Lautstärke reduziert die Produktivität

Markt / 01.05.2015 • 14:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein hoher Lärmpegel im Büro sorgt für Stress bei den Mitarbeitern.
Ein hoher Lärmpegel im Büro sorgt für Stress bei den Mitarbeitern.

Eine Studie untersuchte den Einfluss von Lärm auf die Leistung von Mitarbeitern.

Lärm. (VN-cro) Die Sekretärin hört während der Arbeit immer Radio, der junge Kollege am Tisch nebenan führt zur besseren Konzentration gerne Selbstgespräche, der Bildschirm surrt leise vor sich hin, der Kopierer spuckt kontinuierlich Blatt für Blatt aus, draußen mäht der Hausmeister den Rasen, die Kollegin aus der anderen Abteilung schaut auf einen Plausch vorbei . . . – so in etwa läuft im Normalfall der Alltag in den Büros ab. Dass es sich jedoch um Arbeitsbedingungen handelt, die manchen Mitarbeitern zu schaffen machen, liest sich daraus nicht heraus.

Klar, in der Produktion, wo die Maschinen laufen, sind Gehörschützer an der Tagesordnung. Aber im Büro? Da wird die Lautstärke, die durch Stimmengewirr, technische Geräte, Musik, Telefon, etc. entsteht, unterschätzt. Misst man nämlich nach, sind 60 Dezibel in Großraumbüros gleich beisammen und damit die Grenze erreicht, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. So kann es etwa zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen kommen oder der Blutdruck steigen. Zudem sinkt die Konzentration, wodurch sich Fehler häufen. Kurz: die Arbeitsleistung nimmt ab.

Weniger Fehlzeiten

Das bestätigt auch eine Umfrage, die in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchgeführt wurde. Büroangestellte sind überzeugt, dass sie bei weniger Lärm doppelt so effizient wären. Zudem gaben sie an, durch die Lautstärke ihrer Umgebung an Kopfschmerzen und Migräne zu leiden. Würden Unternehmer hier ansetzen, wären die Mitarbeiter nicht nur produktiver, sondern auch die krankheitsbedingten Fehlzeiten wären rückläufig. Doch dieses Problem ist nicht erst seit gestern bekannt: Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) etwa stellte bereits 1982 fest: In Büros mit einem Lärmpegel von über 55 Dezibel ist die Leistung um ein Viertel geringer als in ruhigen Arbeitsräumen.

Man ist übrigens nicht jeden Tag gleich empfindlich für Lärm. Wer gesundheitlich angeschlagen ist, durch andere Faktoren schon einen erhöhten Stresspegel hat, kann Lärm weniger ausblenden. Lärmexperte Martin Liedtke rät daher: „Wer nicht gerade Telefondienst hat, sollte regelmäßig Ohrstöpsel benutzen.“ Die Geräuschkulisse dauernd auszublenden, koste Energie und führe dazu, dass viele Arbeitnehmer ermüden und Fehler machen. Außerdem sei es problematisch, dass Arbeitnehmer im Großraumbüro häufig Gesprächsfetzen aufschnappen. Das lenke ab, weil dabei immer auch Informationen transportiert werden, die bei den Arbeitnehmern ankommen, ob sie wollen oder nicht.

Das kann helfen

» Kommunikationsregeln für das Büro

» Gespräche so weit wie möglich in die Kaffeeküche verlegen

» Rückzugsräume oder Räume für lange Telefonate schaffen