Kinder und ­Jugendliche in Traiskirchen

Leserbriefe / 01.05.2015 • 20:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Nach 1945 organisierte die Caritas den Aufenthalt von 5500 hungerbedrohter österreichischer Kinder bei Gastfamilien in Portugal. Die zurückgebliebenen Eltern sorgten sich, die Kinder würden wegen der Sprachbarriere ihre Bedürfnisse nicht artikulieren. Die Caritas beobachtete und dokumentierte den Sprachaspekt sehr genau. Die überwiegende Mehrzahl der Kinder beherrschte die Landessprache nach drei Monaten, die älteren nach einem halben Jahr! Im Flüchtlingslager Traiskirchen befinden sich derzeit 900 unbegleitete Kinder und Jugendliche, für die es kaum Lern- oder andere sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. Und ihre Zahl wird steigen. Trotz des Wachsens der Zahl der von Armut Gefährdeten gibt es in Österreich eine steigende Zahl gutbetuchter Senioren, die über viel Wohnraum verfügen und ihre Zeit zwischen Gartenpflege, Golfplatz und Urlaubsplanung aufteilen. Man sollte sie dazu ermuntern, unbegleitete Flüchtlingskinder für mehrere Monate bei sich aufzunehmen. So könnten diese Kinder – siehe Caritas & Portugal – in Rekordzeit die deutsche Sprache erlernen und damit erfolgreich den ersten und wichtigsten Schritt zu ihrer Integration tun. Auch jene jungen Menschen, die Österreich wieder verlassen müssen, würden für ihren weiteren Lebensweg profitieren, da sie sich eine Fremdsprache angeeignet haben und das erfahren haben, auf das sie meist lange haben verzichten müssen: Sicherheit, Orientierung und individuelle menschliche Zuwendung.

Ernst Smole, Int. Forum für Kunst, Bildung und Wissenschaft, Nikolaus Harnoncourt Fonds, Blindengasse 38/34,

Wien