Schönborn, Trump, Macron: So reagiert die Welt auf den Terror in Wien

Welt / 02.11.2020 • 23:31 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
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Kardinal Schönborn ruft zum Gebet auf, aus ganz Europa kommen Solidaritätsbekundungen.

Brüssel, Paris, Wien Kardinal Christoph Schönborn hat zum Gebet für die Opfer des Anschlags in der Wiener Innenstadt und für die Einsatzkräfte aufgerufen. “In diesen dramatischen Stunden bete ich mit vielen anderen, die über die Medien die tragischen Ereignisse im Herzen unserer Stadt mitverfolgen, für die Opfer, die Einsatzkräfte und dass es zu keinem weiteren Blutvergießen kommt”, sagte der Wiener Erzbischof laut Kathpress.

Schönborn zeigte sich “tief betroffen” von den Ereignissen und sagte: “Dass jetzt wieder Schüsse unmittelbar vor dem Stadttempel der Israelitischen Glaubensgemeinschaft gefallen sind, erinnert mich an das blutige Attentat auf die Synagoge im Jahr 1981. Was auch immer die Hintergründe für den Anschlag heute sein mögen, klar muss sein, dass blinde Gewalt durch nichts zu rechtfertigen ist.”

Reaktionen von Bundespräsident und -kanzler

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich “tief betroffen” über den mutmaßlichen Terroranschlag in der Wiener Innenstadt gezeigt. “Unsere Gedanken und unser Mitgefühl ist bei den Opfern, Verletzten und deren Angehörigen”, schrieb Van der Bellen auf Twitter.

“Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen”, betonte der Bundespräsident. Er stehe mit der Bundesregierung im Austausch. Van der Bellen bedankte sich im Namen der Republik für die Beistandbekundungen internationaler Staats- und Regierungschefs.

Er dankte auch allen Einsatzkräften von Polizei, Rettung und Bundesheer, “die unter Einsatz ihres Lebens unsere Demokratie und Freiheit schützen. Den Bürgerinnen und Bürgern, die noch in der unsicheren Lage in der Innenstadt ausharren müssen, gilt unser Beistand.”

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat den Angriff in Wien als “widerwärtigen Terroranschlag” bezeichnet. Er sei froh, dass die Polizei bereits einen Täter ausgeschaltet habe, schrieb er am Montagabend bei Twitter. Das Land erlebe gerade schwere Stunden – Österreich werde sich aber nicht durch Terrorismus einschüchtern lassen.

Unterstützung aus Frankreich und Berlin

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Österreich sein Mitgefühl nach dem mutmaßlichen Terroranschlag in der Innenstadt von Wien ausgesprochen. Macron habe Österreichs Kanzler Sebastian Kurz am Montagabend volle Solidarität und Unterstützung Frankreichs zugesagt und Hilfe angeboten, falls diese notwendig sei, hieß es aus Kreisen des Präsidentenpalasts in Paris.

Die Franzosen teilten den Schock und die Trauer der Österreicher, schrieb Macron außerdem auf Deutsch und Französisch auf Twitter. “Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa”, so Macron weiter. “Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben.”

In Frankreich hatte es in den letzten Wochen drei Anschläge gegeben, die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus. Zuletzt hatte ein Mann in einer Kirche in Nizza mehrere Menschen brutal mit einem Messer angegriffen – drei Menschen starben.

Das Auswärtige Amt hat den mutmaßlichen Terroranschlag in Wien verurteilt. “Auch wenn das Ausmaß des Terrors noch nicht absehbar ist: unsere Gedanken sind bei den Verletzten&Opfern in diesen schweren Stunden”, heißt es in einer Nachricht, die am Montagabend vom deutschen Außenministerium auf Twitter veröffentlicht wurde. “Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll.”

Nationalratssitzung abgesagt

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat angesichts des Anschlags in Wien die Sondersitzung des Nationalrats zur “Hacklerregelung”, die für morgen angesetzt war, abgesagt. Basis dafür war ein entsprechendes Verlangen von SPÖ und FPÖ, die das außertourliche Plenum beantragt hatten.

Wie man nun weiter vorgeht, soll in einer Sonderpräsidiale ab 9.30 Uhr beraten werden. Ob die Sitzung virtuell stattfindet oder man sich persönlich trifft, stand Montag spät Abend noch nicht fest.

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner hat sich am Abend “tief erschüttert, fassungslos und entsetzt” über den Anschlag in Wien geäußert. Auf Twitter sprach sie von einem “abscheulichen Terroranschlag”.

