Eine ökosoziale Marktordnung in ganz Eurasien

Vorarlberg / 01.05.2015 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

An dieser Stelle hätte heute meine am vergangenen Dienstag unerwartet verstorbene Journalistenkollegin und gute Freundin Marianne Mathis kommentiert. Sie hat sich zeitlebens für Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt, für die Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und für eine globale, Frieden sichernde Ressourcen- und Energiewende, die nur in einer aufgeklärten, interessierten und sensibilisierten Zivilbevölkerung entstehen kann, beginnend in kleinen Regionen wie Vorarlberg, wo die Umwelt nicht zuletzt aufgrund ihres unermüdlichen Aktionismus‘ wieder belebt und regionale Wertschöpfung gelebt wird. Marianne Mathis initiierte und realisierte österreichisch-weißrussische Projekte zur Nutzung eigener erneuerbarer Energiequellen wie Sonne, Wind, Erdwärme, Holz und Biogas. Der Erhalt und die Wiederherstellung von Naturkreisläufen mithilfe von Forschung und Entwicklung und mittels technischer Innovationen für Recycling und effiziente Nutzung von Abfallprodukten wird für uns alle überlebenswichtig.

Der Klimawandel schlägt allerorts zerstörerisch zu. Das auf rücksichtsloser Ausbeutung basierende transatlantische System des Finanzkapitalismus hat die Welt in ein Desaster verwandelt und sie mit Kriegen und Verwüstung überzogen. China unternimmt Anstrengungen, dem Smog und dem folgenschweren Pseudo-Wachstum durch Schattenbanken und Immobilienblasen den Rücken zu kehren. An der von China gegründeten Asien-Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) beteiligen sich 60 Nationen, auch Deutschland. Die USA sehen darin eine Bedrohung für die Bretton-Woods-Institutionen wie Weltbank und Währungsfonds. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte nicht nur die dreiste Einmischung der US-Republikaner in die Atom-Verhandlungen mit dem Iran, sondern warnte die USA auch eindringlich vor Waffenlieferungen in die Ukraine. Doch schweres Kriegsgerät ist längst auf dem Weg. Die NATO rüstet in Osteuropa massiv auf. Gleichzeitig verhandelt der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Waffendeals mit Scheichs in Abu Dhabi.

Dass Russland keinerlei Interesse an der Ukraine hat, sondern vielmehr an einer gemeinsamen Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung auf Augenhöhe mit Europa, wird der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt nicht müde zu betonen. An der Ural Federal University in Jekaterinburg rief Frank-Walter Steinmeier im Dezember 2014 den Studenten seinen sechs Jahre zuvor ausgesprochenen Satz ins Gedächtnis: „Wir leben in einer Zeit, in der nicht mehr die Zahl der Panzer und Raketen über die Stärke eines Landes entscheiden, sondern seine klugen Köpfe, die Anwendung von Wissen und die internationale Vernetzung.“ In einem engeren Dialog zwischen EU und Eurasischer Wirtschaftsunion könne das gemeinsame Wirtschaftspotenzial besser genützt und ein verständnisvoller Umgang miteinander erreicht werden. Ohne die Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland werde kein einziger Konflikt je zu lösen sein.

Als Zivilgesellschaft sind wir reich an Wissens- und Ideengebern. Wir sind gefordert, gemeinsam mit Mut, Innovationskraft, Gründer- und Unternehmergeist eine nachhaltige Wirtschaftsethik zu entwickeln, eine echte ökosoziale Marktwirtschaft als zukunftsfähiges Ordnungsmodell. Ein Modell, mit dem unternehmerische Freiheit, technischer Fortschritt, Chancengleichheit, Talentförderung, ein sich an der Humanität orientierender Handel und eine sich an Naturkreisläufen orientierende Ressourcen- und Energiewende in Einklang gebracht und realisiert werden können.

Die Wiederherstellung von Naturkreisläufen beginnt regional.

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