60 Jahre alt und in stabilem Zustand. Die Frau befinde sich isoliert in einem Krankenhaus und sei in gutem Zustand. Außer den beiden gibt es in den USA bisher vier bestätigte Fälle von Menschen mit Coronavirus, alle von ihnen hatten das Virus aus Wuhan mitgebracht.

In Frankreich ist unterdessen eine sechste Infektion mit dem neuen Coronavirus bestätigt worden. Es handle sich dabei um einen Arzt in Frankreich, der mit einem Menschen in Kontakt war, dessen Erkrankung später in Asien festgestellt worden sei, teilten Frankreichs Gesundheitsbehörden am Donnerstagabend mit. Der Arzt sei nun schnell isoliert worden.

In China sagten die Behörden immer mehr Veranstaltungen ab, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Chinas Fußballverband CFA kündigte am Donnerstag an, die Fußball-Saison des Landes vorerst zu verschieben. So sollen die Gesundheit der Fans und Spieler geschützt werden. Russland riegelte wegen des Coronavirus seine Grenze zu China teilweise ab.

Die Krankenhäuser in der schwer betroffenen Provinz Hubei leiden an einem Mangel an Material. Wie der Sprecher der Gesundheitskommission, Mi Feng, vor der Presse in Peking sagte, seien die Produktionskapazitäten hochgefahren worden. Auch seien Maßnahmen ergriffen worden, um den Transport nach Hubei zu beschleunigen. „Die Situation verbessert sich.“ Die Behörden in Wuhan bauen zwei Krankenlager in Schnellbauweise, um Patienten zentral unterzubringen. APA