Therapie für Schläger

Vorarlberg / 01.05.2015 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

ifs-Beratungsstelle steht jenen zur Seite, die einen Ausweg finden wollen oder müssen.

Feldkirch. (ec) Das Büro der ifs-Gewaltberatungsstelle in der Feldkircher Bahnhofstraße ist gemütlich, hell und freundlich. Dennoch kommen die Klienten in der Regel nur ungern, selbst wenn sie spüren, dass sie davon profitieren. Doch die Hauptsache ist zunächst, dass sie überhaupt kommen. Immerhin stammen 75 Prozent aus dem Dunkelfeld, wurden also weder von Gericht noch sonstigen Behörden gezwungen, sind offiziell noch nie aufgefallen. „Natürlich stehen auch diese Selbstmelder unter Druck“, erklärt Psychotherapeut Arno Dalpra, Leiter der Beratungsstelle. Wenn beispielsweise Ehe, Beziehung, Familie zu zerbrechen drohen, weil der Betreffende sich nicht im Griff hat, versucht der eine oder andere es doch bei der Gewaltberatung. Bei familiärer Gewalt würde sich Dalpra wünschen, dass Klienten nach Eskalationen zeitnaher mit ihrem Tun konfrontiert werden.

Kooperation Voraussetzung

Konfrontiert mit ihren Ausrastern oder Übergriffen versuchen viele ihr Verhalten zu beschönigen. Redewendungen wie „Hand ausgerutscht“ scheinen bei der Selbstverleugnung anfangs zu helfen. Doch ist ein Mensch nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen, machen die Gespräche keinen Sinn. „Dann gibt es einfach keinen Folgetermin mehr“, stellt der Psychotherapeut und diplomierte Sozialarbeiter klar. Die Folge ist, dass es auch keine Bestätigung gibt und dies bewirkt wiederum, dass die angedrohte Sanktion schlagend wird. Ist jemand auf Grund einer gerichtlichen Weisung gezwungen, eine Therapie zu absolvieren, muss er dem Gericht in regelmäßigen Abständen eine Bestätigung vorlegen. Diese Bestätigung gibt es aber nur, wenn er bei der Therapie mitarbeitet, macht Dalpra deutlich. Erstaunlich ist, dass die Gewaltberater nur jene Informationen bekommen, die ihnen der Klient selbst mitteilt. Das Urteil, in dem genau steht, was der Delinquent angestellt hat, kann der Gesetzesbrecher dem Berater aushändigen, muss er aber nicht. Der Berater erfährt das, was der Klient erzählt. Ansonsten gibt es keine Informationen.

Sexuelle Gewalt

Menschen, in der Regel Männer, die sich sexuell für Kinder interessieren, kommen nicht allzu viele in die Beratungsstelle. Dalpra schätzt, dass es drei bis vier pro Jahr sind, davon kommt einer freiwillig, die anderen auf gerichtliche Weisung. Der Psychotherapeut zitiert eine österreichische Studie, nach der 0,5 bis vier Prozent aller Männer im Zusammenhang mit Sexualität ein Problem mit Kindern haben.

Dass Verurteilte durch die Weisung „Therapie, sonst wird die Haftstrafe fällig“ unter Druck gesetzt werden, mache einerseits Sinn. „Andererseits kann es bis zu eineinhalb Jahre dauern, bis dieser Zwang greift und dies fordert die involvierten Institutionen wie Gericht oder Beratungsstellen“, sagt Dalpra. Der Weg ist steinig, doch die Täter sollen Gefahren erkennen und Kontrollmechanismen entwickeln lernen, nur dann gibt es eine Chance auf ein „normales“ Leben.

Bei Selbstleugnung gibt es einfach keinen Folgetermin mehr. 

Arno Dalpra