„Geht ums miteinander Reden“

Vorarlberg / 01.05.2015 • 21:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Harald Krassnitzer hat klare politische Meinungen.  Foto: VN/PS
Harald Krassnitzer hat klare politische Meinungen. Foto: VN/PS

Harald Krassnitzer vermisst an Europa ein partnerschaftliches Verhältnis zu Afrika.

Bregenz. (VN-mm) Noch schnell ein Bild für die Frau: Harald Krassnitzer war bei der Maifeier der SPÖ gestern Freitag ein begehrtes Fotomotiv. Der sympathische Schauspieler und Tatort-Kommissar ist aber ebenso ein überzeugter Sozialdemokrat. Dazu steht er felsenfest und bekennt sich auch dazu, ein politischer Mensch zu sein.

Wie politisch darf ein Schauspieler sein, und wie politisch ist Harald Krassnitzer privat?

Krassnitzer: Ich bin immer wieder erstaunt über diese Frage, weil ich das Gefühl habe, dass jeder Mensch in irgendeiner Form politisch ist, ab dem Zeitpunkt, wo er sich zu den Zuständen in seinem engeren oder weiteren Umfeld äußert oder versucht, innerhalb einer Gemeinschaft etwas zu gestalten. Insofern glaube ich schon, dass ich ein durchaus politischer Mensch bin. Was ich mit Sicherheit nicht bin: Ich bin kein Dogmatiker. Ich bin eher Pragmatiker. Ich habe im Laufe der Jahre erkannt, dass es oft weniger um Parteipolitik geht, als vielmehr um das miteinander Reden.

Sie engagieren sich auch humanitär. Wie empfinden Sie die Diskussion um die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer? Sind wir mitschuldig? Diese Frage wird oft aufgeworfen.

Krassnitzer: Diese Frage ist populärer Mist. Wir haben insofern einen Anteil, als wir diesen Kontinent als Rohstofflager sehen, aber nicht bereit sind, Afrika in eine Partnerschaft zu bringen. Das ist es, was ich an Europa vermisse. Wir werden solche Tragödien mit Sicherheit nicht verhindern, indem wir irgendwelche Boote abschießen oder noch mehr Kriegsschiffe hinschicken, um die Zugänge abzusperren. Sie werden mit allen Mitteln versuchen, sich den Traum von einer besseren Welt zu erfüllen.

Wie sozial schätzen Sie das Klima in Österreich ein?

Krassnitzer: Ich finde, wir haben ein sehr hohes soziales Klima. Wir machen uns mitunter keine Vorstellungen, was für wunderbare Leistungen und welch’ wunderbare Versorgung wir haben. Es gibt natürlich Bereiche, wo Dinge verändert und verbessert gehören. Aber wir dürfen das, was wir haben, nicht ständig madig reden. Österreich macht, so meine ich, auch eine durchaus gute Flüchtlingspolitik. Andererseits kommen immer wieder negative, ja sogar zynische Einwände. Wir sollten endlich beginnen, diese Menschen als das zu sehen, was sie sind, nämlich Menschen.

Zurück zu Ihrer eigentlichen Profession, der Schauspielerei. Sind Sie als Tatort-Kommissar auch ein „Tatort“-Fan?

Krassnitzer: Doch, schon, ich habe nur nicht immer die Zeit zum Fernsehschauen.

Haben Sie einen Lieblings-Tatort?

Krassnitzer: Nein, ich bin kein großer Fan von Rankings. Ich entscheide eher spontan.

Gibt es neue Pläne?

Krassnitzer: Ja, Pläne gibt es viele, aber man weiß nie, ob sie realisiert werden. Insofern redet man auch nicht gerne darüber.

Was wären Sie geworden, hätte es mit der Schauspielerei nicht geklappt? Politiker?

Krassnitzer: Nein, sicher nicht. Das ist ein äußerst schwieriger Beruf, und ich hätte wahrscheinlich nicht das Fell dafür, das auszuhalten, was Politiker manchmal aushalten müssen. Wahrscheinlich hätte ich etwas Handwerkliches gemacht.

Was gefällt Ihnen an Vorarlberg?

Krassnitzer: Mir gefällt, wie die Sozialpartnerschaft gepflegt wird. Auch die Wirtschaft hat offene Ohren für soziale Fragen.

Zur Person

Harald Krassnitzer

Geboren: 10. September 1960 in Grödig

Familie: verheiratet mit Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer

Laufbahn: Lehre als Speditionskaufmann, daneben Schauspielausbildung, Auftritte in Theater-, Film- und Fernsehproduktionen, seit 1998 Tatort-Kommissar Moritz Eisner, 2-facher Romy-Preisträger