„Die Schwarzarbeit im Land ist die Steuerrebellion des kleinen Mannes“

Markt / 09.10.2014 • 22:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Prof. Friedrich Schneider sprach gestern Abend nach seinem Besuch in der VN-Redaktion vor den Gästen der KMU-Preisverleihung.  Foto: VN/PS
Prof. Friedrich Schneider sprach gestern Abend nach seinem Besuch in der VN-Redaktion vor den Gästen der KMU-Preisverleihung. Foto: VN/PS

Professor Friedrich Schneider über seine Monopolstellung als Pfusch-Experte.

Schwarzach. (VN) Friedrich Schneider hat es mit einem Thema zu Bekanntheit gebracht, um das die meisten Ökonomen einen großen Bogen machen: Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Für sein Tun wurde der Referent der gestrigen KMU-Preisverleihung unlängst zu Österreichs einflussreichstem Ökonomen gewählt. Macht das einen, der ohnehin schon zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden sein Eigen nennen kann, stolz? „Ja, natürlich freut es mich, die Nummer eins in Österreich und die Nummer sieben in Deutschland zu sein“, so Schneider. Pfusch sei in der Öffentlichkeit ein beliebtes Thema, und es eben auch wichtig, dass darüber gesprochen werde. Dennoch, für den Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität in Linz ist Schwarzarbeit kein Kavaliersdelikt, auch wenn sie von vielen Menschen als solche gesehen wird. Nach der neuesten Umfrage zeigen 56 Prozent der Österreicher dafür Verständnis, 34 Prozent sind auch selber bereit, schwarz zu arbeiten. Kaum jemand würde Pfusch überhaupt erst anzeigen.

Elektroarbeiten, Autoreparaturen, Schönheitspflege und Massagen sowie Tätigkeiten rund um Haus und Garten und die Nachhilfe stehen beim Pfusch besonders hoch im Kurs. Knapp ein Drittel der Österreicher würde eine Pflegekraft ohne Anmeldung einstellen. Nach dem Wert berechnet, werden zwei Drittel der Schwarzarbeit von Menschen „im Nebenerwerb“ zusätzlich zu einer offiziellen Tätigkeit geleistet. 16 Prozent gehen auf organisierte Kriminalität, 17 Prozent auf Arbeitslose und Frühpensionisten zurück. Anders gerechnet geht Schneider davon aus, dass 35 Prozent des Pfusches offizielle Arbeit verdrängt, 40 Prozent würde zum offiziellen Preis nicht nachgefragt, 25 Prozent ist Selbsthilfe („do-it-yourself“).

Fast acht Prozent Plus

Und der Anteil der Schattenwirtschaft an der gesamten Wirtschaftsleistung (BIP) wird nach Schneiders Einschätzung in diesem Jahr steigen, von 7,52 Prozent auf 7,84 Prozent. In absoluten Beträgen entspricht das einem Plus von 1,1 Mrd. Euro auf 20,43 Mrd. Euro. Während jeder, der pfuscht oder pfuschen lässt, gewinnt, ist der Staat großer Verlierer, durch Ausfälle bei der Sozialversicherung von 2 bis 3,5 Mrd. Euro. Die Steuerverluste halten sich hingegen nach Einschätzung Schneiders „in Grenzen, da das schwarz verdiente Geld sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben wird“. Die Krankenversicherungen verlieren, weil sie die Kosten für zusätzliche Unfälle bzw. Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher tragen müssen.

„Kalte Progression“

Schneider sieht den Hauptgrund für Schwarzarbeit in der kalten Progression. „Die Politik unterschätzt die Wut der Bürger. Wenn jede Lohnerhöhung zur Hälfte oder zu zwei Drittel aufgefressen wird, bleibt nicht einmal ein Leberkässemmel übrig und das macht die Leute narrisch“, ist er überzeugt. Die Reaktion der Menschen sei dann eben auch die Schwarzarbeit. „Der Pfusch ist die Steuerrebellion des kleinen Mannes“, erklärt er. Darum hätten die Menschen auch kein Unrechtsbewusstsein und man dürfe sich nicht wundern, dass der Anteil der Schwarzarbeit weiter steige. Und seitens der Politik geschehe nichts. Dass man die Steuerreform erst 2016 angehe, verstehe er nicht. „Das ist der größte Fehler der Regierung, dass man nicht zumindest ab 1. 1. 2015 die „kalte Progression“ abschafft. Das würde jeder spüren und der Bevölkerung zeigen, die nehmen uns ernst.“

Großteil am Bau

Schattenwirtschaft spielt sich insbesondere in Baugewerbe und Handwerksbetrieben (39 Prozent) ab. Haushaltsnahe Dienstleistungen wie Nachhilfe oder Babysitten zeichnen für 17 Prozent der Schwarzarbeit verantwortlich. Jeweils 16 Prozent rechnet Schneider dem Bereich Kfz/Maschinen bzw. Hotels/Gaststätten zu. Die restlichen 12 Prozent sieht er in der Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche. In Österreich gibt es laut Schneider zwischen 800.000 und eine Million Schwarzarbeiter.

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Friedrich Schneider

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Friedrich Schneider

Zur Person

Friedrich Schneider

Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre Johannes Kepler Universität Linz

Geboren: 16. Februar 1949

Ausbildung: Studium Volkswirtschaftslehre in Konstanz

Laufbahn: wissenschaftlicher Assistent am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Zürich, Associate Professor an der Universität Aarhus in Dänemark, diverse Gastprofessuren