Klima zwischen USA und der Türkei wird rauer

Welt / 25.04.2021 • 16:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Klima zwischen USA und der Türkei wird rauer
Die diplomatische Beziehung zwischen der Türkei und den USA war schon einmal besser. AP

USA erkennen Völkermord an Armeniern durch die Türkei an.

Washington, Ankara US-Präsident Joe Biden hat das Morden in der Türkei an den Armeniern zwischen 1915 und 1923 als geplanten Genozid  eingestuft. Das sorgt nun für dicke Luft zwischen den Staaten. In der Türkei lässt Erdogan vorerst aber andere vorschicken, um Biden zu widersprechen.

Die Türkei samt ihrem Machthaber Recep Tayyip Erdogan spricht von Kriegshandlungen, wenn man über das Massaker an den Armeniern redet. Erdogan hat sich noch nicht persönlich zum Schritt der USA geäußert. Vorgeschoben wurde der armenische Patriarch in Istanbul, Sahak Maschalian. Er musste „aktuellen politischen Missbrauch von alten Ereignissen“ verurteilen. Das zitieren nun alle türkischen Medien. Auch Außenminister Mevlüt Cavusoglu äußerte sich in diesem Sinn. Sogar die Juden der Türkei sahen sich genötigt, Partei zu ergreifen: Ihr Groß-Rabbinat gab eine Unterstützungserklärung für Erdogan ab. Sie haben weitgehend, aber später dasselbe Los wie die Armenier erlitten. In den 1930er-Jahren wurden sie aus der europäischen Türkei hinauspogromiert, kamen aus Istanbul ab 1942 in das Steinbruch-KZ von Askale.

Allerdings ist nicht zu übersehen, dass die US-Verurteilung innenpolitisch Erdogan den Rücken stärkt. Die ganze Opposition hat sich schon gegen Biden an seine Seite gestellt, die Minderheitenpartei HDP ausgenommen. Von dem Genozid waren ja auch aramäische und griechische Christen betroffen. Aus Athen ruft daher die internationale Union orthodoxer Parlamentarier jetzt die USA auf, auch deren Massenermordung beim richtigen Namen zu nennen. Außenpolitisch rutscht die Türkei so erst recht in die Isolierung, nur Aserbaidschan unterstützt sie in Sachen Armenier. Das neu-orthodoxe Russland von Kirchgänger Vladimir Putin wird sich schwer tun, seinem sonstigen Freund Erdogan in diesem Konflikt mit Joe Biden beizustehen.