Toni Innauer

Kommentar

Toni Innauer

Ist die Zeit der Macher vorbei?

Sport / 03.05.2015 • 22:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die „großen“ alten Herren in den Führungsetagen von nationalen und internationalen Sportverbänden sind aus psychologischer Sicht holzschnittartige Idealmodelle für die Spezies der „Macher“. Diesem Typ von Führungskraft wird in Politik und Wirtschaft, vor allem im aufgeklärten Westen immer wieder das Aussterben prophezeit. Vergeblich! Einige Prachtexemplare verteidigen streitlustig und unbeirrt ihr Steuerrad. Offenbar besonders gehäuft im Spitzensport, in jener Branche, in der im Zweifelsfall der Erfolg und nicht erst seit gestern der finanzielle Gewinn über alles andere gestellt wird.

Ein jahrzehntelanger, mühsamer, aber erfolgreicher Kampf um Anerkennung und Macht hat das Psychogramm und die damit einhergehenden Verhaltensweisen und Reflexe der Sportmacher geformt und optimiert. Kein Mensch kann von außen beurteilen, ob sie wirklich so sein wollen, wie sie „rüberkommen“ oder ob sie einfach nicht mehr zurück können, weil sie den Absprung längst versäumt haben.

Boris GRUNDL liefert in seinem Buch „Die Zeit der Macher ist vorbei“, eine geniale Analyse dieses Menschentyps mit seinen grandiosen Stärken und Verdiensten, aber auch erstaunlichen Schwächen: Macher sind bewundernswerte Motoren, sie bringen Systeme zum Laufen und Abheben. Sie zeigen ihre Kraft besonders in bedrohlichen Krisensituationen. Intuitiv zetteln sie jedoch immer wieder Krisen an, um dann als Retter in der selbst verursachten Not ihre Kraft und Macht bündeln und zum allseits bewunderten Befreiungsschlag ausholen zu können.

Typische Macher können Vorbilder sein, aber nur für einen begrenzten Bereich des Lebens, zu zwiespältig bleiben sie als Persönlichkeiten. Macher befriedigen das Bedürfnis der Günstlinge im Hofstaats nach Windschatten in rauen Zeiten und sichern sie mit sekundärer Macht ab. Als Gegenleistung wird absolute Loyalität bis zur Selbstverleugnung erwartet. In einem nur kurzfristig zu stillenden Narzissmus sehen Macher in jedem Gegenüber auf mysteriöse Art wie in einem Spiegel immer nur sich selbst. Gerade deshalb sind sie manipulierbar. Eitelkeit macht sie trotz ihrer oft überragenden Intelligenz sehr anfällig für geschickte Schmeicheleien.

Ist dies der Grund, warum Sportmacher ihre eigenen Bedürfnisse und die günstigsten Chancen zum verdienstvollen Abgang nicht mehr erkennen können? Jede sich bietende Gelegenheit wird vom Gefolge instinktiv und geschickt „vereitelt“. Das schützt vor der Unberechenbarkeit und dem Realitätssinn eines neuen Chefs, verhindert aber gleichzeitig die überfällige Erneuerung eines Systems.

Im Spitzensport ist die Zeichen der Macher mit Sicherheit noch nicht vorbei.

sport@vorarlbergernachrichten.at