Inflation drückt leicht auf den Hunger nach Erdbeeren

06.06.2022 • 09:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Inflation drückt leicht auf den Hunger nach Erdbeeren

wien Michael Habeler aus Wiesen (Bgld.) hat derzeit mit der Haupternte seiner Erdbeeren alle Hände voll zu tun, eine Woche bis zehn Tage dauert der Vollbetrieb noch an. Nachfrage und Ernte sind gut, aber das Kaufverhalten der Konsumenten ist ein anderes geworden: Sie sparen. “Das ist etwas was man relativ stark merkt, ab Monatsmitte bis Monatsende wird es weniger”, so Habeler. Es sei ja schließlich auch ein “Luxusgut”.

So schlecht wie in Deutschland, wo die Bauern Teile ihrer Ernte wegen Absatzproblemen einackern oder verrotten lassen, sei es aber – zumindest in seiner Region – nicht: “Wir bringen die Ware weg”. Und Erntehelfer habe er auch genug. “Das ist Stammpersonal, die sind seit zehn Jahren bei uns”, sagte er zur APA.

Der Handelskonzern Spar hingegen merkt noch keine Kaufzurückhaltung bei Erdbeeren, bei Spargel zu einem geringen Ausmaß. Dieser ist aber an sich schon ein höherpreisiges Produkt, das sich noch einmal verteuert hat, so Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Es sei aber grundsätzlich ein deutlicher Trend zu günstigeren Produkten zu beobachten. Die Eigenmarke “S-Budget” von Spar habe in den vergangenen Monaten um zwölf Prozent zugelegt und damit bei den Wachstumsraten die Bioprodukte überholt. Von den hohen Zuwachsraten der Biomarken in den zwei Jahren zuvor sei man jedenfalls weit entfernt.

Aus dem Landwirtschaftsministerium hieß es, dass am vergangenen langen Wochenende eine Kaufzurückhaltung bemerkbar gewesen war, viele Österreicherinnen und Österreicher seien im Ausland gewesen. Danach habe man eine Trendumkehr bemerkt. Grundsätzlich mache sich der fehlende Städtetourismus bemerkbar, insbesondere bei Spargel, der großteils auswärts verzehrt werde.

Die Zurückhaltung bei hochpreisigen Produkten treffe aufgrund der Inflation generell zu. Bei Erdbeeren und Spargel sei der Rückgang in Österreich im Vergleich zu Deutschland aber nicht so stark spürbar. “Es gibt auch eine gute Vertragstreue zwischen Handel und Landwirtinnen und Landwirten”, so das Ministerium. Außerdem sei die Direktvermarktung nicht in gleicher Weise vom Rückgang betroffen wie der Handel. “Viele Konsumenten sind während der Pandemie beim Einkauf zu Direktvermarktern gewechselt”, gibt das Landwirtschaftsministerium zu bedenken.

Das heurige Wetter biete jedenfalls die richtigen Bedingungen, sodass mit einer guten Erntemenge mit hohen Qualitäten zu rechnen sei. Erdbeeren werden in Österreich auf einer Fläche von rund 1.200 Hektar angebaut (1 Hektar sind 10.000 Quadratmeter), knapp 400 Betriebe haben zuletzt rund 14.000 Tonnen geerntet. Beim Spargel beträgt die Anbaufläche 747 Hektar, die Erntemenge 2021 lag bei ca. 2.500 Tonnen.