Sturmtief „Sabine“ fegt mit orkanartigen Böen über Europa

10.02.2020 • 12:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
APA

Sturmtief „Sabine“ hat am Montag für Behinderungen in Teilen Europas gesorgt. In Skandinavien gab es ein Todesopfer. In Deutschland hat der Orkan den Verkehr schwer getroffen, aber vergleichsweise leichte Schäden angerichtet. In Frankreich waren Zehntausende Haushalte ohne Strom, in der Schweiz blieben Schulen geschlossen. In Österreich waren die Sturm-Höhepunkte in den Mittagsstunden zu erwarten.

Einen schweren Unfall gab es auf einem See in der schwedischen Gemeinde Svenljunga. Hier kenterten am Sonntag zwei Angler mit ihrem Boot – einer starb, nach dem anderen wurde am Montag noch gesucht.

In Deutschland bekamen es die Einsatzkräfte in den meisten Fällen mit umgestürzten Bäumen zu tun. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden Menschen von umstürzenden Bäumen oder herumfliegenden Gegenständen verletzt. In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms.

In Bayern erreichte der Sturm in tiefen Lagen Rekordwerte. Bei Fürstenzell (Landkreis Passau) wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 154 Stundenkilometer gemessen. „Das ist in solchen Tieflagen eine absolute Spitze“, sagte ein Meteorologe. Zehntausende Menschen waren über Stunden ohne Strom, nachdem Äste auf Leitungen gestürzt waren. Für Bayern und Baden-Württemberg galt am frühen Vormittag noch die zweithöchste Unwetterwarnstufe, für einige Regionen sogar die höchste. Hier war weiterhin „extremes Unwetter“ zu erwarten.

Auf den Schienen in Deutschland ging zum Start in die Arbeitswoche kaum etwas: Der Fernverkehr sollte bis mindestens 10.00 Uhr stillstehen, die Deutsche Bahn erwartete Störungen noch den ganzen Montag über. Auch der regionale Bahnverkehr stand in vielen Bundesländern flächendeckend still. Die Bahn schickte nach der Sturmnacht Einsatztrupps mit Räumgerät und Kettensägen auf die Strecken.

An den Flughäfen fielen Hunderte Starts und Landungen aus, hier war vor allem der Münchner Airport betroffen. Die Fluggesellschaft Eurowings kündigte an, den Flugbetrieb ab 10.00 Uhr schrittweise wieder aufzunehmen. Vergleichsweise entspannt war die Lage auf Autobahnen. Etliche Städte ließen den Unterricht an ihren Schulen ausfallen.

Der Sturm hat in Frankreich, der dort „Ciara“ heißt, zu Stromausfällen in rund 130.000 Haushalten im Norden und Osten sowie im Großraum Paris geführt, teilte der Netzbetreiber Enedis am Montag mit. Der Zugverkehr war „stark gestört“, wie die Bahngesellschaft SNCF mitteilte. Bei TGV-Schnellzügen kam es zu Verspätungen, viele Regionalzüge verkehrten nicht. An den beiden Pariser Flughäfen wurden rund 50 Flüge gestrichen. Auch an den Flughäfen in Caen, Lille und Brest und auf Regionalflughäfen wie Basel-Mülhausen und Straßburg im Elsass fielen Flüge aus. Besonders in Ostfrankreich rückte die Feuerwehr zu hunderten Noteinsätzen aus. Es wurden Windböen von bis zu 200 Stundenkilometern gemessen.

Viel Wirbel verursachte „Sabine“ in der Schweiz. Flugzeuge am Flughafen Zürich mussten durchstarten, Bäume behinderten den Verkehr auf Straßen und Schienen. Schulkinder dürften sich aber gefreut haben: In zahlreichen Gemeinden gab es schulfrei.

In Tschechien waren rund 100.000 Haushalte ohne Elektrizität, weil Stromleitungen durch umstürzende Bäume beschädigt wurden, wie Energieversorger mitteilten. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Im Bahnverkehr kam es zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen.

In Norwegen und Schweden wurden sowohl am Sonntag als auch am Montag zahlreiche Flüge gestrichen. Fähren blieben im Hafen und Zugverbindungen wurden eingestellt. Auch die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden war wegen starken Windes bis Mitternacht gesperrt. An der dänischen und an der norwegischen Westküste fürchtet man nun Überschwemmungen. Für Montagabend warnte das Dänische Meteorologische Institut vor Wasserständen bis zu 3,5 Meter über normal.

Etliche Sturm-Schäden wurden auch aus Belgien gemeldet. Verletzt wurde nach ersten Medienberichten niemand, als vielerorts im Land Bäume und Baugerüste umstürzten. In Brüssel löste der Wind Teile einer Leichtbaufassade, die vom sechsten und siebenten Obergeschoß auf die Straße fielen. Bahnen fuhren auf vielen Strecken verspätet oder eingeschränkt.

Nach dem schweren Sturm mit erheblichen Schäden machten Schnee und Eis Großbritannien zu schaffen. Vor allem der Norden Englands und Schottland seien betroffen, teilten Meteorologen am Montag mit. Es wird weiter mit erheblichen Verkehrsbehinderungen im Bahn- und Flugverkehr sowie auf Straßen gerechnet. Mehr als 20.000 Haushalte waren in der Nacht auf Montag vom Strom abgeschnitten. In einigen Regionen hatte der Orkan innerhalb von 24 Stunden so viel Regen gebracht wie sonst in eineinhalb Monaten fällt. Überschwemmungen und umgestürzte Bäume behinderten am Montag weiterhin erheblich den Verkehr auf Straßen und Bahngleisen.