Bühne frei für „Frau Müller muss weg“

Heimat / 01.04.2022 • 11:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Bühne frei für „Frau Müller muss weg“
Regisseur Oswald Wachter und das Ensemble der Theaterwerkstatt Feldkirch zeigen ab Samstag ihre neue Produktion auf der Bühne des Pförtnerhauses. Bischof

Regisseur Oswald Wachter gibt Einblicke in das neue Stück der Theaterwerkstatt Feldkirch.

Feldkirch Am kommendem Samstag, 2. April, findet im Pförtnerhaus Feldkirch die Premiere des Theaterstücks „Frau Müller muss weg“ der Theaterwerkstatt Feldkirch statt. Hierbei handelt es sich um ein topaktuelles Stück, das auch schon als Film sehr erfolgreich war. Oswald Wachter zeichnet als Regisseur für die Produktion verantwortlich und gibt im VN-Interview Einblicke in sein Schaffen.

Wodurch zeichnet sich die Aktualität des Stücks „Frau Müller muss weg“ aus?

WACHTER Ein Phänomen in der heutigen Zeit ist die Tatsache, dass viele Eltern ihre Kinder ins Gymnasium bringen wollen. Sie sind der Meinung, dass sich der Besuch einer Mittelschule nachteilig auf die weitere Entwicklung des Kindes auswirken könnte. Für den Besuch des Gymnasiums sind gute Noten erforderlich. So steigt der Druck auf die Kinder und auch auf die Lehrer. Wenn die Kinder die Vorstellungen der Eltern nicht erfüllen können, wird eben versucht, die Lehrer dazu zu bringen, gute Noten zu geben.

Können Sie unseren Lesern eine kurze Inhaltsangabe zum Stück geben, ohne dieses zu spielen?

WACHTER Die Eltern der 4b Klasse einer Volksschule sind besorgt. Das Lernklima ist schlecht, die schriftlichen Noten sind schlecht und das nächste Zeugnis entscheidet, wer den Sprung ans Gymnasium schafft oder nicht. Alle sind sich einig, es muss gehandelt werden, denn schuld an der Misere ist einzig und allein die Klassenlehrerin. Deshalb muss Frau Müller weg!

Wie sind Sie auf diese Thematik gestoßen?

WACHTER Im Vorfeld einer Theaterproduktion lese ich immer sehr viele Theaterstücke, Kurzbeschreibungen und auch Kritiken von Stücken. Eher durch Zufall habe ich eine Inhaltsangabe des Stücks „Frau Müller muss weg“ in die Hand bekommen. Diese Thematik hat mich gleich fasziniert. Ich fand es spannend, dieses Stück auf die Bühne zu bringen.

Was war Ihnen bei der Inszenierung dieses Stücks besonders wichtig?

WACHTER Der Autor Lutz Hübner zeichnet in diesem Stück die Charaktere der Darsteller auf ganz besondere Weise. Mir ist sehr wichtig, diese Persönlichkeiten gut darzustellen. Bei diesem Stück handelt es sich um eine Komödie. Trotzdem wollte ich die Thematik ernsthaft darstellen, ohne auf eine gewisse Komik zu verzichten.

Es sind sechs sehr unterschiedliche Charaktere, die von den Schauspielern verkörpert werden müssen. Wie sieht Ihre Herangehensweise bei der Vermittlung dieser Rollen aus?

WACHTER Ich betrachte die Charaktere der dargestellten Personen genau und stelle dann die ersten Überlegungen zur Besetzung der Rollen an. Nachdem das Stück von allen Schauspielern gelesen wurde und sich jede/jeder Einzelne selbst Gedanken gemacht hat, setzen wir uns zusammen und entwickeln gemeinsam die Rolle. Dies ist immer sehr interessant und spannend, zumal sich dann auch noch während der Probenarbeit verschiedene Aspekte zu einer Person ergeben können.

Die Premiere wäre eigentlich ja schon im März 2020 Jahr geplant gewesen. Inwieweit war die Verzögerung eine besondere Herausforderung?

