Gesamtzahl der an Coronavirus Verstorbenen auf 722 gestiegen

08.02.2020 • 21:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Die offizielle Gesamtzahl derer, die am Coronavirus in China gestorben sind, ist mittlerweile auf 722 gestiegen. Bei der SARS-Epidemie Anfang der 2000er-Jahre waren weltweit 774 Menschen gestorben. In China infizierten sich laut Behörden 34.500 Menschen. Erstmals starb auch ein mit dem Virus infizierter Ausländer in China. Die letzten sechs Österreicher wurden indes aus Wuhan ausgeflogen.

Bei dem Toten handle es sich um einen US-Bürger, teilte die US-Botschaft in Peking am Samstag mit. Der in einem Krankenhaus in der Millionenstadt Wuhan gestorbene Bürger sei 60 Jahre alt gewesen, teilte die US-Botschaft mit. Angaben zum Geschlecht machte der Sprecher nicht. Das Opfer hat laut chinesischem Außenministerium chinesische Wurzeln. Ebenfalls in einem Krankenhaus in Wuhan starb ein Japaner, der sich vermutlich mit dem Coronavirus angesteckt hatte.

In China infizierten sich nach Angaben der Behörden mittlerweile 34.500 Menschen mit dem Erreger. Von der Volksrepublik aus hat sich das Virus in fast 30 weitere Länder ausgebreitet. Über 320 Krankheitsfälle sind außerhalb Chinas bestätigt. In Deutschland gib es inzwischen 14 bestätigte Ansteckungsfälle, für ganz Europa nähert sich die Zahl der bestätigten Fälle 40. In Österreich gab es bisher keine bestätigten Fälle von Coronavirus.

Allerdings wurde am Samstagabend in Österreich ein neuer Coronavirus-Verdachtsfall bekannt. Ein Mann, der am Freitag von einer Thailand-Reise zurückgekehrt war, klagt seither über Atemwegsbeschwerden und Symptome eines grippalen Infektes. Er wurde vom Krankenhaus Wiener Neustadt ins Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien überstellt, teilte der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) am Samstagabend der APA mit. Der Niederösterreicher soll demnach in Thailand in einem Hotel genächtigt haben, in dem sich auch chinesische Staatsbürger aus Wuhan aufgehalten haben sollen. Insgesamt gibt es aktuell drei Verdachtsfälle.

In der Nacht auf Sonntag (Ortszeit) wurden die letzten sechs Österreicher aus Wuhan ausgeflogen. Sie waren nach Großbritannien unterwegs, teilte Außenamtssprecher Peter Guschelbauer der APA am Samstagabend auf Anfrage mit. Über Berlin sollten sie dann am frühen Nachmittag in Wien eintreffen. Die nach Mitternacht chinesischer Zeit gestartete Maschine sollte gegen 5.00 Uhr MEZ am britischen Luftwaffenstützpunkt Brize Norton nordwestlich von London landen, sagte Guschelbauer. Zwischen 8 und 9 Uhr war dann der Weiterflug nach Berlin geplant, da sich unter den Ausgeflogenen auch Deutsche befinden. Die sechs Österreicher – ein Kärntner Ehepaar sowie eine Mutter mit drei Kindern – sollten dann mit einer Maschine der Tyrolean Air Ambulance nach Wien gebracht werden, wo die Landung zwischen 13 und 14 Uhr erwartet wurde.

Laut dem Sprecher sind die sechs Personen „dem Anschein nach gesund“. Die Vorgangsweise nach der Landung solle jener beim ersten Rücktransport von Österreichern aus Wuhan entsprechen. Damals waren die Rückkehrer sofort ins Hygienezentrum der Gemeinde Wien für Tests gebracht worden, gefolgt von einer 14-tägigen Quarantäne.

In Japan stieg inzwischen die Zahl der Infizierten an Bord eines dort unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes auf 64, wie das japanische Gesundheitsministerium mitteilte. Am Samstag seien drei weitere Fälle bestätigt worden. Die „Diamond Princess“ befindet sich seit Montag vor der japanischen Küste unter Quarantäne. An Bord befinden sich etwa 3.700 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

Frankreich warnte angesichts der Entwicklung der Coronavirus-Epidemie seine Bürger vor Reisen nach China. Zuvor erklärte das Gesundheitsministerium, dass in einem französischen Skiort fünf Briten mit dem Virus diagnostiziert worden seien. Damit stieg die Zahl der Infektionen in Frankreich auf insgesamt elf.

Wegen des sich rasant ausbreitenden Virus beschlossen auch die Behörden in Hongkong neue Maßnahmen: Sie verhängten eine obligatorische zweiwöchige Quarantäne für alle aus Festland-China ankommenden Reisenden. In der vergangenen Woche sorgten Panikkäufe von Hongkongern für Schlagzeilen. Die Menschen kauften die Regale der Supermärkte leer und horteten Grundnahrungsmittel sowie Toilettenpapier und Handdesinfektionsmitteln. Ähnliche Szenen gab es am Samstag in Singapur, nachdem der Stadtstaat seine Alarmstufe wegen des Virus erhöht hatte.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge stabilisierte sich in den vergangenen vier Tagen die Zahl der neuen Coronavirus-Fälle in der besonders betroffenen chinesischen Provinz Hubei. Zwar seien das gute Nachrichten, sagt Mike Ryan, Leiter des WHO-Notfallsprogramms. Allerdings handle es sich nicht um einen Rückgang. „Das können einfach nur vier Tage Ruhe vor dem Sturm sein“, sagte Ryan der Nachrichtenagentur Reuters.

Die WHO geht mittlerweile auch gegen Falschinformationen zum Coronavirus vor. Falsche Informationen über das Virus sorgten für Verwirrung und Angst in der Bevölkerung, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag in Genf. Dafür sei man auch mit zahlreichen sozialen Netzwerken in Kontakt.

Laut einer Studie chinesischer Wissenschafter könnte das Coronavirus auch über Fäkalien übertragbar sein. Einige Patienten in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan hätten vor dem Auftreten von Fiebersymptomen und Atembeschwerden zuerst unter Durchfall und Übelkeit gelitten, heißt es in einer am Freitag im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlichten Arbeit.

Als Hauptübertragungsweg des Virus gilt weiterhin eine Tröpfcheninfektion über den Husten eines Erkrankten. Bei zehn Prozent von 138 Patienten in einen Krankenhaus in Wuhan habe der Krankheitsverlauf mit Durchfall und Übelkeit begonnen, schreiben die Wissenschafter. Die Forscher gaben an, sich bei den frühen Fällen der erstmals im Dezember in Wuhan aufgetretenen Krankheit vor allem auf Atemwegssymptome konzentriert zu haben. Dabei könnten mit dem Verdauungstrakt verbundene Symptome übersehen worden sein.