Was ein Chirurg beim Fliegen lernt

Heimat / 29.04.2022 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Rettungsteam: Flugretter Johannes Stoiser, Pilot Chris Brandner und Notarzt Johannes Eibensteiner.<span class="copyright">HAB</span>
Das Rettungsteam: Flugretter Johannes Stoiser, Pilot Chris Brandner und Notarzt Johannes Eibensteiner.HAB

Schenk Air: Von der Piste zur operativen Versorgung.

Schruns Es stellt sich die Frage, warum ein erfolgreicher Chirurg auch Flugunternehmer wird.

Für Dr. Christian Schenk war es eine logische Ergänzung zu seiner chirurgischen Tätigkeit in Schruns: „Ich kann damit Patienten aus ganz Europa in meine Klinik bringen.“ In weiterer Folge ist dann die Stationierung in Ischgl gekommen. Der damalige Betriebsleiter hat ihn eingeladen, einmal mit dem Hubschrauber zu kommen. Daraus ist eine mittlerweile schon Jahre andauernde, gute Zusammenarbeit entstanden. Und deshalb ist während des Winters auch ein Hubschrauber in Ischgl in einem modernen Hangar im Skigebiet stationiert. Diese Maschine wird von der Tiroler Leitstelle auch zu anderen Einsatzorten geordert. Das gilt ebenfalls für den in Schruns stationierten Hubschrauber, der über die RFL in Feldkirch angefordert werden kann.

Der Zeitfaktor entscheidet

In Ischgl wird bei einem schweren Skiunfall entschieden, wohin der Patient nach der Erstversorgung verlegt wird. Entscheidend ist immer die Schnelligkeit des Einsatzes. Durch den raschen Hubschraubertransport von der Piste in das Sanatorium können zum Beispiel Trümmerbrüche, meistens arthroskopisch, sofort versorgt werden. Dadurch können die stationären Tage in der Klinik im Verhältnis eins zu sieben gesenkt werden, wie Christian Schenk erklärt. „Meinen Mitarbeitern und mir geht es in erster Linie um das Wohl des Patienten und nicht primär um das Geld. Für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn Menschen wieder aufrecht und gesund aus meiner Klinik gehen. Ich mache keinen Unterschied, ob ein Ski-Weltmeister, ein VIP oder ein Landwirt aus dem Silbertal zu mir kommt, von dem ich weiß, dass er mich vielleicht ‚nur‘ mit Brombeeren bezahlen kann.“

Christian Schenk ist allerdings nicht nur Arzt, sondern auch Pilot. Er fliegt gern selbst und verfügt sowohl über die Berufspilotenlizenz als auch über die Linienpilotenlizenz und hat selbst einige schwierige Einsätze durchgeführt.

Dr. Christian Schenk.
Dr. Christian Schenk.

Heikle Situationen

Rettungseinsätze können sich nicht nach dem Wetter richten, wie zum Beispiel ein Winter am Arlberg gezeigt hat. Der Chirurg erinnert sich an einen Rettungseinsatz, damals noch ohne Rettungswinde, bei dem er eine Schwebelandung bei Pulverschnee durchführen musste. Ein anderes Mal wurde er am Hochjoch vom Nebel überrascht. Als eine weitere äußerst heikle Situation hat sich im Winter eine Landung zur Bergung eines Verletzten bei totalem Whiteout entwickelt. Bei einem Whiteout verschwimmen durch die schlechte Sicht alle Konturen und nur mit großer Erfahrung kann dann noch eine Landung durchgeführt werden. Bisher verliefen all seine Einsätze ohne Unfall. Allerdings erinnert sich Schenk noch ungern an einen schrecklichen Vorfall, bei dem ein Flugretter wegen eines technischen Fehlers an einem Hubschrauber der Schenk Air sein Leben verlor.

800 bis 900 Einsätze

Ständiges Training erhöht die Flugsicherheit. Daraus ergibt sich auch die Forderung, dass ständig trainiert wird: „Wir legen großen Wert auf die permanente Ausbildung unserer Mannschaften“, betont Chrsitian Schenk. „Mir hat die Beschäftigung mit dem Hubschrauber auch für meine operative Tätigkeit viel gebracht. Genauigkeit ist in beiden Fällen unerlässlich.“ Und so kommt es, dass die Schenk Air jährlich zwischen 800 und 900 Einsätze durchführt. HAB