Wie St. Anton energieautonom werden will

Heimat / 13.05.2022 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Rahmen der Dachsanierung der Schule bzw. des Gemeindesaals in St. Anton i. M. soll eine Fotovoltaikanlage installiert werden.<span class="copyright">Privat</span>
Im Rahmen der Dachsanierung der Schule bzw. des Gemeindesaals in St. Anton i. M. soll eine Fotovoltaikanlage installiert werden.Privat

Die Montafoner Gemeinde sieht die Zukunft im Sonnenstrom.

St. Anton i. M. St. Anton will energieautonom werden. Das hat man sich im Rahmen des Projekts der e5-Gemeinden auf die Fahne geschrieben. „Wir haben uns mit der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg (AEEV) zusammengetan und mögliche Lösungen erörtert“, berichtet Bürgermeister Helmut Pechhacker.

Da kamen die Verzögerungen, die sich bei der Sanierung des Daches der Schule bzw. des Gemeindesaals aufgrund der Coronapandemie ergeben hatten, gerade recht. Nun soll im Zuge der Sanierungsarbeiten auch gleich eine Fotovoltaikanlage installiert werden.

Mehrfach investiert

„Die Finanzierung der Anlage haben wir selbstverständlich im Gemeinderat diskutiert. Schließlich haben wir uns für eine Bürgerbeteiligung entschieden“, erzählt Helmut Pechhacker.

Für jedes der 160 Module der insgesamt 490 Quadratmeter großen Fotovoltaikanlage wird ein Sonnenschein ausgegeben. Die Bürgerinnen und Bürger können diese Scheine für je 500 Euro erwerben und so nicht nur in die Anlage investieren. Mit den laufenden Erträgen aus der Ökostromproduktion werden bereits ab dem ersten Betriebsjahr jährlich 60 Euro in Form von Einkaufsgutscheinen der Wirtschaft Montafon oder 55 Euro in bar für die Dauer von zehn Jahren an die Inhaberinnen und Inhaber der Sonnenscheine ausgezahlt. „Das entspricht einem Zinssatz von rund 3 bzw. über 1,5 Prozent“, betont der Bürgermeister.

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Bürgermeister Helmut Pechhacker: „Die Aktion kommt sehr gut an.“jun

Damit bietet die Gemeinde nicht nur eine einfache und lohnende Möglichkeit, um einen wirksamen Beitrag für die Energieautonomie zu leisten. Mit der Rückzahlung in Form von Gutscheinen will man darüber hinaus die lokale Wirtschaft stärken.

Attraktivität steigern

95.000 Kilowattstunden soll die Anlage jährlich erzeugen und damit nicht nur den Strombedarf des Gebäudes decken, wie der Gemeindevorstand erklärt: „Wir wollen mit dem überschüssigen Strom noch weitere Gebäude der Gemeinde versorgen.“ Das sei jedoch nur der Anfang. In einem Modellversuch wolle man nämlich prüfen, wie eine Einspeisung von überschüssigem Strom ins Netz möglichst profitabel abgerechnet werden kann. „Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern eine lohnende Möglichkeit bieten, einen wirksamen Beitrag zur Energieautonomie unserer Gemeinde beizutragen“, sagt Helmut Pechhacker. Ziel sei es, dass künftig private Fotovoltaikanlagen möglichst nicht mehr nur auf den Eigenverbrauch eines Hauses ausgelegt werden, sondern die zur Verfügung stehende Fläche bestmöglich genutzt werde.

Große Nachfrage

Noch bis zum 16. Mai können Sonnenscheine erworben werden. Pro Person werden maximal drei abgegeben. Für weitere kann man sich anmelden. Nach Ende der Aktion werden die restlichen Scheine an die eingetragenen Interessenten abgegeben. „Allerdings kommt die Aktion sehr gut an. Täglich werden neue Anträge im Gemeindebüro abgegeben“, freut sich der Bürgermeister und bezweifelt, dass viele Sonnenscheine überbleiben, wenn überhaupt.