Ukraine – Kiew fordert humanitären Korridor für Mariupol

21.04.2022 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ukraine - Kiew fordert humanitären Korridor für Mariupol
AP

Die ukrainische Regierung hat von Russland für das eingekesselte Stahlwerk Asowstal in der Hafenstadt Mariupol einen humanitären Korridor gefordert. “Dort befinden sich gerade etwa 1000 Zivilisten und 500 verwundete Soldaten. Sie müssen alle heute aus Asowstal herausgeholt werden!”, schrieb Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram.

Sie rief “die Welt” dazu auf, alle Anstrengungen jetzt auf das Stahlwerk zu konzentrieren. “Das ist jetzt der Schlüsselpunkt und der Schlüsselmoment für die humanitären Bemühungen”, betonte Wereschtschuk.

Kurz zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu die Anordnung gegeben, das Gelände des Stahlwerks nicht zu stürmen. “Blockiert diese Industriezone so, dass nicht einmal eine Fliege rauskommt”, ordnete der Kremlchef an. Die ukrainischen Kämpfer sollten die Waffen niederlegen, dann werde ihnen das Leben garantiert.

Die südostukrainische Hafenstadt Mariupol ist kurz nach Beginn des seit zwei Monaten dauernden russischen Angriffskrieges seit Anfang März von russischen Truppen eingeschlossen. Mehrere Versuche einer geordneten Evakuierung von Zivilisten ins Regierungsgebiet schlugen fehl.

Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben die Kleinstadt Kreminna im Osten der Ukraine eingenommen, die zuvor von der ukrainischen Armee in eine Befestigungsanlage verwandelt worden war. “Durch schneidiges und aufeinander abgestimmtes Handeln der Sturmtruppen ist es gelungen, schwere Zerstörungen von Objekten der städtischen Infrastruktur zu vermeiden”, teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag mit.

Daneben berichtete der Generaloberst über den intensiven Beschuss von Zielen in der Ukraine. So habe die russische Luftwaffe in der Nacht 20 Angriffe gegen Truppenansammlungen und Militärtechnik geflogen. Raketenstreitkräfte und Artillerie wiederum hätten 1001 Militärobjekte in der Ukraine beschossen, darunter Kommandopunkte, Artilleriestellungen und Truppenansammlungen. Von der russischen Luftabwehr sei eine ukrainische Rakete des Typs Totschka-U abgefangen worden, teilte Konaschenkow zudem mit.

Von unabhängiger Seite konnten diese Berichte nicht überprüft werden. Allerdings hatte es in den Tagen zuvor auch schon von ukrainischer Seite Berichte gegeben, dass die Stadt Kreminna gefallen sei.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und seine dänische Kollegin Mette Frederiksen sind am Donnerstagmorgen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingetroffen. Das teilte die spanische Regierung mit. Die beiden Regierungschefs wollten sich demnach zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Sánchez hatte am Mittwoch erklärt, er wolle Selenskyj den “uneingeschränkten Einsatz der Europäischen Union” und Spaniens “für den Frieden” übermitteln Dänemark sagte der Ukraine die Lieferung von mehr Waffen zu.