So fährt sich dieses Rennauto mit Straßenzulassung

Mobilität / 14.08.2022 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rundstreckenrennauto mit Straßenzulassung: Der 718 Cayman GT4 RS ist die Krönung der Mittelmotorsportwagen-Baureihe. <span class="copyright">VN/Beate Rhomberg</span>
Rundstreckenrennauto mit Straßenzulassung: Der 718 Cayman GT4 RS ist die Krönung der Mittelmotorsportwagen-Baureihe. VN/Beate Rhomberg

Familienoberhaupt als Alphatier: Porsche krönt die Cayman-Baureihe mit einer kompromisslosen Fahrmaschine.

Schwarzach Was sich akustisch abspielt, wenn der hochdrehende Sechszylinder-Boxermotor auf Ohrenhöhe ansaugt, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Man würde sie auch gar nicht hören.

Das Saugaggregat ist mittig in der flachen Flunder angeordnet und brüllt gnadenlos mit ganzer Kraft, während die breiten 20-Zoller den Asphalt unter sich schier aufrollen. Gebaut für die Rennstrecke, hat Porsche die Cayman-Baureihe mit einem neuen Topmodell gekrönt, das dank Straßenzulassung auch im Alltagsverkehr bewegt werden darf. Erlaubt ist das freilich nur, wenn man höchst behutsam und dosiert mit der brachialen Leistung des Supersportlers umgeht.

Beeindruckendes Leistungsgewicht: Leichtbau und hochdrehender Saugmotor.
Beeindruckendes Leistungsgewicht: Leichtbau und hochdrehender Saugmotor.

Leistungsgewicht ist das Zauberwort, das mit 2,83 Kilogramm je PS, schon am Papier Ehrfurcht gebietet. Porsche hat dem 718 Cayman GT4 RS den aus dem Rennwagen 911 GT3 Cup bekannten Hochdrehzahl-Saugmotor eingepflanzt. Aus baulichen Gründen sind dabei zwar zehn der 510 PS verloren gegangen, gleichzeitig sind aber auch die Pfunde gepurzelt. Die Diät ist beachtlich. Vollgetankt wiegt der Zweisitzer lediglich 1415 Kilogramm, was gepaart mit dem bekannten Rennstrecken-Know-how des Herstellers wesentlich für die außergewöhnliche Leistungsperformance ist.

Innen: Sportwagencockpit, Überrollbügel und Hosenträgergurte.
Innen: Sportwagencockpit, Überrollbügel und Hosenträgergurte.

Konsequenter als bei diesem Sportwagen kann man Leichtbau kaum betreiben. Das geht in Details bis an die Grenzen. So besteht die Heckscheibe aus Leichtbauglas, statt Türgriffen gibt es textile Öffnerschlaufen, die kaum vorhandenen Ablageflächen bestehen aus Netzen und selbst die Teppiche sind in Leichtbauweise hergestellt. Carbonfaserverstärkter Kunststoff ziert Fronthaube und Kotflügel, Dämmmaterial wurde großzügig weggelassen. Das alles hat seinen Preis: Der Komfort bleibt bei diesem reinrassigen Rennauto auf der Strecke. Und trotzdem lässt sich der GT4 RS mit dem mächtigen, feststehenden Heckflügel ganz manierlich im Straßenverkehr bewegen. Mit den ersten Serpentinen der Passstraße lohnt es sich, die Sporttaste zu drücken. Hier ist der scharfe Schwabe ganz in seinem Element und lässt in Ansätzen erahnen, wozu er auf der Rundstrecke im Stande wäre.

Feststehender Heckflügel mit Schwanenhalsanbindung.
Feststehender Heckflügel mit Schwanenhalsanbindung.

3,4 Sekunden auf Tempo 100, 10,9 Sekunden bis zur 200er-Marke und eine Höchstgeschwindigkeit von 315 km/H – so jedenfalls steht es auf dem Datenblatt. Gefühlt tritt einem jemand brutal in den Rücken, wenn das Leichtgewicht davonstürmt: quasi ein bisschen Helene Fischer und atemlos. Beeindruckender ist nur, wie standhaft das Rennfahrzeug mit Straßenzulassung den Fliehkräften in den Kurven trotzt. Der 718 GT4 RS pickt regelrecht am Asphalt und beweist sich als höchst fahrbar.

Nordschleife in 7:04 Minuten

Kofferraum? Ja den hat er auch. Da geht sogar ein bisschen was rein. Viel muss aber auch nicht, weil freiwillig spult mit diesem reinrassigen Sportwagen niemand unnötige Reisekilometer ab. Freilich könnte er schon auf den eigenen Vieren zur nächsten Rennstecke, etwa zum Nürburgring gelangen. Dort würde er dann, wenn man es so gut könnte wie Markenbotschafter Jörg Bergmeister, die 20,6 Kilometer lange Nordschleife in 7:04 Minuten umrunden. An der dafür notwendigen Mitgift wie Überrollbügel und Hosenträgergurten mangelt es jedenfalls schon in der Serienausstattung nicht.

Porsche 718 Cayman GT4 RS

Motor/Antrieb 6-Zylinder-Boxer- motor, 4l Hubraum, 500 PS, 450 Nm, PDK-Automatikgetriebe, Heckantrieb

Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 3,4 Sek; Spitze 315 km/H, 12,3 l Verbrauch (281 g CO2/km)

Preis ab 196.701 Euro; Testwagen: 245.250 Euro