Kaiserlicher Besuch und Kinderspiele

Kultur / 01.05.2015 • 20:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bildnis der Geschwister Plymouth, 1795. Fotos: Museum Chur, Tretter  
Bildnis der Geschwister Plymouth, 1795. Fotos: Museum Chur, Tretter  

Angelika-Kauffmann-Museum eröffnete Schau zu den Jahren der Malerin in Rom.

Christa Dietrich

Schwarzenberg. „Von einer gebohrnen  Unterthanin, die sich als Künstlerin in der Mahlerey so vorteilhaft auszeichnet . . .“ ließ Kaiser Joseph II. nach Erhalt zweier Historienbilder umgehend samt Geschenken an Angelika Kauffmann nach Rom senden. Zuvor hatte er selbst ihr Atelier in einem Palast in der Via Sistina besucht, dort die Porträts des Königs und der Königin von Neapel gesehen und der Malerin einen Auftrag erteilt. Die freie Wahl, die sie bezüglich des Motivs haben sollte, wurde dann mit dem Wunsch, auf Deutschland Bezug zu nehmen, eingeschränkt. Die Ölskizze des von Thusnelda gekrönten Hermann ist nun in der neuen Ausstellung im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg zu sehen. Für die Schau mit dem Titel „Residenz Rom“, in der die letzten Schaffensjahre thematisiert werden, kam das Werk als Leihgabe aus dem Ferdinandeum in Innsbruck.

Die Geschichte der kaiserlichen Auftragswerke hat einen Beigeschmack. Hitler ließ sie 1944 aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum in die Reichskanzlei nach Berlin bringen, wo sie nach dem letzten Stand der Forschung verbrannt sind.

Folgerichtig

Nachdem man in den letzten Jahren die Aufenthalte in Schwarzenberg sowie die für die große Karriere so entscheidenden Londoner Jahre der Malerin thematisiert hatte, erweist sich die erneut von einem Katalog begleitete Ausstellung als folgerichtig. Die 1741 in Chur geborene Künstlerin, deren Talent vom aus dem Bregenzerwald stammenden Vater Joseph Johann Kauffmann gefördert wurde, residierte in Rom, wo sie sich mit ihrem Mann Antonio Zucchi niederließ, als längst anerkannte Malerin. Belegt werden kann das einerseits durch Aufträge des Adels und andererseits durch Besuche der gebildeten Elite Europas. Während Kauff­manns Porträt von Goethe selbstverständlich in Weimar bleibt, haben sich die Schüler des BORG Egg mittels Animationsfilm mit dem Dichter und der Malerin auseinandergesetzt, die einander auf Augenhöhe begegneten.

Das Auftragswerk „Bildnis der Geschwister Plymouth als Amor und Psyche“, das aus Chur kommt, bereichert die Schau. Schlüssige Erläuterungen, wie es dazu kam, dass die beiden Kinder Liebende spielen, gibt es allerdings nicht.

Ihr ehrliches Selbstporträt, das wenige Jahre vor dem Tod im November 1807 entstand, betrachtet man ebenso gerne länger wie die König-Porträts, die sich das Vorarlberg Museum sichern konnte, nachdem ihr Vetter Johann den Nachlass verwaltete, für den sich auch das Ferdinandeum bald zu interessieren begann.

Kauffmann-Selbstbildnis um 1802.
Kauffmann-Selbstbildnis um 1802.

Geöffnet im Kauffmann-Museum in Schwarzenberg bis 15. Oktober, Di bis So, 10 bis 17 Uhr. Während der Schubertiade täglich.