Altach verliert Netzer und Spiel

Sport / 03.05.2015 • 22:41 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Erste Schlüsselszene des Spiels: Philipp Netzer (r.) im Zweikampf mit Silvio, danach war Schluss. Foto: gepa
Erste Schlüsselszene des Spiels: Philipp Netzer (r.) im Zweikampf mit Silvio, danach war Schluss. Foto: gepa

Canadi-Truppe wirkte bei 0:2-Niederlage in Wolfsburg ein wenig „verschlafen“.

Wolfsberg. Während sich die Mannschaft und das Trainerteam bei den gut 40 SCRA-Fans für deren Unterstützung bedankten, herrschte in den Katakomben der Lavanttal-Arena betretenes Schweigen. Zu sehr hatten zwei Aktionen den Altachern den Liga-Nachmittag versaut. Die Verletzung von Philipp Netzer, die wohl das vorzeitige Saisonende bedeutet, und der Ausschluss von Alexander Pöllhuber, der nunmehr zehnte in dieser Saison – das ist negativer Liga-Rekord. Zu alldem entwickelte sich der Brasilianer Silvio während der 90 Minuten zu einem Altach-Schreck. Erst war der 30-jährige WAC-Stürmer an der Aktion beteiligt, als sich Netzer erneut am rechten Oberschenkel verletzte (20.), dann bedeutete das Foul an ihm den Ausschluss von Pöllhuber (47.), und schließlich leitete sein vierter Saison­treffer (72.) die 0:2-Niederlage der Cashpoint-Elf ein.

Saison für Netzer wohl vorbei

Nichts, aber auch gar nichts habe auf die Verletzung hingedeutet, sinnierte Netzer nach dem Schlusspfiff. Gut sieben Wochen nach seinem Muskelbündelriss, zugezogen im Training, war er ganz normal im Mannschaftstraining und hatte in der Vorwoche sogar ein unproblematisches Kurzcomeback – 26 Minuten gegen Austria Wien – gefeiert. Auch seitens der medizinischen Abteilung des Klubs hatte es keine Einwände mehr gegen dein Einsatz des Kapitäns gegeben. „Es ist genau

die

gleiche Stelle“, erzählte der 29-Jährige. „Ich habe einen schnellen Schritt gemacht und dann sofort den Schmerz gespürt. Es war wie wenn ein Faden reißt.“ Doch nicht nur die Verletzung allein gilt es für Netzer zu verdauen, auch die Verarbeitung des erneuten, verletzungsbedingten Rückschlags wartet. „Der Moment ist vom Kopf her brutal“, meinte Altachs Routinier, zumal er davon ausging, dass die Saison für ihn vorzeitig beendet ist.

Finstere Miene auch bei Pöllhuber. Verständlich, war es doch schon der dritte Ausschluss für den gebürtigen Salzburger in dieser Saison. „Absolut unnötig“, ging der 30-Jährige durchaus kritisch mit der Situation um. Wohlwissend, dass die Gelb-Rote letztendlich wohl das Spiel entschieden hatte, auch wenn er doch von einer „kleinlichen Regelauslegung“ sprach.

Altach hatte nämlich in Unterzahl nichts mehr zuzusetzen. Da nutzte auch nichts, dass Trainer Damir Canadi sofort reagierte und die Solospitze Hannes Aigner durch Lukas Jäger ersetzte. Damit war die Fünferkette zwar wieder komplett, doch an Entlastung, sprich Spiel nach vorne, war fortan nicht mehr zu denken. Der Druck der Kärntner, die auch mehr Siegeswillen an den Tag legten, wurde minütlich stärker. Der Versuch, die Null über die Zeit zu bringen, scheiterte schließlich in der 72. Minute. Ein Schlenzer von Silvion ins rechte Eck bedeutete den 0:1-Rückstand. Weil nach der Vorlage von Jacobo das Abwehrzentrum nicht vorrückte, hatte der WAC-Stürmer alle Zeit der Welt, den Kunstschuss anzubringen.

Verzweifelte Angriffsversuche

Wieder reagierte Canadi und tauschte Patrick Seeger ein (75.), zudem wurde der Abwehrriegel bewusst gelockert. Es sollte dennoch bis zur 88. Minute dauern, ehe die Vorarlberger eine erste Chance vorfanden. Ein Kopfball-Aufsetzer von Ngwat-Mahop nach Flankenball von Andreas Lienhart wurde aber von WAC-Goalie Christian Dobnik zur Ecke abgewehrt. So waren es am Ende die Wolfsberger, die einen Konter über Jacobo zu Ende spielten und durch Tadej Trdina den Endstand fixierten (92.).

In der Zwischenzeit war es vor allem Martin Kobras zu verdanken, dass Altach zumindest ergebnismäßig im Spiel blieb. Denn der SCRA-Keeper parierte einen Berger-Schuss (77.) ebenso souverän wie er allein gegen Joachim Standfest (79.) und Jacobo (89.) rettete.

Viel gelaufen, wenig Lohn

Am Ende blieben Altach nicht nur der Ärger über das Resultat und den Ausschluss sowie der „Faustschlag“ durch die Verletzung von Netzer. Es musste auch zugestanden werden, dass der Versuch, mit viel Ballbesitz den Gegner zum Laufen zu bringen, nie funktionierte. Zu schnell wurden die Bälle wieder verloren, nie kam der Pass in die Tiefe – eigentlich eine große Stärke der Vorarlberger. Im Gegenteil: Es waren die Altacher Spieler, die gegen das schnörkellose Spiel der Hausherren viel, ja zu viel investieren mussten, in den Zweikämpfen allerdings nie Zugriff bekamen.

Fußball – tipico Bundesliga 2014/15

31. Spieltag

Wolfsberger AC – Cashpoint SCR Altach 2:0 (0:0)

Lavanttal Arena, 4300 Zuschauer, SR Harkam (St)

Torfolge: 72. 1:0 Silvio, 90./+ 2 2:0 Trdina

Gelbe Karten: 14. Tajouri, 61. Roth, 89. Seeger (alle Altach/alle Foulspiel)

Gelb-Rote Karte: 47. Alexander Pöllhuber (Altach/Handspiel-Foulspiel)

Wolfsberger AC (4-2-3-1): Dobnik/3; Michael Berger/3, Sollbauer/3, Drescher/3, Palla/3; Standfest/2, Hüttenbrenner/4 (55. Tschernegg/2); Seebacher/3 (55. Trdina/2), Kerhe/3, Jacobo/2; Silvio/2 (85. Wernitznig/0)

Cashpoint SCR Altach (5-4-1): Kobras/2; Lienhart/3, Alexander Pöllhuber/3, Netzer/0 (23. Schreiner/4), Zwischenbrugger/4, Zech/3; Tajouri/3 (75. Seeger/0), Prokopic/3, Roth/4, Ngwat-Mahop/4; Aigner/4 (53. Jäger/4)

Bei Wolfsberg saß Verteidiger Dario Baldauf auf der Ersatzbank.

Notenschlüssel: Nach dem Schulnotensystem, von 1 (sehr) bis 5 (nicht genügend). 0 = zu kurz eingesetzt