So cool kann ein Elektroauto sein

Mobilität / 14.11.2020 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So cool kann ein Elektroauto sein
Zukunftstechnik in Retro-Verpackung: Der Honda e ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Eletrofahrzeugen am Markt. VN/PAULITSCH

VN-Autotest: Honda zeigt, wie es geht: Retro-Chic, edles Mobiliar, Megadisplays und Fahrspaß ohne Abgas.

Schwarzach Rückblick: Im September 2o17 präsentiert Honda auf der IAA in Frankfurt das Urban EV Concept. Als die Hüllen fallen, ist klar: Hier steht ein Auto mit Kultpotenzial. Das Schicksal der meisten spektakulären Konzeptfahrzeuge ist jedoch, dass man sie nicht wiedererkennt, wenn sie Jahre später auf den Markt kommen. Markantes Design wird dem Mainstreamgeschmack geopfert, beim futuristischen Cockpit an der Kostenschraube gedreht und die Technik abgespeckt. So läuft das normalerweise.

2020, drei Jahre später: Am Firmenparkplatz steht der Honda e, wie ein Klon der spektakulären Studie. Sieht irgendwie aus wie die erste Golf-Generation – Melange aus Retro-Charme und futuristischer Nüchternheit. Die Türgriffe klappen auf, einladende Sitzmöbel und ein Cockpit, das nach einem lauten Wow verlangt, warten als erster Eindruck. Cooler kann das derzeit keiner. Honda setzt mit seinem Citystromer ein Ausrufezeichen, bringt ein Elektroauto auf die Straße, das überrascht, begeistert, fasziniert.

Drei Monitore und Echtholzfurnier: ein richtig cooles Cockpit.
Drei Monitore und Echtholzfurnier: ein richtig cooles Cockpit.

Wir nehmen Platz im 3,9-Meter kurzen Elektro-Kleinwagen. Ein 8,8 Zoll großer Monitor hinter dem Lenkrad liefert alle relevanten Fahrinformationen, zwei 12,3 Zoll Touchscreens füllen praktisch die gesamte Breite des Armaturenbretts. Apps, Navi-Einstellungen, Fahrzeugdaten lassen sich von einem Monitor auf den anderen verschieben. Willkommen in der Zukunft!

Wohlfühlen war dennoch nicht gestern. Dafür sorgt auch im Innenraum jede Menge Retro-Charme. Neben den bequemen Stoffsitzen sticht das massig verlegte Echtholzfurnier ins Auge. Im kleinen Japaner steckt mehr Premium als in so manchem Oberklassemodell und mehr Kameras als in einigen TV-Studios. Alleine drei Objektive sind nach hinten gerichtet. Sie ersetzen die Rückspiegel. Das ist gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber an sich prima. Auch hier überraschend: die Kameraqualität.

Statt Rückspiegel liefern beim Honda e Kameras Bilder ins Auto.
Statt Rückspiegel liefern beim Honda e Kameras Bilder ins Auto.

Okay, so stromern wir endlich los. Beherzt treibt ein E-Motor mit 154 PS und 315 Nm Drehmoment die Hinterräder an. 8,3 Sekunden auf Tempo 100: Fahrspaß braucht keinen Verbrennungsmotor.

Unbegrenzt ist der Fahrspaß nicht, was an der Reichweite liegt. Nach 160 Kilometern (210 Kilometer laut Hersteller) ist Schluss. Dann verlangt die 35-kWh-Batterie nach Energie. 80 Prozent in 30 Minuten – Schnellladen (bis 100 kW) ist möglich.

Knappe Abmessungen, extrem kleiner Wendekreis und agile Fahreigenschaften.
Knappe Abmessungen, extrem kleiner Wendekreis und agile Fahreigenschaften.

Das Konzept ist klar: Ballungsräume und Städte sind das Revier des Honda e. Seine elektrische Reichweite ist darauf ausgelegt, das Raumkonzept ebenfalls. So ist das Platzangebot vorne üppig, in der zweiten Reihe jedoch nichts für lange Strecken. Auch der Kofferraum ist eher für Einkaufstaschen als Reisetrollys. Warum auch nicht: ein Cityflitzer muss wendig sein, in jeder Parklücke Platz finden und soll cool sein, so hip wie der Honda e.

Honda e

Motor/Antrieb E-Motor mit 154 PS, 315 Nm Drehmoment, Heckantrieb, 35-kWh-Batterie

Fahrleistungen/Verbrauch 0 auf 100 in 8,3 Sek.; 210 km Reichweite (160 km im Test), 20 kWh/100 km

Preis ab 34.990 Euro; Testwagen 36.650 Euro

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