Sturmtief „Petra“ fegt über Österreich hinweg

04.02.2020 • 13:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
APA

Das Sturmtief „Petra“ ist am Dienstag über mehrere Bundesländer Österreichs hinweggefegt. Auf dem Semmering in Niederösterreich wurden Böen mit mehr als 150 km/h gemessen. In Oberösterreich und in Salzburg waren Tausende Haushalte aufgrund heftiger Windböen ohne Strom. Auch in Vorarlberg, Wien und Niederösterreich trieb „Petra“ sein Unwesen. Die Steiermark und Kärnten waren weniger betroffen.

Rund 11.000 Kunden der Netz Oberösterreich GmbH, Tochterunternehmen der Energie AG, mussten wegen des Sturms in Oberösterreich ohne Strom auskommen. Besonders betroffen waren Haushalte und Betriebe im Bezirk Schärding, teilte Unternehmenssprecher Wolfgang Denk mit. Mit Spitzen von 110 km/h fegte der Sturm ab 6.30 Uhr über das Bundesland. Die Feuerwehr rückte zu 476 Einsätzen aus.

Aus Deutschland war der Sturm in der Früh ins Innviertel hereingezogen und breitete sich dann auf fast alle Bezirke in Oberösterreich aus. Nur der Süden des Bundeslandes sei bis zum Vormittag weitgehend verschont geblieben, teilte das Landesfeuerwehrkommando mit. 138 Wehren mit rund 2.000 Einsatzkräften wurden innerhalb von drei Stunden zu den 476 Einsätzen gerufen.

In Salzburg waren 1.500 Haushalte ohne Strom, betroffen waren vor allem Flachgau und Tennengau. Die Feuerwehr rückte bis kurz vor 10.00 Uhr zu insgesamt 65 Einsätzen aus, sagte ein Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos zur APA. Die stärksten Sturmböen dürften eine Geschwindigkeit von 100 bis 110 km/h erreicht haben, die höchste gemessene Windgeschwindigkeit in den Niederungen gab es in Mattsee (Flachgau) mit 90 km/h, am Salzburger Flughafen waren es 85 Stundenkilometer, sagte Bernhard Niedermoser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Salzburg.

Die meisten Schäden verzeichnete die Feuerwehr im Flachgau, und hier vor allem im Bereich Lamprechtshausen und Seekirchen, so der Feuerwehrsprecher. Insgesamt rückten 25 verschiedene Feuerwehren zu 65 Einsätzen aus, hauptsächlich, um umgestürzte Bäume zu entfernen. Rund 335 Feuerwehrleute halfen bei den Arbeiten. Die Asfinag gab indes eine Wetterwarnung für die Tauernautobahn (A10) in Salzburg aus. Ab der kommenden Nacht sollen bis in den Mittwoch hinein rund 50 Zentimeter Neuschnee fallen.

In Vorarlberg wurden Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h verzeichnet. Die Feuerwehr rückte zu bisher 29 Einsätzen aus, größere Schäden blieben aber aus. Nach ausgiebigen Niederschlägen in der Nacht – am Arlberg bis ins Kleinwalsertal gab es bis zu 50 Zentimeter Neuschnee – herrschte am Vormittag noch überwiegend erhebliche Lawinengefahr der Stufe drei auf der fünfteiligen Skala. Mit den prognostizierten weiteren Schneefällen werde die Lawinengefahr am Nachmittag oberhalb von 1.800 Metern aber Stufe vier erreichen, so der Lawinenwarndienst.

Laut Feuerwehr gab es 200 sturmbedingte Feuerwehreinsätze in Niederösterreich. 850 Mann waren ausgerückt, teilte Franz Resperger vom Landeskommando mit. Hotspots waren die Bezirke Baden, Mödling, Korneuburg und St. Pölten. Im Westen des Bundeslandes hatte sich die Lage wieder beruhigt. In knapp unter 1.000 Haushalten kam es zu Stromausfällen.

Starke Niederschläge und orkanartiger Wind führten in Tirol zu Straßensperren. Zum Teil gingen Erdrutsche auf Verkehrswege ab. Die Wettersituation sorgt aber auch für Probleme in höheren Lagen: Die Lawinengefahr werde ansteigen, hieß es vom Land Tirol. „Auf die durch Regen durchfeuchtete Schneedecke fällt jetzt wieder bei starkem Wind Schnee“, sagte Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Dadurch würde sich eine „dünne, durchwegs störanfällige Schwachschicht“ bilden. Diese bilde sich erst im Laufe der folgenden Tage. Die Lawinenwarnstufe liegt derzeit auf der fünfteiligen Skala bei Gefahrenstufe 3, also „erhebliche Gefahr“.

Auch in Wien trieb „Petra“ sein Unwesen. Zahlreiche Feuerwehreinsätze und einige Verkehrsbehinderungen waren die Folge. An der Westeinfahrt bildete sich auf der Hadikgasse wegen einer Sperre aufgrund eines umgestürzten Baumes gegen 10.00 Uhr ein Stau, der laut ÖAMTC am Vormittag bis zur U4-Station Meidling reichte. Sowohl der Tiergarten Schönbrunn als auch der Schlosspark wurden gesperrt. Zudem riegelten die Bundesgärten u.a. den Augarten, den Burggarten, den Volksgarten und das Grünareal im Schloss Belvedere ab, sagte ein Sprecher. Auch der Lainzer Tiergarten wurde gesperrt. Die Sperren bleiben aufrecht, bis die ZAMG Entwarnung gebe.

Kärnten wurde von dem Unwetter lediglich gestreift. Laut Landesalarm- und Warnzentrale gab es bis zum späten Vormittag sechs Feuerwehreinsätze. Stärker betroffen waren die Skigebiete, wo zahlreiche Seilbahnen wegen zu starken Windes den Betrieb einstellen mussten. Mehrere Einsätze gab es indes im steirischen Bezirk Deutschlandsberg. In Deutschlandsberg und Rosegg stürzte ein Baum auf ein Haus, in Stainz, Wetzelsdorf, Stallhof, Preding und Gundersdorf wurden Straßen von umgestürzten Bäumen blockiert, teilte der Bereichsfeuerwehrverband Deutschlandsberg mit.