WACHTER Es hat uns schwer getroffen, dass zehn Tage vor der Premiere der Kulturbetrieb komplett eingestellt wurde. Unsere Vorbereitungen waren sehr weit gediehen, die Probenarbeit fast abgeschlossen. Wir wollten unser Stück dann im Frühjahr 2021 wieder aufnehmen. Durch die pandemiebedingten Einschränkungen konnten wir aber nicht proben. Obwohl wir nicht wussten, wie die Voraussetzungen im heurigen Jahr sein werden, haben wir vergangenen Herbst beschlossen, mit der Probenarbeit zu beginnen. Wegen des Umzugs einer Mitspielerin waren wir aber gezwungen, diese Rolle neu zu besetzen.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

WACHTER Ich habe schon in meiner Jugend diverse Theateraufführungen besucht, konnte mir aber nicht vorstellen, selber auf der Bühne zu stehen. In der Vorbereitung der Passionsspiele Klostertal-Arlberg wurde ich im Jahr 2002 gefragt, ob ich die Hauptrolle übernehmen würde. Ein intensiver Prozess des Nachdenkens und viele persönliche Gespräche mit der Familie und mit Freunden folgten. Schließlich habe ich mich entschieden, die Rolle des Jesus von Nazareth zu übernehmen. Einige Jahre später habe ich dann bei der Theatergruppe Wald-Dalaas die erste Rolle übernommen, zudem habe ich eine Ausbildung in der Theaterwerkstatt Feldkirch bei Fidel Schurig gemacht und wurde in dessen Theatergruppe aufgenommen.

Welche Figuren, die Sie verkörpert haben, waren für Sie besonders prägend?

WACHTER An erster Stelle ist hier die Darstellung des Jesus von Nazareth zu nennen. Ich habe mich sehr intensiv mit der Person auseinandergesetzt und ein ganz besonderes Bild dieses beeindruckenden Mannes gewonnen. Eine weitere Figur, die sehr interessant für mich war, ist jene des Möbius im Stück „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt.

Wie bereiten Sie sich generell auf Ihre Rollen vor? Fällt es Ihnen schwer, hierfür zu lernen?

WACHTER Ich versuche im Vorfeld, möglichst viel Informationen über die Person zu erhalten, die ich darstellen soll. Des Weiteren ist es wichtig, die Vorstellungen des Regisseurs zu kennen und diese entsprechend umzusetzen. Das Erlernen einer Rolle ist für mich stets mit einem hohen Aufwand verbunden. Es geht nicht nur um das Erlernen des Textes, sondern eben um eine authentische Verkörperung einer Person.

Sie sind seit rund vier Jahren als Regisseur nach einer vorhergehenden Periode als Assistent tätig. Worin liegt bei Ihnen der Fokus als Regisseur?

WACHTER Ich gebe zwar die grundsätzliche Richtung einer Produktion vor, versuche aber, die Darsteller mit ihren Ideen und Vorstellungen in die Probenarbeit einzubinden, sodass ein Stück gemeinsam erarbeitet wird. Proben heißt für mich, dass viel ausprobiert und versucht werden kann.

Im Berufsleben gehen als Sie Kriminalreferent beim Bezirkspolizei­kommando in Bludenz bald in Pension. Werden in Zukunft vermehrt Stücke unter ihrer Regie zu sehen sein?

WACHTER Ja, auf meiner Agenda steht eine Komödie mit der Theatergruppe Wald-Dalaas im kommenden Herbst sowie die Vorbereitungen zu den Passionsspielen in Klösterle im kommenden Jahr, bei welchen ich die bestehende Textfassung überarbeite und auch für die Regie verantwortlich sein werde.

Die anstehende Premiere am kommenden Wochenende ist ausverkauft. Haben Sie Lampenfieber?

WACHTER Ich habe eigentlich kein Lampenfieber, verspüre aber stets eine gewisse Anspannung. Ich meine, das ist auch nötig, um konzentriert und professionell auf der Bühne arbeiten zu können. BI

Aufführungstermine (Pförtnerhaus)

Samstag, 2. April, 19.30 Uhr (Premiere)

Sonntag, 3. April, 18 Uhr

Donnerstag, 7. April, 19.30 Uhr

Samstag, 9. April, 19.30 Uhr

Sonntag, 10. April, 18 Uhr