Auch FPÖ-Obmann Norbert Hofer zeigte sich “entsetzt”, er sprach auf Twitter von einem “schrecklichen Terroranschlag”. Sein Mitgefühl gelte “allen Opfern der feigen Terroristen”.

Bestürzung in Europa

EU-Ratspräsident Charles Michel hat die mutmaßliche Terrorattacke in der Wiener Innenstadt als feigen Akt gegen das Leben und die menschlichen Werte verurteilt. “Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Menschen in Wien nach dem schrecklichen Anschlag von heute Abend”, teilte Michel am Montag mit. Europa stehe an der Seite Österreichs.

Ähnlich äußerten sich auch EU-Parlamentspräsident David Sassoli und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Sassoli kommentierte: “Mit Trauer und Entsetzen verfolgen wir die Nachrichten von einem erneuten Anschlag in Europa”. Borrell sprach von einem “feigen Akt von Gewalt und Hass”.

Angesichts des mutmaßlichen Anschlags am Montagabend in Wien hat sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen “schockiert und traurig” gezeigt. “Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer und der österreichischen Bevölkerung”, schrieb sie auf Twitter. “Europa steht in voller Solidarität an Österreichs Seite. Wir sind stärker als Hass und Terror.”

Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven verurteilte die Tat in der Nähe einer Synagoge. “Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Wir müssen uns gemeinsam gegen Angriffe auf unsere offene Gesellschaft wehren”, schrieb er auf Twitter.

Nach dem mutmaßlichem Anschlag in Wien hat sich auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez zu Wort gemeldet. “Hass wird unsere Gesellschaft nicht verbiegen. Europa wird dem Terrorismus standhalten”, schrieb Sanchez am Montagabend auf Twitter. Er sprach von einem “sinnlosen Anschlag” und versicherte “Solidarität mit dem österreichischen Volk”.

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat die mutmaßliche Terrorattacke in der Wiener Innenstadt verurteilt. “Es gibt keinen Platz für Hass und Gewalt in unserem gemeinsamen europäischen Haus”, schrieb Conte auf Twitter. Er drückte dem österreichischen Volk, den Familienangehörigen der Toten und den Verletzten seine Nähe aus.

Der italienische Minister für europäische Angelegenheiten, Enzo Amendola, hat Montagabend nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt seine Anteilnahme mit den Österreichern erklärt. Er habe viele Jahre lang in Wien gelebt. Nun den Angriff auf Wien sehen zu müssen, schmerze ihn sehr. “Wir stehen an der Seite des österreichischen Volkes, vereint gegen den Terror” twitterte er.

Trump und Biden verurteilen Angriff

US-Präsident Donald Trump hat Österreich die Unterstützung der USA im Kampf gegen Terrorismus zugesichert. “Unsere Gebete sind bei den Menschen in Wien nach einem erneuten abscheulichen Akt des Terrorismus in Europa”, twitterte Trump am Montagabend. “Diese bösartigen Angriffe gegen unschuldige Menschen müssen aufhören.”

Der demokratische Präsidentschaftskandidat in den USA, Joe Biden, hat angesichts des Terroranschlags in Wien aufgerufen, gegen Hass und Gewalt zusammenzustehen. “Nach der entsetzlichen Terrorattacke heute Nacht in Wien, Österreich, beziehen Jill (seine Ehefrau, Anm.) und ich die Opfer und ihre Familien in unsere Gebete ein. Wir müssen alle vereint dem Hass und der Gewalt trotzen”, twitterte Biden.

Merkel zeigt sich erschüttert

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat sich über den Anschlag in Wien erschüttert gezeigt. “Ich bin in diesen schrecklichen Stunden, in denen Wien Ziel terroristischer Gewalt geworden ist, in Gedanken bei den Menschen dort und den Sicherheitskräften, die der Gefahr entgegentreten”, erklärt Merkel am Dienstag auf Twitter.

“Wir Deutschen stehen in Anteilnahme und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde”, schrieb sie weiter. “Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf.”

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sein Entsetzen über die Ereignisse. “Wir sind schockiert”, so Söder ebenfalls auf Twitter. Mitgefühl gelte den Opfern, Verletzten und Angehörigen. “Wir stehen fest an der Seite Österreichs.” Bei dem Anschlag am Vorabend waren mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Ein Angreifer wurde von der Polizei erschossen.

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