Musterschüler Austria erstmals mit Problemen

Sport / 01.05.2015 • 22:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hubert Nagel für einmal sehr nachdenklich. Foto: Steurer
Hubert Nagel für einmal sehr nachdenklich. Foto: Steurer

Bundesliga-Lizenz für heimischen Erste-Liga-Klub nur gegen strenge finanzielle Auflagen.

Lustenau. Ein wirkliches Geburtstagsgeschenk sieht wahrlich anders aus. Doch Hubert Nagel, der in sechs Tagen seinen 64. Geburtstag begeht, hatte in Sachen Lizenz schon eine leise Vorahnung. Zu hoch war dem Langzeitpräsidenten der SC Austria Lustenau der Jahresverlust (172.000 Euro) anlässlich der Generalversammlung im Dezember 2014 gewesen. „Wir waren schon einmal besser aufgestellt“, hatte Nagel damals erklärt, und: „Wir werden es in den Griff bekommen.“

Ganz so sieht es das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, das für die Bundesliga die Lizenzunterlagen der Fußballklubs prüft, nicht. So wurde den Grün-Weißen – erstmals in der nunmehr 20-jährigen Profigeschichte der Austria – die Lizenz nur gegen eine strikte Buchführung in Sachen Finanzen erteilt. Nagel hatte diesbezüglich angesichts der derzeit nicht so rosigen Finanzlage seines Klubs schon eine leise Vorahnung, weshalb er im Vorfeld des Lizenzierungsverfahrens ein Gespräch mit Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits, zuständig für die Lizenzierung, geführt hatte. Wenn denn eine höhere Haftung notwendig sei, dann würde er um eine kurze Mitteilung bitten. So lautete die telefonische Bitte von Nagel an Herovits. „Er hat mir das zugesagt und gemeint, es ginge in Ordnung“, erklärt er. Dies sei aber nicht erfolgt und so ist die Mitteilung der Liga, die Lizenz nur gegen Auflage erhalten zu haben, ein „Schock, vor allem aber ein Ärgernis“. Der Senat 5 der Bundesliga ist zur Ansicht gekommen, dass die liquiden Mittel des Musterschülers Austria Lustenau zu gering sind. „Wir hätten die Haftung schnell erhöhen können“, sagt Nagel und gibt eine kurze Erklärung bezüglich der Vorgangsweise durch den Klub: „Im Telefonat mit Liga-Vorstand Herovits habe ich ihm gesagt, dass wir dieses Mal die Lizenzbestimmungen nur über den Klub abwickeln werden, ohne irgendwelche andere Haftungen. Wir sind absichtlich den Weg gegangen, waren uns aber auch des Risikos bewusst. Deshalb hat es auch das Telefonat gegeben.

Hauptsponsor wäre hilfreich

Nagel, der auch im Aufsichtsrat der Bundesliga sitzt, gibt aber offen zu, dass die finanzielle Situation des Klubs „so schlecht wie noch nie“ ist. Für ihn ist das alles aber noch kein Grund, mit einem Kredit zu arbeiten. „Ja, wir haben ein Minus, aber wir werden ohne einen Kredit finanziell wieder auf die Beine kommen“, lässt sich Nagel nicht ins Bockshorn jagen. Deshalb sehe er das Ganze nicht so dramatisch, zumal er garantieren kann, dass „wir unsere Aufgaben erfüllen werden“.

Hilfreich wäre in einer Situation wie dieser mit Sicherheit ein Hauptsponsor. „Mit einem solchen hätten wir in den letzten fünf Jahren sicherlich den Aufstieg in die Bundesliga geschafft“, ist nicht nur Nagel überzeugt. Derzeit, so verrät der Klubchef, laufen Verhandlungen in diese Richtung. Angebliche Kontakte mit Admiral-Sportwetten wurden von der Konzernführung des Wettanbieters jedoch dementiert.

Klar ist für Nagel auch, dass Trainer Lassaad Chabbi gehalten werden soll. Hinsichtlich neuer Spieler hängt allerdings viel von potenziellen Geldgebern ab.