“Es ist ein befreiendes Gefühl”

15.09.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Edin Bereuter

Lia Hartl ist von klein auf leidenschaftlich begeistert für Poetry Slam.

Dornbirn In den letzten Sekunden vor dem Auftritt, während sie die Scheinwerfer in den Mittelpunkt rücken und Tausende von Zuschauern still auf den Anfang der Aufführung warten, überwiegt bei Lia Hart die Nervosität. “Wenn ich dann aber mit dem Vortragen meines Textes beginne, denke ich an nichts mehr”, schildert sie. Die 16-Jährige tritt seit drei Jahren auf Poetry-Slams auf. Das sind literarische Wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer fünf bis sechs Minuten Zeit haben, um den eigenen Text zu präsentieren. Es darf sich reimen, muss es aber nicht. Die Jury, welche dann die Texte und die Präsentation mit einer Punktevergabe von eins bis zehn bewertet, wird im Publikum ausgewählt.

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Beate Rohmberg

Schreiben als Therapieform

Mit elf Jahren hat Hartls Vater sie zum ersten Poetry Slam mitgenommen. “Ich war überrascht und fasziniert von den Leuten dort”, erinnert sie sich. “Ich habe davor schon Tagebuch geschrieben. Aber danach habe ich immer wieder versucht zu reimen, oder die Texte etwas nachzuahmen.” Bis sie dann bei einem Schulbasar, bei dem es eine Kleinkünstlerbühne gab, auf der die Schüler ihre Hobbys präsentieren konnten, ihren ersten Text zum Besten gab. Da war Lia Hartl 13 Jahre alt. “Meine Lehrerin hat mich anschließend mit Ines Strohmaier in Verbindung gesetzt. Sie ist eine der Organisatorinnen der Slams in Vorarlberg.” Kurze Zeit später nahm Lia Hartl an ihrem ersten richtigen Wettbewerb teil.

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Edin Bereuter

Das Schreiben ist für die junge Schülerin eine Art Therapie. “Ich schreibe meistens, wenn es mir schlecht geht oder mich etwas beschäftigt”, erzählt sie. Sie versucht dadurch einige Sachen, mit denen sie im Leben konfrontiert wird, zu verarbeiten. Darunter formuliert sie Texte über Geschlechtervorurteile, Sexualisierung, Umwelt oder Kummer, der sie im Moment plagt. “In vielen Gedichten geht es um die Liebe. Mehr, wie ich es eigentlich will”, schmunzelt sie. Lia schreibt meistens einfach los, ohne jegliche Gedanken. Im Anschluss geht sie über ihre Werke und formuliert sie aus. Danach überlegt sie, wie sie den Entwurf eindrucksvoll auf der Bühne inszenieren kann. “Ich finde, es ist ein befreiendes Gefühl, wenn das, was ich geschrieben habe, auf einmal Platz bekommt und die Leute zuhören.”

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Lukas Gabriel

Großes Debüt

Die Rankweilerin hat schon fünf Auftritte hinter sich. Am 15. September findet wider der Poetry Slam nach zehn Jahren in Vorarlberg statt. Teilnehmer aus ganz Österreich nehmen an den Meisterschaften teil, auch Lia. “Ich habe zwei Texte vorbereitet. Je, nachdem, wie ich mich an dem Tag fühle, werde ich mich für einen entschieden”, schildert sie. Im einen geht es um die Gesellschaft, Umwelt und die perfekte Welt im Social Media. Im anderen über Geschlechterklischees, vor allem im jungen Alter. “Ich freue mich aber auf eine schöne Zeit und darauf neue Menschen kennenzulernen und mich inspirieren zu lassen.”

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