So könnte Cannabis gegen Krebs helfen

20.10.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dr. Christine Heinzle vom VIVIT Dornbirn untersucht die Wirkungsweise von Cannabis-Extrakten auf Krebszellen.  <span class="copyright">FA</span>
Dr. Christine Heinzle vom VIVIT Dornbirn untersucht die Wirkungsweise von Cannabis-Extrakten auf Krebszellen.  FA

Vorarlberger Forschungsprojekt zur Krebsbehandlung: Erste Ergebnisse liegen vor.

Dornbirn, Bludenz David Schmidmayr, Gründer und Inhaber des Instituts Sanlight Research, ist Spezialist auf dem Gebiet der Controlled Environment Agriculture (CEA), auf gut deutsch: Landwirtschaft in kontrollierter Umgebung. Für die Forschungskooperation mit dem molekularbiologischen Labor des VIVIT in Dornbirn stellt er jene Pflanzen bereit, deren Extrakte in der Krebszellbehandlung zum Einsatz kommen könnten. „Das VIVIT verfügt über die medizinische Wissenschaftskompetenz und wir bei Sanlight Research über die ökologische. Das ist eine einzigartige und starke Kombination“, freut sich Schmidmayr über die Präsentation der ersten Ergebnisse des Kooperationsprojekts.

Die beiden promovierten Krebsforscherinnen Dr. Christine Heinzle und Dr. Kathrin Geiger verantworten gemeinsam die Forschungskooperation mit Sanlight Research. Nach rund drei Jahren Aufbauarbeit und dem ungeplanten Einsatz in den letzten zwei Jahren in der Coronavirus-Diagnostik haben sie nun erste Ergebnisse vorliegen.

Pflanzenwirkstoffe im Test

Derzeit laufen am VIVIT Studien mit Magen- und Darmkrebszellen in Kombination mit Cannabis-Extrakten. Neben den herkömmlichen Magen- und Darmkrebszelllinien wurden am VIVIT auch Krebszellen gezüchtet, welche resistent gegen Chemotherapeutika sind. Warum das wichtig ist, erklärt Heinzle: „Krebszellen sind genetisch instabil und mutieren ständig. Das ist eine ihrer Überlebensstrategien und macht die Behandlung auch so schwierig. Die Mutationen bestimmen den Therapieerfolg und können leider auch zu Therapieresistenzen führen. Resistente Tumore sind oft sehr schwer zu behandeln, was für den Patienten fatal sein kann.“

„VIVIT verfügt über medizinische Wissenschaftskompetenz und wir über ökologische.“

David Schmidmayr
Geschäftsführer und Gründer Sanlight Research

Eine geplante Studie, in der die resistenten Krebszellen mit Pflanzenwirkstoffen behandelt und untersucht werden, soll neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern. Als Basis für die Untersuchung dienen die Pflanzen, die von Schmidmayr in seinem Kultivierungslabor in Bludenz gezüchtet werden. „Für solche Versuchsreihen ist es wichtig, immer Pflanzen zur Verfügung zu haben, die dieselbe Genetik aufweisen. Dazu bedarf es neben einer aufwändigen Laborausstattung vor allem der Erfahrung im Umgang mit Pflanzen und deren Umgebung“, so Schmidmayr.

Ergebnisse stimmen positiv

Die aktuell vorliegenden Ergebnisse der ersten Versuche stimmen durchwegs positiv. „Die Dosis-Wirkungs-Kurve zeigt, dass sich das Cannabis-Extrakt negativ auf das Wachstum der Krebszelle auswirkt. Außerdem wird durch Zugabe des Cannabis-Extrakts die Fähigkeit der Anheftung und Kolonienbildung, beides wichtige Eigenschaften bei der Entstehung von Metastasen, beeinträchtigt. Zudem wird durch das Cannabis-Extrakt der natürliche Selbstvernichtungsmechanismus der Krebszelle, die sogenannte Apoptose, stimuliert“, erklärt Heinzle die ersten Erkenntnisse. Weitere Versuchsreihen sind bereits in Planung.

Stichwort

VIVIT-Labor

Im molekularbiologische VIVIT-Labor (Vorarlberg Institute for Vascular Investigation and Treatment). 2005 in Dornbirn eingerichtet, ist Teil des gleichnamigen Instituts mit Sitz am Landeskrankenhaus Feldkirch, wurde 1997 von Heinz Drexel, bis Ende 2016 Primararzt für Innere Medizin am LKH Feldkirch, gegründet. Im Labor arbeitet ein kleines Team von Wissenschaftern und Wissenschafterinnen. Neben der Durchführung von klinischen Studien betreibt das Institut auch Grundlagenforschung in unterschiedlichen Themenbereichen. Finanziert wird das VIVIT aus öffentlichen Geldern, Spenden und Einnahmen aus Studien.

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