Hier werden noch heute 50 Flüchtlinge aufgefangen

Heimat / 01.04.2022 • 15:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Blick von oben: Im neuen Ankunftszentrum in der Nenzinger Turnhalle finden vorübergehend bis zu 97 Flüchtlinge Platz. <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Ein Blick von oben: Im neuen Ankunftszentrum in der Nenzinger Turnhalle finden vorübergehend bis zu 97 Flüchtlinge Platz. Roland Paulitsch

Die Marktgemeinde Nenzing, das Land Vorarlberg und die Hilfsorganisation ORS haben in der Nenzinger Tennishalle ein Flüchtlingslager eingerichtet.

NENZING Die ersten 50 Flüchtlinge aus der Ukraine werden im Ankunftszentrum in Nenzing bereits am Freitagnachmittag erwartet. In der Tennishalle werden bis dahin noch die letzten Vorbereitungen getroffen. Das Zentrum soll als erstes Auffanglager in Vorarlberg dienen, mit Unterkunft, Registrierungsstelle, Gesundheitscheck und Beratung.

Landesrat und Sicherheitsreferent der Landesregierung, Christian Gantner, Florian Kasseroler, Bürgermeister der Marktgemeinde Nenzing und Martin Nyfeler, Geschäftsführer der ORS Service GmbH hatten am Freitagmittag die Medien zum Rundgang eingeladen. “Die Marktgemeinde Nenzing hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach als guter und zuverlässiger Partner bewiesen”, freut sich Christian Gantner und hebt vor allem die schnelle und unkomplizierte Organisation von Seiten der Gemeinde hervor.

“Wir haben bereits während der Kriege in Jugoslawien und Tschetschenien Flüchtlinge beherbergt”, betont Bürgermeister Florian Kasseroler. “Wir verfügen also über entsprechende Erfahrung. Nun wollen wir mit der ORS noch klären, welche Strukturen es in der Gemeinde noch benötigt, um den Flüchtigen ihren vorübergehenden Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten zu können.” Vorerst hoffe man, dass das Walgaubad, die Sportplätze und der Skaterplatz der Gemeinde für etwas Abwechslung und Zerstreuung bei den Ankömmlingen sorgen.

Florian Kasseroler, Bürgermeister der Marktgemeinde Nenzing, Landesrat Christian Gantner, und Martin Nyfeler, Geschäftsführer der ORS Service GmbH führen durch das Auffangzentrum.
Florian Kasseroler, Bürgermeister der Marktgemeinde Nenzing, Landesrat Christian Gantner, und Martin Nyfeler, Geschäftsführer der ORS Service GmbH führen durch das Auffangzentrum.

Auffangstelle mit professioneller Betreuung

Bis vor zwei Wochen war in der Halle noch ein Impfzentrum untergebracht. In kürzester Zeit wurden in der Halle 22 Wohnkojen, eine Verpflegungsstation mit Wasserkocher und Mikrowelle, eine Wickelkoje sowie die polizeiliche Registrierungsstelle eingerichtet. Ein Arztzimmer für Gesundheitschecks sowie eine Beratungsstelle der Caritas wird noch vorbereitet. Einen Spielbereich für Kinder soll es ebenfalls noch geben.

“Wir schaffen so die Möglichkeit, dass die Flüchtlinge nicht viel Zeit investieren und lange Wege gehen müssen, um die notwendigen ersten Schritte zu setzen. Sie finden hier die wichtigsten Einrichtungen quasi unter einem Dach”, erläutert Sicherheitslandesrat Christian Gantner. Damit sich die Ankömmlinge zurechtfinden, stehen ihnen rund um die Uhr insgesamt zwölf Betreuer der ORS zur Verfügung. Auch Dolmetscher stehen bereit.

Das Land Vorarlberg hat bereits während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 gute Erfahrungen mit der ORS Service GmbH gemacht. Als international tätige und anerkannte Dienstleisterin stellt sie die professionelle Betreuung geflüchteter Menschen von der Unterbringung bis zur Integration sicher. “Als bei uns der Anruf hereinkam, war für uns sofort klar, dass wir Vorarlberg und die Gemeinde Nenzing gern wieder unterstützen wollen”, freut sich auch Martin Nyfeler über die erneute Zusammenarbeit.

Etwa ein bis zwei Wochen werden die Flüchtlinge in der Auffangstation verweilen. Möglichst rasch soll eine dauerhafte Unterkunft für sie gefunden werden. “Wir wissen nicht, wie viele Menschen noch in Vorarlberg ankommen werden. Bisher ist die Station in Nenzing das einzige Auffangzentrum im Land. Ein weiteres ist bisher nicht geplant”, erläutert der Landesrat.

Bei der polizeilichen Registrierungsstelle werden die Daten der Geflüchteten in das Fremdenregister aufgenommen.
Bei der polizeilichen Registrierungsstelle werden die Daten der Geflüchteten in das Fremdenregister aufgenommen.

Hilfe wird noch immer benötigt

“Bisher wurden in Vorarlberg 1176 kriegsvertriebene Menschen aus der Ukraine behördlich erfasst (Stand vom Freitagvormittag, Anmerkung der Redaktion)”, berichtet Christian Gantner. Die Flüchtlinge sind in verschiedenen Quartieren 60 Gemeinden untergebracht. An dieser Stelle spricht der Landesrat ein großes Lob und verdienten Dank an die Bevölkerung für die bisher geleistete Unterstützung aus. Über 1,2 Millionen Euro an Spendengeldern sind bisher auf das Konto der Aktion “Vorarlberg hilft” eingegangen.

Spenden werden nach wie vor online unter www.vorarlberghilft.at, dem Roten Kreuz und der Caritas angenommen. Auch Sachspenden können weiterhin getätigt werden. “Wir bitten allerdings darum, diese bei den üblichen Sammelstellen der Caritas bzw. bei den Gemeinden abzugeben und nicht hier im Auffanglager”, betonen die Organisatoren. Wer sonst Hilfeleistungen anbieten möchte, kann sich per E-Mail an hilfe.ukraine@vorarlberg.at wenden.

Etwa 20 Unterkünfte werden täglich über die Vorarlberger Registrierungsstelle gemeldet, wie Christian Gantner erfreut feststellt. Diese würden dringend benötigt. Und der Landesrat weist noch einmal auf das Online-Formular der Regierung unter www.vorarlberg.at/unterkunft hin. Hier können Privatpersonen, die Flüchtlingen eine Unterkunft bereitstellen wollen, eine solche ganz unkompliziert registrieren.