„Datenmissbrauch wäre Tür und Tor geöffnet“

Politik / 03.05.2015 • 22:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Deutsche Verbraucherzentralen warnen vor Aufweichungen durch die Datenschutzreform.

Berlin. Ob beim Online-Einkauf oder in sozialen Netzwerken – überall hinterlassen wir unsere Daten. Heikel wird es, wenn Unternehmen diese digitalen Spuren für ihre Zwecke gebrauchen. Die deutschen Verbraucherzentralen warnen genau davor, ganz konkret vor einer Aufweichung der Datenschutzvorschriften durch neue Regeln aus Brüssel. Sie befürchten, dass es Unternehmen durch die EU-Datenschutzreform künftig einfacher haben, persönliche Angaben etwa aus dem Internet ohne Einwilligung des Verbrauchers für ihre Zwecke zu nutzen.

Gesammelt und verknüpft

Damit wäre dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet, sagte der Chef der deutschen Verbraucherzentrale, Klaus Müller. Im Kern geht es ihm um die Beibehaltung des  Zweckbindungsgrundsatzes, also des Prinzips, dass Daten nur für den Zweck verwendet werden dürfen, für den sie ursprünglich erfasst wurden. „Schwierig wird es immer dann, wenn Daten gesammelt und verknüpft werden“, erklärte er.

Denn das kann laut Müller im schlimmsten Fall Konsequenzen „in Euro und Cent“ haben: zum Beispiel, wenn ein Seelsorger aus beruflichen Gründen im Internet zum Thema Schuldeninsolvenzverfahren recherchiert und auch auf Facebook entsprechende Kontakte pflegt – und ein potenzieller Kreditgeber daraus ein höheres Zahlungsausfallrisiko ableitet. Die Datenspuren, die jemand hinterlässt, könnten also Folgen haben für die Bedingungen, zu denen man einen Bankkredit bekommt, eine Versicherung abschließen oder online einkaufen kann. Das Ganze habe natürlich auch Vorteile, etwa wenn den Kunden einer Online-Buchhandlung neue Titel nach ihren Präferenzen vorgeschlagen würden. „Aber das A und O ist, dass ich selber meine Einwilligung dazu erkläre und natürlich auch widerrufen kann“, sagte Müller.

In einer Umfrage waren in Deutschland neun von zehn Befragten dagegen, dass Unternehmen persönliche Daten aus dem Internet zu einem Profil zusammenführen, auswerten und für sich nutzen dürfen, berichtet Müller.