Platz in Hülle und Fülle

Vorarlberg / 03.05.2015 • 20:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
   
   

98 Hektar Baulandreserven in Bludenz. Kein Wachstum über Siedlungsgrenzen hinaus.

Bludenz. In Bludenz reiht sich ein Bauprojekt an das nächste. Die Stadt ist auf Wachstumskurs – wenn auch moderater als die Städte im Rheintal. Seit 2010 kamen jährlich rund 50 neue Bewohner dazu. „Für den Wohnbau haben wir ausreichend Platz“, sagt Stadtplaner Thorsten Diekmann im VN-Gespräch. 98 Hektar gewidmete Flächen stehen bereit. Einzelne Bauträger hatten gleich mehrere Projekte gleichzeitig eingereicht. „Damit sie bei weiter steigendem Bedarf gerüstet sind.“ Aktuell sei eher eine Marktsättigung zu spüren.

Einzelne Stadtteile profitieren stark von den Aktivitäten. So entstehe etwa im Bereich Hasensprung an der Grenze zu Nüziders ein neues Quartier. Vier große Wohnanlagen in drei Jahren wurden errichtet. Diekmann spricht von guten Rahmenbedingungen für ein kleines, eigenständiges Ortszentrum. „Wünscheswert wäre noch als Ergänzung wohnverträgliches Gewerbe.“

Große Flächen stehen in der Alpenstadt auch für den Gemeinnützigen Wohnbau bereit. Am Funkenplatz verfügt die VOGEWOSI über entsprechende Reserven. Ein größeres Projekt für Betreutes Wohnen ist auf Schiene.

Bludenz wächst von den Siedlungsgrenzen nach innen auf den vorhandenen Baulandreserven mit einer natürlichen Verdichtung. So würden etwa bestehende Gebäude erweitert oder Grundstücke geteilt. Während es im Wohnbau für Jahrzehnte ausreichend Platz gibt, fehlen der Stadt Gewerbeflächen. Da schielt man im Rathaus nach Grundstücken außerhalb der bestehenden Siedlungsgrenze. Konkret geht es um gesamt neun Hektar große Flächen im Brunnenfeld und Paschg im Südosten der Stadt. In den nächsten fünf Jahren soll ein Entwicklungskonzept erstellt werden. Es wird geprüft, wie Landwirtschaft, Umweltschutz und Gewerbe in diesem Gebiet gemeinsam funktionieren können.

Wichtige Zukunftsflächen

Mit den Gewerbeflächen sollen Betriebe in der Stadt gehalten werden. Die Strategie sei, Gründer zu unterstützen. Aktuell etwa im Rinderer-Areal, wo kleine Betriebe mit einem bis fünf Mitarbeitern angesiedelt sind. „Wenn sich die Firmen entsprechend entwickeln, braucht es die Flächen“, so Diekmann.

Traditionsbetriebe der Stadt hätten teils aber auch selbst bereits Vorkehrungen getroffen. Der Stadtplaner nennt Getzner als Beispiel, wo eine Erweiterung der Produktionsflächen geplant ist. Bis zu 100 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Große Potenziale bietet die Innenstadt selbst. Auch wenn Beobachter die Entwicklung als schleppend empfinden, habe die Stadt „im Rahmen ihrer Möglichkeiten einiges getan“. Diekmann räumt allerdings ein, dass es nicht einfach sei, die unterschiedlichen Interessen der privaten Gebäude- und Grundstückseigentümer unter einen Hut zu bringen. Das jetzt angekündigte mögliche Engagement des Vorarlberger Standortentwicklers Prisma wird in der Alpenstadt wohlwollend aufgenommen. Ein Investor mit Fantasie und dem Know-how, wie es Prisma habe, sei jedenfalls willkommen.

Ein Schlüssel zu einer erfolgreichen Entwicklung der Stadt ist der Verkehr. „Die Innenstadt ist durch die
L 190 eingeschnürt.“ Die geplante Verlegung der Straße würde, so Diekmann, den Verkehrsfluss verbessern und neue gestalterische Möglichkeiten, etwa für Begegnungszonen und attraktiven Straßenraum, geben. Beim Riedmiller-Denkmal entstünde ein auch für Veranstaltungen nutzbarer Platz. Darunter eine Stadtgarage mit 300 bis 400 Stellplätzen. Baubeginn der Trassenführung: frühestens 2019.

Symbolfoto Altstadt Bludenz Frühjahr 2014
Symbolfoto Altstadt Bludenz Frühjahr 2014
   
   
Riedmiller-Denkmal / Brunnen mit Blick auf die Altstadt & Mädls beim flanieren/einkaufen
Riedmiller-Denkmal / Brunnen mit Blick auf die Altstadt & Mädls beim flanieren/einkaufen
Die Bevölkerung in der Alpenstadt wächst kontinuierlich. Die Belebung der Innenstadt läuft indes schleppend. Ein Schlüssel ist die Verlegung der L 190. Damit würde es auch ganz neue Möglichkeiten für den Platz beim Riedmiller-Denkmal, wie die Illustration zeigt, geben. Fotos: VN/Gasser, Archiv, Stadt
Die Bevölkerung in der Alpenstadt wächst kontinuierlich. Die Belebung der Innenstadt läuft indes schleppend. Ein Schlüssel ist die Verlegung der L 190. Damit würde es auch ganz neue Möglichkeiten für den Platz beim Riedmiller-Denkmal, wie die Illustration zeigt, geben. Fotos: VN/Gasser, Archiv, Stadt

Zur Person

Thorsten Diekmann

Stadtplaner in Bludenz

Geboren: 14. 9. 1968 in Hamburg

Laufbahn: Architekturstudium in Hannover und Graz; Tätigkeiten in Architektur- und Planungsbüros in Graz

Familie: geschieden, eine Tochter