Alles, nur kein Spektakel

Sport / 03.05.2015 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Jahrhundert-Duell war ein Langweiler: Floyd Mayweather (l.) gegen Manny Pacquiao. Foto: apa
Das Jahrhundert-Duell war ein Langweiler: Floyd Mayweather (l.) gegen Manny Pacquiao. Foto: apa

„Boxkampf des Jahrhunderts“ zwischen Gewinner Mayweather und Pacquiao ließ jede Menge Wünsche offen.

LAs Vegas. Floyd Mayweather stand mit verschränkten Armen auf den Ringseilen und schüttelte verärgert den Kopf. Die Buh-Rufe und Pfiffe der Fans erwischten den Protz-Boxer wie weitere Wirkungstreffer. Doch in der Tat hatte Mayweather bei seinem einstimmigen Punktsieg gegen Manny Pacquiao in Las Vegas kaum Glanz versprüht – vom viel zitierten „Kampf des Jahrhunderts“ konnte schon gar keine Rede sein.

Einstimmiger Punktsieg

Während Experten und Fans den Fight bitter enttäuscht kommentierten, rechtfertigte sich Mayweather für seine unspektakuläre Darbietung. Ein anderer Kampf sei gegen einen Gegner dieses Kalibers nicht möglich gewesen: „Ich musste alles geben, um zu gewinnen. Ich weiß jetzt, warum Manny Pacquiao so berüchtigt ist“, sagte der 38-Jährige nach dem Punktsieg (116:112, 116:112, 118:110). Der Dauer-Champion blieb im 48. Profi-Kampf unbesiegt, hält nun im Weltergewicht die Titel der Verbände WBA, WBO und WBC.

Auch Pacquiao konnte wenig zu einem von Millionen Fans weltweit herbeigesehnten Spektakel beisteuern. Nach der dritten Runde schwächte ihn nach eigenen Angaben eine Verletzung in der rechten Schulter. Schon vor drei Wochen klagte der „Pac-Man“ über Schmerzen, in den letzten Tagen vor dem Kampf ging es aber wieder besser. Am Ende des Fights hatte der Filipino mit dem großen Herzen dann ein wenig die Orientierung verloren. „Ich dachte, dass ich diesen Kampf gewonnen hätte“, sagte der 36-Jährige, obwohl er nach Punkten klar hinten lag.Die 16.500 Besucher, darunter zahllose Promis, verließen weitgehend ernüchtert die MGM Grand Garden Arena. Die Hollywood-Stars Clint Eastwood und Robert de Niro gehörten genauso dazu wie die früheren NBA-Giganten Michael Jordan und Magic Johnson oder Tennis-Ikone Steffi Graf. Pop-Star Sting sagte nach der 12. Runde: „Ich mag ja die Boxer. Aber das war heute kein Jahrhundert-Kampf.“ Ex-Champion und Sky-Experte Graciano Rocchigiani sprach sogar von einem „langweiligen Scheißkampf“. Ex-Champion Mike Tyson ätzte via Twitter: „Darauf haben wir fünf Jahre gewartet… #unbeeindruckt“.

Die Helden sind müde

Zum Re-Match wird es nicht kommen, das hatte Mayweather im Vorfeld bereits ausgeschlossen. Der über alle Gewichtsklassen hinweg beste Pound-for-Pound-Boxer will im September noch einen Kampf machen und dann ungeschlagen von der Bühne abtreten. Damit hätte er den Langzeit-Weltrekord von Rocky Marciano geknackt, der nach 49 Kämpfen ohne Niederlage als Weltmeister Schluss gemacht hatte.

Insgesamt hat Mayweather fünf WM-Titel. Die drei aus dem Weltergewicht und zwei aus dem Super-Weltergewicht. Diese will er allesamt niederlegen. „Ich möchte anderen Kämpfern eine Chance geben“, sagte der Champion gönnerhaft. Wahrscheinlicher ist, dass sich „Money“ nur von der Pflicht befreien will, in drei Monaten schon einen seiner vielen Titel verteidigen zu müssen.

Pacquiao kassierte im 64. Kampf seine sechste Niederlage und steht vor dem Ende seiner Karriere. Immerhin kassierte der Volksheld von den Philippinen, wo Hunderttausende Fans die Niederlage zur Mittagszeit mit Bestürzung aufnahmen, 100 Millionen US-Dollar. Die Hälfte davon will er für gute Zwecke in seiner Heimat einsetzen. Mayweather indes dürfte mit seiner Rekord-Börse von 150 Millionen seine Luxusauto-Flotte weiter aufstocken.

Ich dachte, dass ich diesen Kampf gewonnen hätte.

Manny Pacquiao